Fahrbericht

Der neue Golf 8 im Fahrtest – voll digital in die Zukunft

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Moderner aber immer noch ein Golf: Die 8. Generation wirkt ein wenig gedrungener.

Mit dem Golf 8 hat VW seine Lektion gelernt: Voll digital und mit doppelter Abgasreinigung ist das Erfolgsmodell aus Wolfsburg ab Dezember auf dem Markt. Wir haben ihn getestet.

Er ist ein Wagen für das Volk. Ganze Generationen sind mit ihm groß geworden und jetzt kommt die achte Generation. Den neuen VW Golf kann man ab 6. Dezember kaufen zu einem Grundpreis von knapp unter 20.000 Euro. Wir sind ihn schon gefahren.

VW Golf: eines der beliebtesten Autos

Alle 40 Sekunden geht statistisch gesehen ein VW Golf über den Ladentisch. Schon seit 1974. Insgesamt 35 Millionen Mal wurde ein Golf verkauft. Damit ist er aber nicht das meiste Auto der Welt. Hier liegt der Wolfsburger nur auf Platz 3, geschlagen vom japanischen Toyota Corolla und von der Ford-F-Serie, dem legendären Pick-Up der Amerikaner.

Acht Generationen: Der Golf hat sich in den letzten 45 Jahren behutsam verändert.

Ein Golf ist ein Golf ist ein Golf

Von wegen! Die alte Regel, dass der Besteller aus Wolfsburg von Generation zu Generation möglichst behutsam weiterentwickelt wird, um ja den Erfolg nicht zu gefährden, gilt bei der neuen Ausgabe nur bedingt. Abgesehen vom Design. Der neue Golf ist ein wenig gedrungener und im Heck fast schon avantgardistisch kantig, Auch bei den Dimensionen gibt es kaum Neues. Zwei Zentimeter länger, zwei Zentimeter niedriger als der Vorgänger. Der Kofferraum ist ein wenig geschrumpft und bietet 380 Liter, mit umgeklappter Rückbank erweiterbar auf 1.237 Liter.

Knackiges, kantiges Heck: Hinten ist der neue Golf eine wahre (Design-)Pracht.

VW Golf 8: Innenraum und Verbrauch

Dafür hat sich bei den inneren Werten fast schon Revolutionäres getan. Da ist zum einen das voll digitale Cockpit, das fast ohne Knöpfe auskommt und zum anderen die moderne Motorenpalette die mit Benziner, Diesel, Erdgas, MILD-Hybrid und Plug-In-Hybrid so ziemlich alles aufbietet, was ein Auto antreibt. Nur einen reinen Stromer gibt es in der achten Generation nicht, das bleibt dem ID3 vorbehalten.

Mehr Raumschiff als Auto: Das Cockpit des neuen Golfs wird von zwei Bildschirmen beherrscht.

Bei den Motoren heißt es bei Volkswagen: Lektion gelernt. Die modernen Triebwerke sollen so clean sein wie nie zuvor. Da ist zum Beispiel der 2,0-Liter-Diesel, der dank doppelter Abgasreinigung auch den Stickoxid-Ausstoß um 80 Prozent reduziert. Wir haben das 150-PS-Aggregat getestet. Vernunft und Spaß sind hier gemeinsam unter der Motorhaube eingezogen. Volle Power, wenig Treibstoffkosten - nichts schlägt einen Diesel. Unser Durchschnittsverbrauch lag bei 5,6 Litern und das trotz dynamischer Fahrt auf kurvigen Bergstrecken. Auffällig unauffällig ist die Geräuschentwicklung, der Motor ist so gut gedämmt, dass man schon genau hinhören muss, ob das tatsächlich ein Diesel ist. Damit bietet der neue Golf den Geräuschkomfort einer gehobenen Luxuslimousine, was ebenso auf die bequemen Sitze und auf alle Materialien im Interieur zutrifft.

Wie macht sich der VW Golf 8 eTSI?

