Discounter auf Überholkurs

Neue Aldi-Strategie: Gleiches Produkt zu unterschiedlichen Preisen – Kunden sollten genau hinsehen

Filiale von Aldi Nord
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Aldi führt besonders günstige Produkte ein.

Beim Einkauf bei Aldi tauchen neuerdings besonders günstige Produkte auf. Dahinter steckt eine neue Strategie des Discounters.

Dortmund - Discounter gelten ohnehin schon als günstiger als vergleichbare Supermärkte. Aldi bietet jetzt allerdings Produkte mit besonderes niedrigen Preisen an. Dahinter steckt eine Strategie.

UnternehmenAldi
HauptsitzEssen
Gründung1946 in Essen

Günstige Produkte bei Aldi: Discounter trickst mit neuen Größen

Seit kurzem bietet Aldi einen Pudding der Eigenmarke Milsani für gerade mal 19 Cent an. Aber Vorsicht: Nicht nur der Preis, auch die Verpackung des Desserts ist kleiner. In dem Schoko-Vanille-Pudding sind rund 70 Gramm weniger enthalten, als im Original-Produkt. Dieses gibt es aber ebenfalls noch bei Aldi.

Der Discounter setzt mit den doppelten Produkten auf eine neue Strategie: Zukünftig soll es Artikel von Aldi in mehreren Größen geben. Damit sollen auch besonders niedrige Preise möglich sein, der Geschmack bleibt der gleiche. Aber was soll das Ganze? Möchte Aldi seine Kunden von weniger Zucker überzeugen?

Fiese Marketingstrategie bei Aldi: Niedrige Preise sollen Kunden locken

Nicht unbedingt. Wie die Lebensmittel Zeitung berichtet, steckt eine Marketingstrategie dahinter, die sich auf die Preise fokussiert. Der Kunde wird am Beispiel des Puddings etwa auf den Preis von weniger als 20 Cent aufmerksam. Im besten Fall greift er zu, weil der Preis ein Schnäppchen suggeriert.

Aldi möchte mit den verschiedenen Produktgrößen Marktanteile zurückgewinnen, die der Discounter während der Corona-Krise verloren hat. Denn: etwa 90 Prozent des Umsatzes soll Aldi nach wie vor über seine Eigenmarken einnehmen. Hinter denen stecken übrigens oft größere Hersteller.

In der Vergangenheit habe der Discounter laut Lebensmittel Zeitung allerdings versucht, dieses Sortiment aufzuwerten. Etwa durch sogenannte Premium-Marken oder Bio-Produkte. Nun will Aldi sich wieder auf den „Original Aldi-Preis“ besinnen und möglichst niedrige Preise anbieten. Denn die Kaufkraft der Kunden ist im vergangenen Jahr insgesamt bei dem Unternehmen gesunken. Andere Produkte muss Aldi coronabedingt zukünftig teurer anbieten.

Aldi kehrt zu Niedrig-Preisen zurück: Marketingstrategie wie bei Lidl

Allerdings bezieht sich Aldis Strategie nicht nur auf Kühlprodukte in kleineren Größen. Auch bei den sogengannten WPR-Produkten (Wasch-, Putz-, und Reinigungsmittel) bietet der Discounter den Kunden einen angeblichen Preisvorteil. In diesem Fall laut Lebensmittel Zeitung aber bei besonders großen Inhaltsmengen.

Dadurch, dass die Preise sich einfach vergleichen lassen, soll die Abwägung des Kunden wieder in den Vordergrund gerückt werden. Um darauf aufmerksam zu machen, benutzt Aldi aktuell eine Marketingstrategie, die eigentlich Konkurrent Lidl bekanntgemacht hat (mehr aktuelle News zu Aldi bei RUHR24).

Video: Back to billig? Das sind die neuen Einkaufswagen bei Aldi

In den Prospekten von Aldi werden eigene Produkte und Markenartikel mit ihren Preisen nebeneinander abgebildet. Kunden sollen die Preise so direkt miteinander vergleichen und abwägen können, ob ihnen etwa eine Packung Leibniz-Kekse für 99 Cent oder eine deutlich größere Packung der Eigenmarke für 1,19 Euro lieber ist.

Neuer Preis bei Aldi: Sparen Kunden am Ende wirklich?

Aber sind die Preise bei den neuen Verpackungsgrößen von Aldi am Ende wirklich günstiger? Um das herauszufinden, sollten Kunden genau hinschauen und am besten den Grundpreis vergleichen. Dieser ist auf den meisten Preisettiketten im Supermarkt angegeben und verrät beispielsweise den Kilopreis eines Produkes.

Wegen des Grundpreises hatte Aldi in der Vergangenheit aber schon Ärger, wie merkur.de* berichtet. Der Discounter soll diese Angabe nicht deutlich genug auf seine Preisschilder gedruckt haben. Die Verbraucherzentrale wirft Aldi systematische Verstöße vor. Bemängelt werden fehlende Grundpreise, falsche Grundpreise, fehlende und falsche Preisschilder, vereinzelt irreführende Angaben zu Preissenkungen sowie grundsätzlich verwirrende Angaben. *merkur.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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