Aus in Deutschland

Amazon beendet Prime-Lieferdienst – kündigt aber neue Pläne an

Amazon beendet einen Prime-Lieferdienst, der in Deutschland nur wenigen Leuten zur Verfügung stand. Der Online-Händler verfolgt neue Pläne.

Dortmund – Nicht alles, was Amazon anfasst, wird automatisch zu Gold. Der nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise vom Erfolg verwöhnte Onlineversandhändler beendet den Lieferservice Prime Now. Offiziell soll das Angebot lediglich „umziehen“. Doch Kenner glauben, dass mehr dahinter steckt.

OnlineversandhändlerAmazon
Gründung1994
SitzSeattle, Washington (USA)
LeitungJeffrey P. Bezos (Präsident, CEO und Chairman)

Amazon beendet Lieferservice Prime Now – Service startete zunächst vielvesprechend

Mit Prime Now können sich Kunden Artikel des täglichen Bedarfs – etwa Lebensmittel oder Drogerieprodukte – innerhalb eines ein- oder zweistündigen Zeitfensters liefern lassen. Der Service startete in Deutschland im Jahr 2016. Allerdings kommen bis heute nur wenige Kunden in den Genuss der Express-Lieferungen. Denn das Angebot existiert nur in Berlin, im Raum München und im Norden Frankfurts.

Innerhalb von fünf Jahren hat Amazon den Lieferservice Prime Now kaum ausgebaut. Anfangs kooperierte der US-Gigant mit dem Drogeriehändler Rossmann. Doch das deutsche Unternehmen beendete die Zusammenarbeit nach nur wenigen Monaten wieder. „Diese Art der schnellen Lieferung wurde von unseren Kunden nicht nachgefragt“, begründete Rossmann den Schritt damals gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Prime Now vor dem Aus: Amazon bietet Lebensmittel-Lieferungen über Amazon Fresh an

Offenbar konnte Prime Now die Erwartungen, die Amazon in den Service setzte, nicht erfüllen. Mit konkreten Zahlen zur Nutzung des Prime-Lieferdienstes hielt sich Amazon stets bedeckt. Es gab kaum Einblicke in das Geschäft. Möglicherweise ist das der Grund, warum die Prime-Now-App und die dazugehörige Website bis Ende des Jahres weltweit geschlossen werden sollen.

Die App soll fortan keine Updates mehr erhalten. Amazon empfiehlt Kunden in Deutschland, künftig bei Amazon Fresh zu bestellen. Über Amazon Fresh können Lebensmittel für denselben oder für die nächsten drei Tage bestellt werden. Aktuell ist das aber nur in Berlin, Potsdam, Hamburg und München möglich (mehr News zu digitalen Themen auf RUHR24).

Von der Idee hinter dem Konzept von Prime Now scheint man bei Amazon aber weiterhin überzeugt zu sein. Das ist kaum verwunderlich. Express-Lieferungen von Artikeln des täglichen Bedarfs liegen spätestens seit Ausbruch der Corona-Pandemie voll im Trend. Dm wirbt etwa mit der Lieferung von Drogerieprodukten in kürzester Zeit.

Amazon Prime Now „zieht um“ – Express-Lieferungen von Lebensmitteln soll es weiter geben

Auch die schnellstmögliche Lieferung von Lebensmitteln wird immer beliebter. Im Ruhrgebiet befindet sich etwa der Supermarkt-Lieferservice Picnic auf dem Vormarsch. Das niederländische Start-up arbeitet jetzt sogar mit Edeka zusammen.

Amazon integriert den Lieferservice Prime Now deshalb künftig in die Standard-Amazon-App beziehungsweise die normale Plattform. Abhängig vom Standort und der Auswahl der Produkte sollen Kunden dann weiterhin eine Lieferung innerhalb von ein oder zwei Stunden buchen können.

Amazon Prime Now zieht in die normale Amazon-App um.

„Prime-Mitglieder werden weiterhin alle Produkte finden, die sie brauchen“, verspricht Amazon in einem offiziellen Statement zum „Umzug“ von Prime Now. In Deutschland haben Kunden noch bis Jahresende Zeit zur Umgewöhnung. In Indien, Japan und Singapur wurde Prime Now in der bisherigen Form bereits eingestellt.

Amazon auf dem Prüfstand: Bundeskartellamt leitet Verfahren gegen US-Giganten ein

Ob die umfangreiche Palette an Angeboten Amazon möglicherweise eines Tages zum Verhängnis wird? Mitte Mai hat das Bundeskartellamt ein Verfahren gegen den Online-Giganten eingeleitet. Grundlage dafür sind neue Vorschriften im Wettbewerbsrecht.

„Konkret prüfen wir in einem ersten Schritt, ob Amazon eine überragende marktübergreifende Bedeutung für den Wettbewerb zukommt. Charakteristisch dafür ist insbesondere ein sich über verschiedene Märkte erstreckendes Ökosystem – eine schwer angreifbare wirtschaftliche Machtstellung“, begründet Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, das Verfahren.

Auf Abschiedstournee: Jeff Bezos tritt im dritten Quartal 2021 als CEO von Amazon zurück.

Aufgrund der Online-Marktplätze und der vielen weiteren – insbesondere digitalen – Angebote, komme dies für Amazon in Betracht. Amazon selbst erklärte, sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern zu wollen. Das Unternehmen sicherte aber zu, es werde „vollumfänglich mit dem Bundeskartellamt kooperieren“.

Rubriklistenbild: © Niall Carson/PA Wire/dpa

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