Verbraucherschutz

Aldi kassiert wegen umstrittener Werbung eine Klatsche vor Gericht

Der Prepaid-Mobilfunkanbieter Aldi Talk ist bei vielen Nutzern beliebt. Doch wegen einer Internet-Werbung kassierte der Konzern eine herbe Schlappe.

NRW – Wer beim Discounter Aldi auf der Suche nach Elektrowaren ist, kommt an der hauseigenen Marke Medion wohl kaum vorbei. Auch bei der Wahl eines Mobilfunkanbieters vertrauen laut der Wirtschaftswoche zwischen sechs und acht Millionen Kunden auf Aldi Talk (Stand: 2018), den Prepaid-Mobilfunktarif der Medion AG und Prepaid-Marktführer. Doch das Unternehmen hat kürzlich eine Schlappe vor Gericht kassiert– wegen einer irreführenden Werbung im Internet.

Medion AGUnternehmen, das elektronische Konsumartikel konzipiert, zusammenstellt und vertreibt.
Gründung1983
SitzEssen

Umstrittene Werbung vom Medion-Mobilfunktarif Aldi Talk – Verbraucherzentrale siegt vor Gericht

Ein Prepaid-Tarif hat seine Vor- und Nachteile. Einerseits können die Finanzen so einfacher überblickt werden, was insbesondere Eltern erfreuen dürfte, die ihren Kindern und Jugendlichen nur ein begrenztes Budget für den Mobilfunk zur Verfügung stellen wollen (mehr Service-News bei RUHR24).

Andererseits kann es aber auch dazu kommen, dass die Sim-Karte in mehreren Stufen gesperrt werden, sofern das Prepaid-Guthaben für eine gewisse Zeit nicht aufgeladen wird, erklärt die Verbraucherzentrale. Diese Möglichkeit, dem Telefon- und Surfspaß ein jähes Ende zu setzen, war aber nicht der Grund für eine Klage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (Vzbv).

„Kein Mindestumsatz“ – Verbraucherzentrale stört sich an Werbeaussage von Aldi Talk

Vielmehr war den Verbraucherschützerinnen und -schützern eine Aldi Talk-Werbung ein Dorn im Auge. Darin wurde damit geworben, dass für einen Prepaid-Basistarif der Marke kein Mindestumsatz erforderlich sei.

Aus der Sicht des Vzbv sei diese Werbeaussage alles andere als zutreffend und führe die Nutzerinnen und Nutzer in die Irre. Das Essener Landgericht sah das ganz genau so und schob der betreffenden Werbung bereits am 30. Mai dieses Jahres einen Riegel vor.

Essener Landgericht gibt Verbraucherschützern recht – Prepaid-Werbung irreführend

Für die Verbraucherzentrale ein klarer Erfolg: Schließlich könne der Tarif „nur eingeschränkt oder gar nicht mehr genutzt werden, wenn Kund:innen nicht immer wieder neues Guthaben in Höhe von mindestens fünf Euro aufladen,“ so Jana Brockfeld, Rechtsreferentin beim Vzbv.

Darin erkannten die Verbraucherschützer sehr wohl einen Mindestumsatz, der für die Nutzung der SIM-Karte notwendig sei. Dass es diesen laut der Aldi Talk-Werbung aber angeblich gar nicht gebe, interpretierten sie als klare Irreführung der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Nutzer müssen nach Aktivierung der SIM-Karte ihr Guthaben immer wieder neu aufladen

In der umstrittenen Internet-Werbung hatte die Medion AG laut der Verbraucherzentrale ihren Basis-Prepaid-Tarif damit angepriesen, dass „kein Mindestumsatz“ vonnöten sei. Nachdem die Nutzer die SIM-Karte aktiviert haben, kann das Startguthaben nur in den ersten zwölf Monaten genutzt werden.

Ist dieser Zeitraum abgelaufen, sind die Nutzer noch zwei Monate erreichbar, bevor die SIM-Karte dann letztlich deaktiviert wird. Damit der Telefonier-Spaß dann aber nicht abrupt endet, muss man immer wieder neues Guthaben aufladen. So verlängere sich das Zeitfenster bei einer Mindestaufladung von fünf Euro beispielsweise um vier Monate, erklärt die Verbraucherzentrale.

Aktivitätsfenster der SIM-Karte (Quelle: Landgericht Essen, Urteil, S. 4):

Startguthaben 10,00 €12 Monate
Aufladung oder Bezahlung einer Tarifoption per Bankkonto:Verlängerung des Aktivitätsfensters um:
Ab 5,00 €4 Monate
Ab 10,00 €8 Monate
Ab 15,00 €12 Monate
Ab 30,00 €24 Monate
Maximalguthaben200,00 €
Maximales Aktivitätsfensters 24 Monate

Werbeversprechen von Medion schürt laut Gericht falsche Hoffnungen beim Verbraucher

Um nach der Aktivierung der SIM-Karte diese auch weiter nutzen zu können, müssten Nutzer also verbrauchsunabhängig auf das „Konto“ einzahlen und immer wieder neues Guthaben aufladen, um erreichbar zu sein. Das erklärte Landgericht Essen in seinem noch nicht rechtskräftigen Urteil und sorgte damit für Jubel bei der Verbraucherzentrale.

Die Aldi-Marke Medion kassiert vor Gericht eine Klatsche – wegen irreführender Werbung für den Mobilfunktarif Alditalk

Vom maximalen Guthaben von 200 Euro, das nicht überschritten werden kann, müssten zudem mindestens fünf Euro verbraucht, also abtelefoniert werden, um das Aktivitätsfenster weiter zu verlängern. Andernfalls sei keine weitere Aufladung möglich und das Aktivitätsfenster könne somit auch nicht verlängert werden, so die Verbraucherzentrale.

Wie das Gericht entschied, liege dadurch sehr wohl ein Mindestumsatz vor. Denn das Werbeversprechen der Medion AG suggeriere, dass die Verbraucher „nach dem Erwerb des Starter-Sets keine weiteren Zahlungen erbringen“ müssten, um dauerhaft erreichbar zu sein – was laut der Richter aber nicht zutreffe. Ob die Medion AG gegen das Urteil noch in Berufung gehen wird, ist bisher nicht bekannt.

Rubriklistenbild: © Waldmüller/Imago; djedzura/Imago; Collage: Julian Kaiser/RUHR24

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