Die zweite Testfahrt absolvierten wir mit dem neu entwickelten eTSI, einem Vierzylinder-Benziner, gekoppelt mit einem Riemen-Startergenerator, der wiederum auf einem 48-Volt-Bordnetz basiert. Der Generator ermöglicht treibstoffschonendes Segeln und schiebt noch dazu kräftig mit an. Das Ganze passiert nahezu übergangslos, man merkt nicht, dass hier zwei Maschinen am Werk sind. 10 Prozent weniger Sprit verspricht Volkswagen mit diesem System. Das kann man sicher erreichen, allerdings erfordert das gerade bei der 150-PS-Variante (später gibt es den Motor noch mit 110 und 130 PS) einige Disziplin vom Fahrer beim Gasgeben. Knapp unter acht Liter steht auf unserer Anzeige. Wir sind aber ziemlich sportlich unterwegs gewesen. Mit Genuss, denn auch das Fahrwerk macht einen Riesenspaß: Dank einer direkten Lenkung und Dämpfern, die weder zu weich noch zu hart sind, arbeitet sich der Golf chirurgisch präzise durch die bergige Kurvenwelt.

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Technische Revolution beim VW Golf 8?

Ein Golf ist halt ein Golf - und jetzt sogar mehr als das. Die achte Generation ist ein fahrbares Smartphone. Das digitale Innenleben und das fast knopflose Cockpit sind der größte Sprung, den je eine Golf-Generation hingelegt hat. Diese technische Revolution mag zwar auf der Höhe der Zeit sein, ist allerdings auch nicht ungefährlich, wenn man sich die eher konservative Käuferklientel ansieht.

Bedienbar wie ein Smartphone: Das zentrale Display funktioniert mit Streicheln und Wischen.

Natürlich ist die Bedienung kein Hexenwerk. Wer ein Handy der neueren Generation bedienen kann, der findet sich auch im so genannten Innovision Cockpit zurecht. Allerdings nicht sofort und intuitiv. Man sollte auch als Profi schon eine Stunde Zeit investieren, um sich mit der digitalen Welt vertraut zu machen.

Denn das Armaturenbrett ist ziemlich knopflos. Fast alles kann der Fahrer über den zentralen 12,3 Zoll großen Touchscreen in der Mitte des Cockpits steuern. Es gibt nur wenige Ausnahmen. Das Licht wird zum Beispiel nach wie vor über eigene Elemente links vom Lenkrad bedient. Und auch für Klimaanlage oder die verschiedenen Fahrmodi gibt es Tasten, die sofort die gewünschten Funktionen auf den zentralen Bildschirm zaubern. Aber sogar der Lautstärkeregler - für Hifi-Fans eine Todsünde - ist einem so genannten Slider gewichen. Genauso wie für die Temperatureinstellung muss man mit dem Finger über ein Tastenfeld unter dem Zentralbildschirm tippen oder streichen. Daran gewöhnt man sich zwar recht schnell. Schlecht hingegen ist die Tatsache, dass diese Sensorfelder nachts nicht beleuchtet sind. Laut und leise stellen oder die Temperatur erhöhen, gerät so zum Blindflug für die Finger. Die Handhabung der Bildschirmfunktionen ist hingegen so einfach wie beim Smartphone. Wischen und drücken. Trotzdem gut, dass es einen Homebutton gibt, mit dem man immer wieder ins Überblicksmenü kommt.

Voll digital ist auch der Tacho! Was heißt hier Tacho? Der zweite Bildschirm direkt hinter dem Lenkrad kann auf drei Feldern komplett individualisiert werden. Wer darauf keine Lust hat, für den gibt es vier Grundlayouts, die man per Knopfdruck auf dem Lenkrad einstellen kann.

Die Assistenzsysteme im VW Golf 8

Viel Elektronik steckt auch in den Assistenten: Schon in der Basisausstattung gibt es Hilfe bei der Spurhaltung und auch die Notbremsfunktion ist schon an Bord. Ebenfalls neu beim Golf 8 ist die so genannte Car2X-Kommunikation, die zum ersten Mal in einem Serienauto eingebaut wird.

