Nach Regelverstößen

Amazon: Kunden müssen auf beliebte Shops für Smartphone- und PC-Zubehör verzichten

Logo von Amazon
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Bald müssen Kunden bei Amazon auf beliebte technische Geräte verzichten.

Amazon geht einen radikalen Schritt und wirft einige Marken aus dem Angebot. Vor allem Anbieter von Kopfhörern, Smartphone-Zubehör und Powerbanks sind betroffen. Was dahinter steckt.

Dortmund – Bei Amazon gibt es inzwischen alles: von Lebensmitteln über Kleidung und Büchern bis hin zu Smartphones, Laptops und Fernsehern. Einige Produkte werden aber schon bald nicht mehr im Sortiment zu finden sein. Denn nach Regelverstößen hat Amazon jetzt einige Händler aus dem Angebot verbannt.

US-amerikanischer OnlineversandhändlerAmazon
GründerJeff Bezos
Mitarbeiter weltweit1.298.000 (Stand 2020)

Amazon schmeißt Produkte von chinesischen Herstellern aus dem Sortiment

Bereits vor einigen Wochen sind die ersten Produkte aus dem Angebot von Amazon entfernt worden. Ladegeräte, Kopfhörer oder Webcams der Firmen Aukey oder Mpow sind bei dem Online-Händler nicht mehr zu finden. Zwar gibt es die Shops der Anbieter noch, aber das Angebot der chinesischen Tech-Hersteller ist wie leergefegt. Kein einziges Produkt ist mehr verfügbar.

Laut zahlreichen Medienberichten geht nun die Aufräumaktion von Amazon weiter. Erneut soll es drei Firmen aus China getroffen haben, die eine Vielzahl von technischen Produkten zu günstigen Preisen verkaufen. Wer schon einmal nach lukrativen Angeboten für Kopfhörer, Powerbanks, Kabel oder Halterungen für Smartphones und Navigationsgeräten gesucht hat, ist sicher schon einmal über die Marken Ravpower, VAVA oder Taotronics gestolpert.

Amazon: Kopfhörer, Powerbanks oder Ladekabel von einigen Herstellern nicht mehr zu kaufen

Wer aktuell aber erneut ein Schnäppchen der genannten Marken abstauben will, wird lange suchen müssen. Zwar sind noch Einträge von Taotronics oder Ravpower zu finden, bestellen kann man das PC- und Smartphone-Zubehör allerdings nicht mehr.

Wie chip.de berichtet, soll es zunächst Spekulationen gegeben haben, dass sich die chinesischen Firmen selbst zu diesem Schritt entschlossen hätten und künftig ihre Produkte nicht mehr Amazon anbieten wollen. Doch ein Statement von Amazon selbst offenbarte andere Hintergründe. Der Online-Gigant hat die Produkte von der Verkaufsplattform verbannt und das Sortiment von Taotronics, Aukey und Co. gesperrt (mehr digitale News bei RUHR24).

Video: Greenpeace-Recherche: Amazon zerstört illegal Neuware

Amazon sperrt Shops von bekannten Marken wegen Regelverstößen

Hintergrund des radikalen Rauswurfs sollen in allen Fällen gefakte Kunden-Rezensionen gewesen sein. Amazon hatte schon mehrfach erwähnt, konsequent gegen falsche Bewertungen vorgehen zu wollen. Mit Amazon-Vine hat der Versand-Riese auch ein eigenes Programm entwickelt, in dem Produkttester besonders hilfreiche Bewertungen verfassen sollen.

Im Fall der gesperrten Online-Shops bei Amazon wirft der Versandhändler den Firmen vor, gegen die Rezensionsregeln des Konzerns verstoßen zu haben. So soll beispielsweise Ravpower Kunden Rabatte oder Gutscheine in Höhe von rund 30 Euro angeboten haben, wenn man eine entsprechende Bewertung auf Amazon hinterlasse.

Positive Kunden-Bewertungen lassen viele Produkte im Internet in bestem Licht erstrahlen.

Amazon geht gegen bezahlte Kundenbewertungen vor und sperrt beliebte Shops

Bereits 2016 hatte Amazon in seinen Regeln für Bewertungen angegeben, dass es verboten sei, Anreize zum Abgeben von Rezensionen zu schaffen. In den Augen von Amazon verstößt Ravpower somit klar gegen diese Vorgabe, weshalb man die Reißleine gezogen und die Produkte aus dem Angebot geworfen hatte.

Da Ravpower, Vava oder auch Taotronics alle zu der Dachorganisation Sunvalley gehören, dürfte klar sein, warum auch die Produkte der anderen Marken bei Amazon nicht mehr zu finden sind. Ob auch noch andere Firmen von der Aufräumaktion von Amazon betroffen sind, ist noch nicht bekannt.

Fake-Rezensionen: Amazon geht radikalen Schritt gegen falsche Kundenbewertungen

Allerdings hatte der Versandhändler in einem Blog-Beitrag Stellung zu gekauften Kundenbewertungen bezogen und sich klar gegen Fake-Rezensionen positioniert. Kundenbewertungen seien eine wichtige Hilfe bei der Kaufentscheidung, weshalb sie nicht durch Anreize wie Rabatte und Gutscheine verfälscht werden dürften. In der Mitteilung heißt es weiter, allein 2020 habe man deshalb über 200 Millionen Rezensionen gesperrt – noch bevor Kunden dieser überhaupt lesen konnten.

Auch die Hersteller der gesperrten Marken haben sich bereits zu dem Rauswurf bei Amazon geäußert. Laut chip.de prüfe man aktuell den Ausschluss und setze alles daran, den Kunden die Produkte wieder über Amazon anbieten zu können. Bis die Vorwürfe geklärt seien, würden Kunden aber Kopfhörer, Kabel und Co. kaufen können – allerdings nur über andere Shops und Anbieter.

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