Studien sprechen für die Forderung

Astrazeneca für Ältere? Ärzteverbands-Chef fordert Kehrtwende der Impfstrategie

Aktuell sind die Impfungen mit Astrazeneca ausgesetzt. Sollte es weiter gehen, spricht sich ein Ärzteverbands-Chef für eine komplett neue Impfstrategie aus.

NRW – Aktuell sind Impfungen mit dem Mittel Astrazeneca gestoppt. Doch Experten gehen davon aus, dass das Impfen mit dem Vektorimpfstoff bald weitergehen kann. Wenn es dann wieder so weit ist, sollten vor allem ältere Menschen den Impfstoff verabreicht bekommen. Das fordert zumindest ein Ärzteverband und schlägt eine komplett neue Strategie vor.

UnternehmenAstrazeneca
HauptsitzCambridge, Vereinigtes Königreich
Gründung6. April 1999
ImpfstoffAZD1222

Astrazeneca sollte nur noch bei älteren Menschen verabreicht werden

Nebenwirkung oder Zufall? Vereinzelte Fälle von Blutgerinnseln, die bei Patienten nach einer Astrazeneca-Impfung auftraten, werden derzeit untersucht, daher haben einige Länder die Verimpfung vorerst ausgesetzt. Am Donnerstag (18. März) will die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) darüber entscheiden, ob eine Neubewertung der Sicherheit des Impfstoffs notwendig ist (alle News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24.de).

Einige Experten wie der Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery halten weiterhin an Astrazeneca fest und befinden den Impfstoff für sicher, manche rechnen mit der baldigen Wiederzulassung des Vakzins. Ist das der Fall, fordert der Chef des Virchowbunds, dass Astrazeneca nur noch an ältere Patienten verimpft werden solle.

Arzt und Verbandschef fordert: „Viel mehr Biontech für die Jüngeren nehmen“

Dirk Heinrich, der Bundesvorsitzende des Verbands der niedergelassenen Haus- und Fachärzte spricht sich für eine komplett neue Impfstrategie aus. Wird Astrazeneca wieder zugelassen, sollten nur noch ältere Menschen damit gegen das Coronavirus geimpft werden, wie die Nachrichtenagentur AFP mit Bezug auf den Tagesspiegel berichtet.

„Wir müssen jetzt viel mehr Biontech für die Jüngeren nehmen“, sagte der Vorsitzende und Facharzt Heinrich gegenüber dem Tagesspiegel. Das begründete der Arzt mit neuen Studien aus Israel, dem Land, in dem derzeit rund die Hälfte der Bevölkerung bereits vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist (Stand: 17. März). Dort wurde laut Jüdischer Allgemeinen hauptsächlich der Impfstoff von Biontech und Pfizer verabreicht, dafür habe das Land umgerechnet 660 Millionen Euro ausgegeben.

Biontech für die Jüngeren und Astrazeneca für die Älteren

Die neuen Studien aus Israel zeigten laut Heinrich, dass der Biontech-Impfstoff auch eine Virusübertragung verhindere. Daher ist er der Meinung, dass das Vakzin vor allem bei jüngeren Menschen zum Einsatz kommen solle. Kita-Mitarbeitende, Lehrerende sowie medizinisches und pflegendes Personal seien die Bevölkerungsgruppen, die das Coronavirus am häufigsten übertragen würden.

Virchowbund-Chef Dirk Heinrich ist auch medizinischer Leiter des Impfzentrums in Hamburg.

Außerdem wisse man aus Großbritannien, wo Astrazeneca weiterhin verimpft wird, dass der Vektorimpfstoff zu 100 Prozent die Hospitalisierung und den Tod verhindern kann – und das auch bei älteren Menschen. Der Virchowbund-Chef meint gegenüber dem Tagesspiegel: „Astrazeneca ist der Impfstoff, der für die ältere Bevölkerung der geeignetste ist.“

Astrazeneca: Weniger Komplikationen und allergische Reaktionen bei Älteren

Ein weiteres Argument für dieses Vorgehen sei der Fakt, dass die auftretenden Komplikationen bei Astrazeneca vor allem bei jüngeren Frauen auftraten. Zudem gab es bei älteren Patienten weniger allergische Reaktionen auf den Impfstoff von Astrazeneca. Bevor die Astrazeneca-Impfungen ausgesetzt wurden, hat sich auch die Ständige Impfkommission (STIKO) dafür ausgesprochen, das Vakzin bei Menschen über 65 Jahren einzusetzen.

Die STIKO hat am 12. März nach Prüfung aller neuen Daten den Impfstoff für Personen ab einem Alter von 18 Jahren ohne Altersbegrenzung empfohlen. In der Empfehlung hieß es außerdem: „Die lokalen und systemischen Impfreaktionen waren bei älteren Personen eher seltener als bei jüngeren StudienteilnehmerInnen.“

Dirk Heinrich geht davon aus, das Astrazeneca nach der Prüfung der EMA wieder zugelassen wird. Sollte das nicht der Fall sein, könne man Menschen, die bereits eine erste Impfung mit dem Vektorimpfstoff bekommen haben, einen mRNA-Impfstoff als zweite Dosis verabreichen. Das müsste allerdings erst vom Paul-Ehrlich-Institut geprüft werden.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

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