Das Furan-Problem

Babybrei im Test 2021: Belastete Produkte fallen mit Note „mangelhaft“ durch

Öko-Test hat erneut Babybrei im Glas auf den Prüfstand gestellt. Zum wiederholten Male weisen die Tester darauf hin, dass die Breie belastet sind.

Deutschland – Ausgerechnet bei Babybrei schaffen es die Hersteller nicht, die Produkte schadstofffrei zu produzieren. Auch im aktuellen Test von Gemüsebrei mit Fleisch findet Öko-Test wieder Furan in jedem Gläschen. Der Stoff steht im Verdacht, krebserregend zu sein (weitere Testberichte auf RUHR24).

Öko-TestVerbrauchermagazin
SitzFrankfurt am Main
Erstausgabe1985

Öko-Test prüft Gemüsefleischbreie für Babys – Furan ist weiterhin ein Problem

Für ihren aktuellen Test haben die Prüfer 20 Gemüsefleischbreie für Babys untersucht. Die Breie der gängigen Marken enthalten neben Gemüse auch Rind, Huhn, Pute oder Schwein.

In Laboren wurden die Produkte auf Furan, Pestizide, Schwermetalle und Keime hin untersucht. Das Ergebnis: Auch die Breie mit Fleisch schneiden insgesamt nicht zufriedenstellend ab. Das Hauptproblem ist weiterhin Furan.

Öko-Test: Möglicherweise krebserregender Stoff in Baby-Gemüsebrei „unvermeidbar“

Furan kann sich beim Erhitzen von Lebensmitteln in geschlossenen Behältnissen bilden. Eben dieses passiere bei der Sterilisation von Babygläschen, erklärt Öko-Test. Im Produktionsprozess von solchen Baby-Gläschen sei Furan daher „unvermeidbar“.

Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird der Stoff allerdings als potenziell krebserregend und leberschädigend eingestuft. In Tierversuchen führte die langfristige Aufnahme zu Leberschäden, in hohen Mengen auch zu Leberkrebs.

Furan in Brei für Säuglinge gefunden: Langzeitfolgen sind nicht auszuschließen

Die Prüfer geben an, dass die Hersteller die Furan-Mengen in den letzten Jahren deutlich reduzieren konnten. Eine akute Gefahr sei daher auszuschließen. Dennoch sollten die Hersteller versuchen, das Problem in den Griff zu bekommen.

Denn: Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) können langfristige Schäden nicht ausgeschlossen werden. Auch Grenzwerte für Furan gibt es nicht, weil die Wissenschaftler schlichtweg nicht wissen, in welchen Mengen eine Gefahr von Furan ausgeht. In einer Stellungnahme des BfR aus dem Jahr 2020 heißt es dazu:

Aufgrund der vergleichsweise hohen Gehalte an Furan in Säuglingsnahrung sind Säuglinge pro Kilogramm Körpergewicht im Durchschnitt einer höheren Belastung ausgesetzt als andere Altersgruppen. Ob die zeitlich begrenzte Aufnahme von hohen Mengen Furan im Säuglingsalter tatsächlich eine besondere Gefahr für die Gesundheit darstellt, kann derzeit anhand der verfügbaren Informationen nicht zuverlässig beurteilt werden.

BfR 2020

Babybrei mit Gemüse im Fleisch im Test – die Ergebnisse

Bei der Bewertung der Breie orientiert sich Öko-Test nach eigenen Angaben an den Werten, bei denen es in Tierversuchen erste Gesundheitsschäden gab. Mit anderen Worten: je weniger Furan im Brei, desto besser.

Insgesamt vergeben die Tester sechsmal „gut“, neunmal „befriedigend“ und dreimal „ausreichend“. Zwei Breie sind nicht empfehlenswert – sie fallen wegen erhöhter Schadstoffbelastung komplett durch.

Babybrei bei Öko-Test – das sind die Testverlierer

Das sind die drei schlechtesten Gemüsebreie mit Fleisch bei Öko-Test:

  • Produkt: Bebivita Gemüse und Hühnchen mit Reis; Preis pro 190 Gramm: 0,85 Euro; bedenkliche und/oder umstrittene Inhaltsstoffe: Furan erhöht, Zusatz von Eisendiphosphat; Gesamturteil: mangelhaft
  • Produkt: Bebivita Kartoffelpüree mit Gemüse und Hackfleisch; Preis pro 190 Gramm: 0,65 Euro; bedenkliche und/oder umstrittene Inhaltsstoffe: Furan erhöht, Zusatz von Eisendiphosphat; Gesamturteil: mangelhaft
  • Produkt: Hipp Kürbis mit Kartoffeln & Bio-Rind; Preis pro 190 Gramm: 1,35 Euro; bedenkliche und/oder umstrittene Inhaltsstoffe: Furan erhöht; Gesamturteil: ausreichend
  • Alle Gewinner und Verlierer gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel).

Wer Kinder hat, weiß: Zahlreiche Ernährungsexperten und Kinderärzte empfehlen das Selbst-Kochen von Babybrei. Dass aber gekaufte Gläschen fast ausnahmslos einen umstrittenen Stoff enthalten, ist nur in wenigen Eltern-Ratgebern zu lesen.

Öko-Test: Furan in Babybrei lässt sich bei der Zubereitung reduzieren

Das Verbrauchermagazin Öko-Test weist aber tatsächlich schon seit Längerem auf das Problem hin. So kritisieren die Tester bereits im März 2021, dass jedes Gemüsebrei-Produkt Schadstoffe enthalte.

Eltern, die auf Gläschen nicht verzichten möchten, können den Furan-Gehalt senken, indem sie die Fertigbreie bei geöffnetem Deckel erhitzen und zugleich umrühren. Dann verflüchtige sich ein Teil des Furans, erklärt Öko-Test. So habe der Hersteller Hipp dem Magazin Gutachten vorgelegt, nach denen der Gehalt im zubereiteten Brei um 16 bis 38 Prozent niedriger gewesen sei.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa; Öko-Test; Collage: RUHR24

Mehr zum Thema