Von wegen umweltbewusst und gesund

"Goldener Windbeutel 2020": Käse-Firma enttäuscht mit Reaktion auf Preis für Werbelüge 

Der "Goldene Windbeutel 2020" von Foodwatch für eine unglaublich dreiste Werbung steht fest. Doch die betroffene Käse-Firma reagiert enttäuschend.

  • Hersteller nehmen es mit der Wahrheit nicht immer so genau – das findet zumindest Foodwatch
  • Jedes Jahr verleihen sie den Goldenen Windbeutel für besonders dreiste Werbelügen
  • Über eine Käse-Werbung haben sich die Kunden am meisten geärgert . 

Update, Dienstag (8. September), 15.53 Uhr: Berlin/Dortmund – Zwischen August und September konnten Kunden abstimmen, über welches falsche Versprechen der Hersteller sie sich am meisten ärgern. Nun steht der Gewinner unter den Vorgauklern fest.

Mit einem Versprechen hat es das Unternehmen Hochland zu weit getrieben, finden zahlreiche Teilnehmer der Online-Abstimmung von Foodwatch. Bei der Werbe-Lüge geht es um eine Milch, die beschrieben wird als ein Produkt von "Freilaufkühen", wie Foodwatch schreibt.

Käfig statt Wiese: Hochland erhält Goldenen Windbeutel für dreiste Milch-Lüge

Allerdings soll die Realität bei Hochland von freilaufenden Kühen weit entfernt sein, so Foodwatch auf Instagram. Nach deren Recherchen sollen die Nutztiere dort in Käfigen gehalten werden anstatt auf saftigen und grünen Wiesen.

Doch anstatt den Mitarbeitern von Foodwatch Rede und Antwort zu stehen, sorgt die Käserei für eine herbe Enttäuschung, als Hochland der Goldene Windbeutel überreichen soll. Denn das Unternehmen soll den Negativpreis nicht angenommen haben. Außerdem sollen die Verantwortlichen sich nicht bereit für ein Gespräch gezeigt haben.

Ursprungsmeldung: Dass Werbung einem das Blaue vom Himmel verspricht, ist eigentlich klar. Aber manchmal übertreiben es die beliebten Marken mit ihren Versprechungen so sehr, dass Verbraucherschützer von Kundentäuschung sprechen. Um auf dreiste Lügen der Werbung aufmerksam zu machen, verleiht die Organisation Foodwatch jedes Jahr den Goldenen Windbeutel. Für die Wahl 2020 können Verbraucher noch bis zum 6. September abstimmen.

Verein

Foodwatch

Gründer

Thilo Bode

Gründung

2002

Mitgliederzahl

80 stimmberechtigte Mitglieder

Hauptstandort

Berlin

Dreiste Werbelügen beim Einkaufen – Marken versprechen Kunden das Blaue vom Himmel

Wenn man durch den Supermarkt schlendert, scheint es, als sei umweltfreundliches und ernährungsbewusstes Einkaufen kein Problem mehr. Auf ihren Verpackungen versprechen diverse Marken, ihr Produkt sei besonders gesund, enthält nur ganz wenig Zucker und verursacht nur ganz wenig CO2 – ganz sicher. 

Dass die Marken es dabei aber nicht ganz so genau nehmen, beziehungsweise Formulierungen wählen, die ihnen ausreichend Spielraum lassen und die Kunden dennoch von ihren guten Absichten überzeugen, das ist nicht immer bekannt. Dafür gibt es aber die Organisation Foodwatch. Verbraucher können bei der Organisation Vorschläge für die dreisteste Werbelüge einreichen und einmal im Jahr darf darüber abgestimmt werden.

Arla, Zentis, Mars, Volvic und Grünländer sind die Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 20202

In diesem Jahr mit dabei im Rennen um die dreisteste Kundentäuschung: Arla, Zentis, Mars, Volvic und Grünländer. Bei diesen fünf bekannten Marken scheint es zunächst, als würden Kunden eine gute und bewusste Wahl treffen. 

