Antibiotikum gegen Erkältung? Warum man öfter mal verzichten sollte

Viele Ärzte verschreiben bei einer Erkältung ein Antibiotikum. Foto: Sven Hoppe/dpa
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Viele Ärzte verschreiben bei einer Erkältung ein Antibiotikum. Foto: Sven Hoppe/dpa

Der Herbst ist die Zeit der Erkältung. Viele Ärzte verschreiben dann leichtfertig ein Antibiotikum. Doch das ist nicht immer eine gute Idee. Hier die Infos.

Der Herbst ist in vollem Gange. Das bedeutet vor allem: Erkältungszeit! Viele Ärzte verschreiben dann leichtfertig ein Antibiotikum. Doch der Körper entwickelt Resistenzen gegen das Medikament.

  • In NRW bekam jeder zweite Patient im vergangenen Jahr ein Antibiotikum verschrieben.
  • Das Medikament hilft jedoch bei den meisten Erkältungen nicht.
  • Patienten sollten beim Arzt um einen Test bitten.

Jeder zweite Patient in NRW hat vergangenes Jahr Antibiotikum nehmen müssen

Laut einem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse, bekam jeder fünfte Patient im Jahr 2018 ein Antibiotikum verschrieben. Diese Zahl ist sogar leicht rückläufig. Im Jahr 2017 wurde noch jede vierte Erkältung mit dem Medikament behandelt.

Trotzdem ist die Zahl unverhältnismäßig hoch, vor allem in Nordrhein-Westfalen. Mehr als 50 Prozent der ambulanten Patienten wurde dort ein solches Medikament verschrieben. Das gab jetzt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung bekannt.

Antibiotika sind bei Erkältungen meist nutzlos

Die meisten Erkältungen werden jedoch durch Viren hervorgerufen. Antibiotika helfen aber nur gegen Bakterien, sind also so gut wie nutzlos in dieser Situation.

Das Medikament wirkt auf zwei unterschiedliche Arten. Bakteriostatische Antibiotika hemmen die Vermehrung von Bakterien, töten den Erreger aber nicht ab. Bakterizide Antibiotika dagegen töten nur den Erreger ab.

Resistenzen gegenüber Antibiotika können fatale Folgen haben

Dagegen ist das Medikament bei Viren hilflos. Das liegt daran, dass das Medikament in den Stoffwechsel der Bakterien eingreifen. Viren haben dagegen keinen eigenen Stoffwechsel, ernähren sich von einem Zellwirt. Das Medikament hat somit keinen Angriffspunkt zur Bekämpfung der Viren.

Bei der Einnahme des Medikaments entwickelt der Körper Resistenzen. Je mehr man von dem Medikament einnimmt, desto resistenter wird folglich der Körper. Benötigt ein Patient aufgrund einer ernsten bakteriellen Infektion dringend ein Antibiotikum, kann es dann schon nicht mehr wirken.

Patienten sollten nicht leichtfertig ein Antibiotikum nehmen

So kann eine Blasenentzündung schnell zu einer Nierenbeckenentzündung werden, die mit dem Tod enden kann. Besonders problematisch sind multiresistente Keime, die es auch im Fleisch immer öfter zu finden gibt. Von diesen Keimen gibt es immer mehr, die Forschung zu neuen Arten von Antibiotika stockt dagegen.

Patienten sollten ihren Arzt fragen, ob ihre Krankheit von einem Bakterium ausgeht und um einen entsprechenden Test bitten. Ein Modellprojekt in Duisburg und Essen hat gezeigt, dass Ärzte rund 20 Prozent weniger Antibiotika verschreiben, wenn Schnelltests die genaue Ursache der Krankheit anzeigen.

Nach Alternativen zu Antibiotika wird derzeit geforscht

Eine Alternative zum Antibiotikum könnten die sogenannten Phagen sein. Das sind natürlich vorkommende Viren, die bestimmte Bakterien angreifen und fressen können.

Übrigens: Das Arzneimittelunternehmen Puren Pharma ruft aktuell Medikamente zurück. Unter anderem auch Ibuprofen. Kunden sind gewarnt. 

Bislang sind diese aber noch nicht weit genug erforscht, damit sie als Medikament auf den Markt gehen können. In den USA konnte man mit den Phagen aber schon Mäuse von Infektionen und multiresistenten Keimen heilen.

Wer aber nicht immer auf aggressive Medikamente zurückgreifen möchte, kann auch auf natürliche Hausmittel zurückgreifen. Zum Beispiel sollen Zwiebeln und Ingwer gegen Halsschmerzen oder Husten helfen, ein selbstgemachtes Nasenspray soll die Schleimhäute beruhigen.