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Digitaler Ausweis kommt – EU steckt die Regeln ab

Mit dem Smartphone oder der Uhr bezahlen, ist längst möglich. Doch den Ausweis digital vorzeigen? Das soll schnellstmöglich EU-übergreifend funktionieren.

Deutschland – Mobil bezahlen? Kein Problem! Sich unterwegs ausweisen zu können, ist allerdings noch nicht so weit verbreitet. Die EU-Staaten haben sich nun auf Regeln geeinigt, um eine digitale Brieftasche (E-Wallet) möglich zu machen – die dann auch in der ganzen EU ihre Gültigkeit besitzt.

Smartphone als Ausweis: EU will die Brieftasche überflüssig machen

Seit September 2021 ist es hierzulande möglich, seinen Ausweis auf dem Smartphone mit sich zu führen. Damals war es aufgrund der Sicherheitsbestimmungen aber nicht auf jedem Handy verfügbar. Die Bundesnetzagentur hat Ende 2021 dann nachgelegt und „eine Methode zur Personenidentifizierung mit einem mobilen Endgerät zur Beantragung eines qualifizierten Zertifikates vorläufig anerkannt.“

Das Ganze soll nun auf EU-Ebene ausgeweitet werden. Bislang ist das lediglich in und über 14 Mitgliedsstaaten hinaus möglich. Dafür ist allerdings noch eine Einigung der EU-Staaten mit dem Europaparlament nötig. Durch die europäische, elektronische Identifizierung (EUID) sollen laut DPA Behördengänge, Kredit-Anträge oder auch Anmeldungen für digitale Dienste vereinfacht werden.

Volker Wissing (FDP), Bundesminister für Digitales und Verkehr, äußerte sich positiv über die Entwicklungen und nannte es ein „enorm wichtiges Projekt“ für Deutschland. Hierzulande wolle man sogar zum Vorreiter in Sachen elektronischer Identität werden. Zudem versprach der Politiker eine enge Abstimmung zwischen nationaler und europäischer eID.

Deutschland als Vorreiter? Dänemark liegt mit Ausweis auf dem Smartphone weit vorne

Dänemark ist Deutschland allerdings mehr als einen Schritt voraus. Dort wurde bereits 1999 ein Pilotprojekt dazu gestartet. Inzwischen nutzt rund 90 Prozent der Bevölkerung die nationale eID, die sich bereits in ihrer dritten Generation befindet – seit 2018 auch in Form einer App.

Hierzulande, aber auch innerhalb der EU, gibt es jedoch auch Sicherheitsbedenken. Diese sind ein Grund dafür, dass der erste Vorschlag für einen rechtlichen Rahmen von 2021 noch einmal überarbeitet werden musste (mehr Digital-News auf RUHR24).

Ulrich Kelber, der Bundesdatenschutzbeauftragte, mahnte in einem Interview mit der Bundesdruckerei, dass die E-Wallet nicht gleichbedeutend mit der eID sein dürfe. Stattdessen solle sie „eine Art Container für nationale Identitäten“ sein, die dann EU-weit anerkannt werden. Bedeutet: Ein deutscher Staatsbürger solle seinen deutschen Personalausweis in digitaler Form in einer europäischen Brieftasche hinterlegen können, um sich innerhalb der EU damit ausweisen zu können.

Ausweis auf Smartphone soll kommen: EU will Brieftasche überflüssig machen

Digitaler Ausweis auf dem Smartphone in der EU soll grundsätzlich kostenlos sein

Neben etwaigen Sicherheitsbedenken einigten sich die EU-Staaten zumindest darauf, dass die E-Wallet grundsätzlich kostenlos sein solle. Dennoch kann es durchaus zu Kosten kommen – beispielsweise für Dienste, die für die Verwendung notwendig seien. Mit einer Einführung ist innerhalb von 24 Monaten zu rechnen, sofern Staaten und Parlament zu einer Einigung kommen.

Rubriklistenbild: © Westend61/Imago, Zoonar/Imago; Collage: RUHR24

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