Car2X heißt die Technologie, die den Golf mit anderen Autos reden lässt. Informationen wie ein plötzliches Stauende können so rechtzeitig ausgetauscht werden.

Über ein W-Lan-Netz tauscht das Auto verkehrsrelevante Informationen im Umkreis von 800 Metern mit anderen Fahrzeugen aus. Damit erkennt der Golf rechtzeitig das Stauende, das gefährlich hinter einer Kurve lauert und bremst schon frühzeitig. Virtuelle Warndreiecke auf dem Display melden Unfälle oder liegen gebliebene Autos. Sogar die Kommunikation mit Ampeln ist möglich, beispielsweise könnte das Auto mit diesem Wissen die optimale Geschwindigkeit für die grüne Welle einstellen.

Unser Fazit zum neuen VW Golf 8 

So digital wie nie - so Golf wie nie. Mit der achten Generation des Megasellers haben die VW-Ingenieure ihr Erfolgsmodell in die Neuzeit gefahren. Gute Voraussetzungen, um auch weiterhin alle 40 Sekunden einen Golf zu verkaufen.

Lesen Sie auch: Weltpremiere: Das kann der neue VW Golf 8.

Rudolf Bögel

Warnleuchten im Auto und was sie bedeuten

Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Plötzlich blinkt und leuchtet es im Cockpit! Die Symbole und Kontrolllichter am Armaturenbrett zeigen an, ob dem Auto technisch etwas fehlt. Allerdings, ist es wichtig zu wissen, was die Lämpchen bedeuten. Hier die wichtigsten Kontrollleuchten im Auto: © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Motoröldruck zu niedrig. Motor abstellen. Ölstand prüfen und gegebenenfalls nachfüllen - hilft aber nicht immer. Meist muss der Wagen in eine Werkstatt geschleppt werden. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Ölmangel, Ölstand überprüfen und nachfüllen - sonst droht Motorschaden. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Anschnallzeichen: Einer oder einige der Fahrgäste sind nicht angeschnallt. Das Symbol leuchtet auch auf, wenn eine schwere Tasche auf dem Sitz steht. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme bei der Stromversorgung: Generator defekt oder eine elektrische Verbindung unterbrochen. Motor nicht ausschalten und zur nächsten Werkstatt. NICHT weiterfahren bei elektrischer Servolenkung (Lenkkraftunterstützung kann ausfallen) oder gerissener Keilriemen (Motor kann überhitzen). © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme mit der Bremse. Brennt dieses Licht auch bei gelöster Handbremse, droht große Gefahr. Zu wenig Bremsflüssigkeit oder die Beläge sind bis aufs Metall runter. Sofort anhalten und Pannendienst rufen. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Motor ist überhitzt. Kühlwasser reicht nicht mehr. Anhalten und abkühlen lassen. Danach unbedingt in die Werkstatt. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Reifendruckkontrollsystem meldet zu niedrigen Reifendruck. Eventuell harmlos, wenn das Symbol nach dem Reifenwechsel leuchtet (fehlende Kalibrierung) - mehr in der Betriebsanleitung. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Störung im Rückhaltesystem. Funktionsversagen des Airbags/ Gurtstraffers bei Unfall möglich - sofort in die Werkstatt. Symbol leuchtet auch bei deaktiviertem Beifahrerairbag (wg. Kindersitz).  © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Bremsbeläge sind abgefahren und sollten demnächst erneuert werden. Weiterfahren möglich. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) ist aktiv - oft auf nassen und vereisten Straßen. Vorsichtig lenken, keine Vollbremsung machen und Fuß vom Gas nehmen. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme mit der Motorsteuerung. Der Schadstoffausstoß kann erhöht sein. Symbol leuchtet auch, wenn die Lambdasonde defekt ist oder ein Marder ein Kabel beschädigt hat. Umgehend in die nächste Werkstatt fahren. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Nebelschlussleuchte ist eingeschaltet. In Deutschland nur erlaubt, wenn die Sicht durch Nebel geringer als 50 Meter ist. © ADAC