Vorsicht an roten Ampeln

Beliebter Trick zum Sprit sparen kann den Motor zerstören

Den Motor vor der roten Ampel auszuschalten, gilt als beliebter Tipp, um Sprit zu sparen. Aber Vorsicht: Der Motor kann davon sogar kaputt gehen.

Dortmund – Wer Sprit sparen will, kann auf zahlreiche Tipps zurückgreifen. Zu den gängigsten Empfehlungen gehört das frühe Hochschalten, um möglichst niedertourig zu fahren. Außerdem gilt: Lieber langsam beschleunigen und das Auto so leicht wie möglich beladen. Ein oft genannter Lifehack kann dem Motor allerdings mehr schaden als helfen.

Motor an der roten Ampel ausschalten oder laufen lassen?

Oft wird geraten, den Motor beim Warten an einer roten Ampel auszuschalten. Das soll Kraftstoff sparen und so das eigene Portemonnaie und die Umwelt schonen. Das lässt sich so pauschal aber gar nicht sagen. Ganz im Gegenteil: Wird der Motor im falschen Moment ausgestellt, geht er früher kaputt.

Ab wann das Ausschalten Sinn ergibt, hängt von einigen Faktoren ab. „Wann es sich lohnt, den Zündschlüssel zu drehen, ist von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich und auch von Fahrzeugalter und Motorgröße abhängig“, erklärt Thomas Schwarz vom ADAC Südbayern gegenüber Chip.

Kalten Motor niemals ausstellen – Neustart kann zu Schäden am Auto führen

Bei den meisten neueren Autos übernimmt die Entscheidung an der roten Ampel die Start-Stopp-Automatik. Besitzer und Besitzerinnen von Fahrzeugen ohne diese Technik müssen selbst handeln. Dabei sollten einige Punkte beachtet werden (mehr Service-News bei RUHR24).

Unabhängig vom Fahrzeug lässt sich sagen: Wer gerade erst losgefahren ist, sollte den Motor lieber laufen lassen. Ist der noch kalt, ist ein Neustart nämlich besonders schädlich. Der Verschleiß ist in diesen Fällen höher, weil das Öl und das Kühlwasser noch nicht erwärmt sind. Deshalb entsteht beim Startprozess mehr Reibung zwischen den einzelnen Komponenten des Motors.

Bei Autos mit Start-Stopp-Automatik wird die Entscheidung an der roten Ampel abgenommen. Sie fahren automatisch spritsparend.

Das ständige kalte Ein- und Ausschalten kann bei älteren Fahrzeugen auch die Lebensdauer der Batterie beeinflussen. Im ungünstigsten Fall kommt man von der Ampel dann gar nicht mehr weg, weil das Auto liegen bleibt. Deshalb sollten erst einmal einige Kilometer gefahren werden, bevor es überhaupt in Frage kommt, den Motor auszustellen.

Verschleiß an Motor und Batterie: Auto an der roten Ampel in einigen Fällen niemals ausschalten

Bleibt die Frage, wann der Motor wirklich warm genug für den Spritspar-Tipp an der Ampel ist. Arnulf Thiemel vom ADAC Technik Zentrum empfiehlt gegenüber der DPA mit dem Ausschalten zu warten, bis der Zeiger für die Kühlmitteltemperatur in der Mitte der Anzeige steht.

Dann hat das Kühlmittel eine Temperatur von rund 80 bis 90 Grad erreicht. Das reicht, um die Wärme gleichmäßig im Motor zu verteilen und so starke Reibung zu verhindern. Dann ist das Ausschalten laut ADAC auch nicht mehr bedenklich.

Aber auch mit warmem Motor rentiert sich ein Ausschalten nur in bestimmten Fällen. Das Auto sollte laut dem ADAC-Experten etwa 30 Sekunden lang stehen, um tatsächlich Kraftstoff einzusparen. Bei neueren Modellen könne es auch etwas weniger sein. Auf ihrer Webseite empfiehlt der ADAC mindestens 20 Sekunden.

Sprit sparen beim Auto: Fahrstil spart mehr als das Abstellen des Motors vor der roten Ampel

Wer diese Regeln konsequent einhält, kann laut Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) zwei bis drei Prozent Sprit einsparen, berichtet die Welt. Autofahrer, die dieses Einsparpotenzial nutzen möchten, müssen die Ampelphasen immer genau im Blick haben. Nur so lässt sich abschätzen, ob es sich lohnt, den Motor auszustellen.

Das Wichtigste ist dann beim Anfahren nicht voll auf das Gas zu drücken. Dann ist der Spritspar-Effekt sofort verpufft. Allgemein lässt sich durch einen bedachten Fahrstil sehr viel mehr Sprit einsparen, als durch das Abstellen des Motors vor roten Ampeln.

Motor manuell ausstellen: Autofahrer können Verkehrssicherheit gefährden

Ein weiterer Aspekt, der beim manuellen Ausschalten des Fahrzeuges wichtig ist, ist die Verkehrssicherheit. Wer den Zündschlüssel ganz umdreht, der deaktiviert damit auch wichtige Funktionen wie Bremslichter, Scheibenwischer und Gebläse für die Windschutzscheibe. In bestimmten Situationen kann das zu Unfällen führen.

Deshalb im Verkehr die Zündung immer nur auf die zweite Stufe stellen. Damit bleiben die elektrischen Funktionen des Fahrzeugs eingeschaltet, während der Motor ausgestellt wird. Auch Funktionen wie die Sitzheizung werden deaktiviert.

Rubriklistenbild: © Oleksandra Troian/Imago

Mehr zum Thema