Bekleidungsunternehmen in der Kritik

Rückruf: Allergen im Produkt – Hersteller warnt Kunden nicht ausreichend

Der Modekonzern Mister Lady muss wegen eines gesundheitsschädlichen Befundes einen Rückruf einleiten. Doch die Kunden werden nicht gut informiert.

NRW – Gürtel sind wohl in fast jedem Kleiderschrank zu finden. Doch aus dem Sortiment des Modeunternehmens Mister Lady musste ein Ledergürtel wegen eines besorgniserregenden Befundes vorerst verschwinden. Zwar wurde ein Rückruf eingeleitet, doch für sein Vorgehen muss der Händler nun Kritik einstecken.

mister*lady GmbH deutsches Bekleidungsunternehmen für junge Mode
SitzSchwabach (Franken)
Gründung1967

Rückruf: Gürtel des Modeunternehmens Mister Lady überschreitet Chrom-Grenzwerte

Der vom Rückruf betroffene Damengürtel war bei einer Nachkontrolle aufgefallen. Mister Lady erklärt, dass das im Material enthaltene Chrom VI den laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zugelassenen Grenzwert von 3 mg/kg überschreite. Dieser war bereits am 25. März 2014 von der EU-Kommission festgelegt worden.

Laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen könne es im Rahmen der Herstellung zahlreicher Lederprodukte in Ländern mit geringen Schutzmechanismen für die Arbeiter und die Umwelt zu diesen Überschreitungen kommen. Alle Verbraucher, dazu zählt vor allem auch die Zielgruppe im Alter zwischen 15 und 30 Jahren, sollten das folgende Produkt nicht mehr tragen und Hautkontakt dringend vermeiden:

  • Warnungstyp: Bedarfsgegenstände
  • Produktbezeichnung: Damen Ledergürtel, schwarz
  • Hersteller (Inverkehrbringer): mister*lady
  • Grund der Warnung: Chrom VI
  • Datum der ersten Veröffentlichung: 27.06.2022
  • Los-Kennzeichnung: Order Nummer 799466; Artikel 802.716

Rückruf: Hautkontakt mit Chrom-Allergen kann zu einer Kontaktalleregie führen

In der Regel wird Leder mit Chromsalzen gegerbt. Dabei ist die chemische Verbindung Chrom (VI)-oxid ein dunkelroter Feststoff, der in Wasser leicht löslich ist. Wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärt, ist Chrom VI allerdings auch ein „Kontaktallergen, das zu schweren Hautreaktionen führen“ könne.

Nicht umsonst wird das giftige Gerbmittel, das allergische Hautekzeme auslösen kann, in einer EU-Liste der besonders besorgniserregenden und krebserzeugenden Stoffe geführt. Dies ist aber vor allem für Beschäftigte relevant, die mit Gerbmitteln in der Lederindustrie zu tun haben.

Laut Produktwarnungen ist Chrom VI in Farbmitteln für Textilien, Holzschutzmitteln, Farben und Lacken sowie Lederwaren enthalten. Besonders gefährdet sei man insbesondere dann, wenn es zum Hautkontakt mit den chromhaltigen Produkten wie Lederbändern für Armbanduhren, Lederhandschuhen oder über das Barfußtragen von Lederschuhen komme.

Rückruf: Gefährliche Allergie auslösende Wirkung von Chrom „seit langem bekannt“

Doch was genau passiert beim Hautkontakt mit der chemischen Verbindung? Wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen berichtet, könne durch den Kontakt mit Chrom VI „schlimmstenfalls eine lebenslange Kontaktallergie (...) zum ersten mal hervorgerufen oder eine bereits bestehende Kontaktallergie ausgelöst werden.“

In diesem Fall könnten Symptome wie „Schwellungen, Rötungen, Bläschenbildung oder Schuppung der Haut“ auftreten. Laut Produktwarnungen sei bei Chrom VI „die Allergie auslösende Wirkung bei Kontakt mit der Haut seit langem bekannt.“

Rückruf: Mister Lady informiert Endkunden „nicht ausreichend“ über Gefahr und Rückruf

Die Brisanz dieses Rückrufes liegt aber nicht nur in der Gefahr begründet, die hinter dem Hautkontakt mit Chrom VI steckt, sondern auch im Verhalten von Mister Lady. Denn wie Produktwarnung klarstellt, habe die Handelskette die „Endkunden (...) nicht ausreichen“ informiert. So sei bisher nicht sichergestellt worden, „dass möglichst viele Endverbraucher diese Information auch erhalten.“

Wegen zu hoher Chrom VI - Werte muss ein Ledergürtel zurückgerufen werden.

Tatsächlich ist bisher keine Pressemitteilung, in der normalerweise genauere Informationen zum Rückruf nachzulesen sind, von Mister Lady veröffentlicht worden. Das fränkische Bekleidungsunternehmen gab lediglich an, dass die betroffenen Gürtel „gegen Kaufpreiserstattung in den jeweiligen Mister Lady-Filialen zurückgegeben werden“ könnten.

Rückruf: Bis auf Berlin und Hamburg sind alle Bundesländer betroffen

Ob dafür der Nachweis eines Kaufbelegs vonnöten sei, verriet das Unternehmen nicht. Abgesehen von Hamburg und Berlin sind laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) alle Bundesländer vom Rückruf betroffen.

Bei begründetem Verdacht können Verbraucher potenziell gefährliche Lederwaren dem örtlichen Lebensmittelüberwachungsamt melden. Dieses könne laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zufolge „die chemische Untersuchung von Bedarfsgegenständen mit Hautkontakt veranlassen.“

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