Für Pkw, Lkw und E-Autos

Neue Abgas-Regel in der EU: Autofahrer zahlen 150 Euro mehr

Autos und Lkw stoßen Schadstoffe und andere klimaschädliche Gase aus. Wie viel ein zugelassener Pkw ausstoßen darf, ist in der EU geregelt und soll bald verschärft werden.

Dortmund – Die aktuelle Regelung für Pkw-Abgase in der EU, kurz Euro-Norm genannt, soll in den kommenden Jahren erneut angepasst werden. Zuletzt ist eine neue und derzeit gültige Euro-Norm „6d“ zum 1. Januar 2020 in Kraft getreten. Als Nächstes soll die Euro-Norm 7 umgesetzt werden. Doch was genau ändert sich für Autofahrer und die Industrie?

Abgasnorm in der EU „Euro-Norm 7“: Für Autos kommen neue Grenzwerte

Grundsätzlich soll die Euro-Norm regeln, wie viele Abgase vor allem neue Automodelle maximal produzieren dürfen, um zugelassen zu werden. Die neuen Regeln sind derzeit in der Vorbereitung und könnten noch angepasst oder verändert werden. Laut ADAC wurden aber bereits einige Grenzwerte durch die EU-Kommission vorgeschlagen.

Wenn es nach der EU-Kommission ginge, könnte die neue Euro-Norm 7 für Pkw und kleine Lieferwagen ab dem 1. Juli 2025 gelten. Neuzulassungen von Bussen und Lkw, also schweren Nutzfahrzeugen, sollen erst ab dem 1. Juli 2027 unter die neue Abgasnorm fallen. Doch auch ab 2023 gibt es schon einige Änderungen für Autofahrer.

Schadstoffe bei Pkw und Lkw: EU-Norm für Abgase wird verschärft

Ob dieser Zeitplan aufgeht und inwiefern die Vorschläge der Kommission noch verändert werden, muss noch gemeinsam mit dem EU-Ministerrat und dem Europaparlament ausgehandelt werden (mehr News zu Auto und Verkehr bei RUHR24 lesen).

Bisher sind die Vorschriften zu Abgasen und Emissionen in der EU für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge anders als die für Lkw und Busse. Die Vorschläge der Euro-Norm 7 soll die Grenzwerte für alle Kraftfahrzeuge in einem einzigen Regelwerk gleich definieren. Ob ein Fahrzeug Benzin, Diesel, Elektroantrieb oder andere Kraftstoffe benutzt, ist in den neuen Vorschlägen nicht relevant

Für neue Autos sollten bald neue Bestimmungen gelten.

Grenzwerte, Schadstoffe und Emissionen: Was sich in der Euro-Norm 7 genau ändern soll

Diese Änderungen sieht der Entwurf der EU-Kommission vor:

  • Schadstoffe: Bisher wurden bereits Stickoxide (NOₓ), Kohlenmonoxid (CO), Partikel und Kohlenwasserstoffe eingegrenzt. Jetzt soll auch Ammoniak limitiert werden. Bei Lkw sollen Formaldehyd (CH₂O) und Distickstoffmonoxid (N₂O) begrenzt werden. Auch extrem feiner Feinstaub soll genauer reguliert werden.
  • Emissionen von Bremsen und Reifen: Völlig neu sind Grenzwerte für Partikelemissionen von Bremsen und Regeln für Mikroplastikemissionen von Reifen. Von dieser Regel wären alle Fahrzeuge betroffen – also auch Elektrofahrzeuge.
  • Grenzwerte: Schadstoffe aus dem Auspuff sollen auf das niedrigste Niveau der aktuellen Euro-Norm 6 angepasst werden, wie 24auto.de berichtet. Bei Benzin-betriebenen Autos soll der Stickstoffausstoß also auf 60 mg/km minimiert werden, bei Diesel auf 80 mg/km. Der Ausstoß von Kohlenmonoxid (CO) bei Benzinern soll auf den aktuellen Diesel-Grenzwert von 500 Milligramm halbiert werden.
  • Haltbarkeit: Die Haltbarkeit der Traktionsbatterien für Elektroautos wird erstmals festgelegt. Demnach darf die Speicherkapazität der Batterie nach fünf Jahren beziehungsweise 100.000 Kilometern nicht unter 80 Prozent fallen. Nach acht Jahren oder 160.000 Kilometern soll sie wiederum nicht unter 70 Prozent fallen. Für Pkw und Lieferwagen sollen die Anforderungen der Haltbarkeit gegenüber der Euro-Norm 6 grundsätzlich verdoppelt werden.
  • Manipulationssicherheit: Um die Vorschläge auch wirklich einzuhalten, plant die EU-Kommission ein On-bard monitoring System (OBM) vorzuschreiben. Dieses soll Emissionsüberschreitungen erkennen und über einen eigenen Anschluss in den neuen Pkw auch direkt drahtlos übermitteln.

Autofahrer müssen tiefer in die Tasche greifen: Kosten für neue Euro-Norm in der Debatte

Die meisten Vorschläge betreffen Autofahrer eher indirekt. Aber wie sieht es im Alltag und vor allem mit anfallenden Kosten aus? Letztere werden derzeit bereits diskutiert. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) schätzt die technologischen Anforderungen für die vorgeschlagene Abgasnorm als sehr kostenintensiv ein. Verbraucher könnten mit „signifikanten Preiserhöhungen“ rechnen, so die Befürchtung des VDA.

EU-Binnenkommissar Thierry Breton weist diese Behauptung allerdings zurück – die Kosten für ein neues Auto sollten durch die Anforderungen zwischen 100 und 150 Euro erhöht werden und lägen somit im Rahmen. Bei Lkw und Bussen sollen die Mehrkosten schätzungsweise bei etwa 2700 Euro liegen.

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