Wegen Vollmilchschokolade

Nach Rassismus-Vorwürfen und Shitstorm: Bahlsen benennt Schoko-Keks um

Der Kekshersteller Bahlsen aus Hannover hat eines seiner Produkte nach über 70 Jahren umbenannt. Hintergrund ist eine Rassismusdebatte um den Keks „Afrika“.

Dortmund – Die Firma Bahlsen benennt eine ihrer Kekssorten nach 70 Jahren um. Diese Tatsache alleine wäre nicht unbedingt interessant. Bahlsen hat sich zu diesem Schritt allerdings erst nach einer hitzigen Rassismus-Debatte auf Twitter entschieden.

UnternehmenBahlsen
GründerHermann Bahlsen
HauptsitzHannover, Niedersachsen

Bahlsen benennt nach 70 Jahren Keks „Afrika“ um – das steckt dahinter

Aber von vorne: Zum Valentinstag 2020 hat die Firma Bahlsen den seit 1953 etablierten Keks „Afrika“ beworben. Hierbei handelt es sich um eine dünne Waffel, die mit Vollmilch-Schokolade überzogen ist. Und genau das ist Twitter-Usern zu diesem Zeitpunkt negativ aufgefallen. „Ein brauner Keks, der Afrika heißt? For real?“ soll eine Userin unter Verwendung des Hashtags #alltäglicherrassismus gefragt haben, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

Einen Zusammenhang zwischen dunkler Hautfarbe und dem Keks-Namen „Afrika“ hat Bahlsen von sich gewiesen. Die Firma habe den Namen damals gewählt, weil Afrika der größte Produzent von Kakaobohnen auf der Welt ist. Der Name würde perfekt zu den „voll schokolierten Waffeln“ passen.

Bahlsen gibt nach Shitstorm nach: Keks heißt jetzt „Perpetum“

Der Protest in den sozialen Medien sei aber auch nach dieser Erklärung nicht abgeflacht. Bahlsen erklärte sich nach weiteren Rassismusvorwürfen bereit, an einer Umbenennung zu arbeiten. Auch deshalb, weil der Bezug des Süßwarennamens zum Rohstoff Kakao und damit zum Erzeugerland offenbar nicht mehr wahrgenommen werde, sagte ein Firmensprecher der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ).

Die Schokowaffel „Afrika“ soll daher zukünftig unter dem Namen „Perpetum“ vertrieben werden. Der Name stammt von dem lateinischen Wort „perpetuum“, das so viel wie „immerwährend“ oder „ewig“ bedeutet. Um den Neustart des Produktes zu unterstreichen, verpasst Bahlsem „Perpetum“ auch ein neues Verpackungsdesign. Der Pappkarton ist nicht mehr klassisch dunkelblau, sondern zum Großteil hellblau.

Doch der Inhalt fällt deutlich kleiner aus, als gewohnt. Wurde „Afrika“ noch mit 130 Gramm pro Packung verkauft, sind es bei „Perpetum“ nur noch 97 Gramm – ein Viertel weniger bei gleichem Preis. Das bedeutet eine versteckte Preiserhöhung um rund 34 Prozent.

Rassismus-Eklats im Supermarkt: viele Produkte werden diskutiert

Die Diskussion um Lebensmittel-Namen ist keine neue. Auch Knorr änderte im Sommer 2020 den Namen der bekannten „Zigeuner-Soße“ und löste damit eine zwiegespaltene Debatte aus. Die Soße heißt nun „Paprikasauce Ungarische Art“. Hintergrund der Umbenennung war auch hier eine Rassismus-Diskussion nach dem Tod des US-Amerikaners George Floyd. Der frühere Beiname ist ein beleidigender Ausdruck für Angehörige der Völker der Sinti und Roma.

Auch Reis-Produzent Uncle Ben‘s will sein Design ändern. Die meist orange Verpackung zeigt das Gesicht eines stereotypischen schwarzen Mannes. Der Beiname „Uncle“ der Marke ist außerdem ein Verweis auf Sklaverei in den USA. Hintergrund ist, dass die Anrede „Mister“ oder „Miss“ als ungeeignet für Sklaven galt. Sie wurden stattdessen mit „Uncle“ oder „Auntie“ angesprochen und damit entmenschlicht. Auch eine Umbenennung von „Uncle Ben‘s“ in „Bens Original“ wurde deshalb angeregt.

Uncle Ben‘s hat angekündigt, sein Design verändern.

Keks-Debatte bei Bahlsen: Nicht alle sind zufrieden

In der Debatte um die Bahlsen-Kekse „Afrika“ gibt es allerdings ebenfalls gespaltene Meinungen. So sind nicht alle User auf Twitter zufrieden mit dem Schritt des Herstellers. Unter anderem finden sich auf dem sozialen Medium viele Verweise auf vermeintliche „größere Probleme“ wie etwa die Corona-Krise.

Einige User treten allerdings auch nach: „Mir ist übrigens egal, wie #Bahlsen seine Kekse nennt. Die sollen mal lieber (die Nachkommen ihrer) Zwangsarbeiter*innen aus der Zeit der NS-Diktatur entschädigen, auch wenn Konzernerbin Verena meinte, man habe die „gut behandelt““, twittert etwa Sascha Kerksen. Scheint, als hätte Bahlsen mit der Umbenennung nicht alle zufrieden gestellt.

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