Sie werben entweder mit weniger Zucker, weniger CO2 oder besserer Tierhaltung. Dabei bleiben die Aussagen oft schwammig, sodass sie einen guten Eindruck machen und im Einkaufswagen des Kunden landen. Das sind die dreisten Lügen der Marken:

  • Arla spricht mit seiner Weidemilch besonders umweltbewusste Kunden an. Die Verpackung verspricht mit einem erfundenen Siegel 71 Prozent weniger CO2. Allerdings ist das nur auf die Verpackung bezogen, die Milchproduktion selbst findet in der Gleichung keinen Platz. Letztendlich werden nur 2 Prozent CO2 eingespart.
  • Der Volvic Rooibos Tee von Danone, hat den Namen "Rooibos" eigentlich gar nicht verdient. Denn in der Flasche finden sich lediglich 0,26 Prozent des Tees. Hauptbestandteil ist aromatisiertes Wasser. Die rötliche Färbung – ein Markenzeichen für Rooibos Tee – stammt allein von der roten Plastikfolie der Flasche.
  • Kunden, die Milchprodukte aus vernünftiger Freilandhaltung bevorzugen, werden vermutlich öfter zum Käse Grünländer von Hochland gegriffen haben. Die Verpackung verspricht immerhin Milch von Freilaufkühen – klingt doch gut. Tatsächlich stehen die Kühe allerdings im Stall, von Weide ist da keine Spur. Freilauf bedeutet für Grünländer lediglich, dass sich die Tiere im Stall bewegen können.
  • Der pflanzliche Protein-Kick. Klingt gesund und besonders geeignet für sportlich Aktive? Vorsicht! Der Erdnussriegel Be-Kind von Mars besteht zur Hälfte aus Fett und Zucker. Gesund geht anders.
  • Weniger Zucker ist doch immer eine gute Sache. Nicht allerdings bei Zentis, denn bei dem Fruchtaufstrich "50% weniger Zucker" zahlen die Kunden viel Geld für viel Wasser. Der Zucker in dem Fruchtaufstrich wurde lediglich mit Wasser ausgetauscht, statt mit Frucht aufgefüllt – dafür zahlen Kunden rund doppelt so viel wie für herkömmliche Marmelade.

Kundentäuschung beim Einkaufen: Arla, Volvic und Grünländer missachten EU-Vorgaben

Dabei betont Foodwatch nicht nur, die Täuschung der Kunden, sondern weist auch darauf hin, dass die Marken teilweise EU-Vorgaben missachten. Denn gemäß EU-Basisverordnung für Lebensmittelrecht dürfen "Werbung und Aufmachung von Lebensmitteln (…) die Verbraucher nicht irreführen". Arla, Volvic und Grünländer von Hochland würden laut Foodwatch diese Vorgaben ignorieren (mehr Service-Nachrichten auf RUHR24.de).

Die Hersteller haben zwar auf die Kritik von Foodwatch reagiert, allerdings nur mit Rechtfertigungen und Erklärungen. Oft heißt es, dass es doch eine Fußnote an der Seite der Verpackung gibt, die alles aufklärt. Foodwatch allerdings bemängelt Kleingedrucktes an der Seite oder Rückseite einer Verpackung. Immerhin würden sich Kunden beim Einkaufen lediglich 1,6 Sekunden mit einem Produkt auseinandersetzen, bevor sie es in den Einkaufswagen legen.

Goldner Windbeutel: Zwergenwiese ist der letzte Gewinner des Negativpreises

Zwergenwiese hat im vergangenen Jahr 2019 den Goldenen Windbeutel erhalten. 

Noch bis zum 6. September haben Kunden die Chance ihrem Einkaufs-Ärger Luft zu machen und für die dreisteste Werbelüge abzustimmen. Den Herstellern des Produkts mit den meisten Stimmen wird der Negativpreis von Foodwatch überreicht. Bei der Abstimmung im Jahr 2019 hat Zwergenwiese den Goldenen Windbeutel "gewonnen". 

Die für Kinder beworbene Tomatensauce der Marke enthält doppelt so viel Zucker wie eine Soße für Erwachsene. Und das, obwohl die Weltgesundheitsorganisation für Kinder-Saucen gar keinen Zucker empfiehlt. 

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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