Circa 18 Millionen Briten geimpft

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Großbritannien geht einen anderen Weg

EU-Länder wie Deutschland versinken im Astrazeneca-Impfstoff-Chaos. Derweil geht Großbritannien einen anderen Weg.

London/Berlin - Das Chaos um dem Impfstoff von Astrazeneca beherrschte in der vergangenen Woche die Schlagzeilen in Deutschland. Auch in anderen EU-Ländern und Norwegen gibt es Probleme mit dem Vakzin. Doch was macht eigentlich Großbritannien?

LandVereinigtes Königreich / Großbritannien
Impfungen gesamt28,2 Mio. bei circa 66.65 Mio. Einwohnern
Impfungen mit Astrazeneca15,8 mit erster Dosis / 2,2 mit zweiter Dosis

Corona: Astrazeneca-Chaos in Europa - Großbritannien hält an Impfstoff fest

Die britische Arzneimittelbehörde Medicines and Healthcare products Regulatory Agency veröffentlichte in dieser Woche einen Bericht, in dem es auch um den Impfstoff von Astrazeneca ging.

Großbritannien lässt sowohl mit den Impfstoffen von Biontech und Astrazeneca impfen. Es seien bis zum 21. März 10,8 Millionen erste Dosen von Biontech, 15.8 erste und 2,2 zweite Dosen von Astrazeneca verimpft worden, heißt es in dem Bericht (alle News zu Corona in NRW auf RUHR24.de).

In Großbritannien hat es bis zum 24. März 22 Meldungen von sogenannten Sinusthrombosen und acht Meldungen von anderen Thrombosen gegeben - allesamt würden diese im Zusammenhang mit dem Impfstoff von Astrazeneca stehen. Bei den Impfungen mit Biontech hat es keine Meldungen gegeben.

Corona: Großbritannien hat mittlerweile 18 Millionen Dosen Astrazeneca verabreichert

Im Fazit des Berichts kommt die Arzneimittelbehörde zu dem Entschuss, dass die Vorteile der Coronavirus-Impfstoffe Biontech und Astrazeneca die Komplikationen und Nachteile überwiegen. Weiterhin würde man die Entwicklung beobachten und alle Bürger Großbritanniens dazu aufmuntern, sich impfen zu lassen.

Ein Fläschchen mit fünf Millilitern Corona-Impfstoff von Astrazeneca.

Im Umkehrschluss hat es 30 Meldungen von Thrombosen bei insgesamt 18 Millionen verimpften Dosen Astrazeneca gegeben. Die Gefahr, ein Blutgerinnsel zu bekommen sei sehr klein. Die Arzneimittelbehörde würde aktuell keinen Grund sehen, bei Astrazeneca anders zu handeln wie bisher.

Corona-Risiken höher als das Risiko eine Thrombose nach Impfung mit Astrazeneca zu bekommen

Experten und Wissenschaftler schauen aber mit Sorge auf den Kontinent. Wie der Guardian berichtet, würde man bei der negativen Presse des Impfstoffes Astrazeneca in den EU-Ländern die Sorge haben, dass die Impfkampagne in Großbritannien ins Stocken gerät.

Professor Andrew Goddard, Präsident des Royal College of Physicians, äußerte sich gegenüber dem Guardian: „Soweit wir das beurteilen können, gibt es keinen eindeutigen Beweis, dass es zu einer Häufung von Thrombosen bei den Menschen gekommen ist, die wir geimpft haben.“

Interessant auch: Frank Mockenhaupt, kommissarischer Direktor des Instituts für Tropenmedizin aus Berlin, äußerte sich, dass auch die heimische Hausapotheke nicht ungefährlich ist.

Der Konsens in Großbritannien unter Experten ist eindeutig: Die Risiken, einer Covid-19-Erkrankung sind höher einzuschätzen, als ein Blutgerinsel nach einer Impfung mit Astrazeneca zu bekommen.

Rubriklistenbild: © Scott Heppell/dpa

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