Verbraucherzentrale reagiert

Klage erfolgreich: Aldi muss nach Klatsche Preise anpassen

Preise müssen korrekt angegeben und ein Grundpreis muss ausgezeichnet werden – das gilt auch für Aldi. Die Verbraucherzentrale war mit einer Klage jetzt erfolgreich.

Dortmund/Hamburg – Menschen, die im Discounter einkaufen, wollen das meist preisbewusst tun. Daher gehört es dazu, die Preise der Produkte zu vergleichen. Das wurde den Kunden bei Aldi allerdings erschwert. Eine Klage gegen dieses Vorgehen war jetzt erfolgreich, wie RUHR24* berichtet.

DiscounterAldi Nord
HauptsitzEssen
Gründung1946, Essen

Aldi Nord verklagt: Verbraucherschützer kritisieren fehlende und verwirrende Grundpreise

Der Grundpreis, also der Preis pro Kilogramm oder Liter, ermöglicht es, Produkte unterschiedlicher Füllmenge miteinander zu vergleichen und zu erkennen, welches nun wirklich günstiger ist. Dabei handelt es sich nicht nur um eine nette Geste der Supermärkte und Discounter. Die Angabe des Grundpreises ist gesetzlich festgelegt.

Preisangabenverordnung (PAngV) § 2 Grundpreis

(1) Wer Verbrauchern gewerbs- oder geschäftsmäßig oder wer ihnen regelmäßig in sonstiger Weise Waren in Fertigpackungen, offenen Packungen oder als Verkaufseinheiten ohne Umhüllung nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche anbietet, hat neben dem Gesamtpreis auch den Preis je Mengeneinheit einschließlich der Umsatzsteuer und sonstiger Preisbestandteile (Grundpreis) in unmittelbarer Nähe des Gesamtpreises gemäß Absatz 3 Satz 1, 2, 4 oder 5 anzugeben. (...)

Einige Filialen des Discounters Aldi Nord haben es in Hamburg aber nicht so genau genommen mit der Angabe des Grundpreises. Schon im April bemängelte die Verbraucherzentrale verwirrende Preise bei Aldi*. Sie mahnte den Discounter für das Vorgehen ab – und bei einer Abmahnung blieb es nicht.

Preisangaben bei Aldi verwirren: Zahlreiche Verstöße in Discounter festgestellt

Die Verbraucherzentrale Hamburg verklagte eine Regionalgesellschaft der Aldi GmbH & Co KG aufgrund fehlender Grundpreise – mit Erfolg. Bei dieser Klage handelte es sich konkret um einen veganen Aufschnitt, der in einer 70-Gramm-Plastikpackung in mindestens zwei Filialen ohne Grundpreis auf dem Preisschild verkauft wurde.

Doch der Aufschnitt steht lediglich stellvertretend für viele weitere Fehltritte des Discounters. Allein in fünf Hamburger Aldi-Filialen stellten die Verbraucherschützer über 100 Verstöße gegen die Preisangabenverordnung fest.

Dabei waren die fehlenden Grundpreise nicht das einzige Problem. Falsche Grundpreise, fehlende und falsche Preisschilder, vereinzelt irreführende Angaben zu Preissenkungen sowie verwirrende Angaben mit Beispielpreisen machen es den Kunden schwer, den Überblick zu behalten.

Aldi mit Erfolg verklagt: Bei weiteren Verstößen drohen Ordnungsgelder im sechsstelligem Bereich

„Aldi Nord muss endlich seine Hausaufgaben machen und die gesetzlichen Vorgaben einhalten! Man kann nicht mit günstigen Preisen werben und diese dann nur schlampig ausweisen“, schreibt Armin Valet, Abteilungsleiter Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Das sieht das Landesgericht Itzehoe anscheinend ähnlich.

Laut Urteil des Landgerichts darf Aldi Nord den veganen Bio-Aufschnitt der Marke „mein veggie Tag“ nicht mehr ohne Angabe des Grundpreises verkaufen. Sollte Aldi bei diesen Preisschildern wieder schlampen, wird das teuer: Dann könnte dem Discounter ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro drohen.

Nicht nur, dass der Grundpreis fehlt, auch ist der Preisnachlass verwirrend. Denn laut Verbraucherzentrale ist die Wurst nicht günstiger, sondern teurer geworden, da nur noch halb so viel in der Packung drin ist.

Aldi Nord-Statement: Klage spiegelt nicht alle Filialen wider

Auch wenn die Verbraucherzentrale viele weitere Preis-Nachlässigkeiten bemängelt, weist Aldi Nord* unterdessen darauf hin, dass sich das Urteil eben nur auf dieses eine Produkt bezieht. „Hier fehlte die vorgeschriebene Grundpreisangabe. Für diesen Umstand möchten wir uns bei unseren Kundinnen und Kunden in aller Form entschuldigen“, erklärt Aldi gegenüber der Lebensmittelzeitung.

Weiter unterstreicht Aldi, dass sich die Klage ausschließlich gegen eine Regionalgemeinschaft gerichtet habe. Der Fall lasse sich nicht auf das gesamte Filialnetz von Aldi Nord beziehen (mehr News zu Supermärkten und Discountern* bei RUHR24).

Klage gegen Aldi Nord in Hamburg: Wahrscheinlich auch andere Bundesländer betroffen

Ob auch andere Aldi-Filialen schlampig ihre Preise auszeichnen ist bislang nicht bekannt. Allerdings ist sich die Verbraucherzentrale Hamburg sicher: „Fehlende oder fehlerhafte Grundpreisauszeichnungen gelten im Einzelhandel als Kavaliersdelikt.“

Gegenüber RUHR24 erklärt Armin Valet, dass die Verbraucherzentrale davon ausgeht, dass auch in anderen Bundesländern Preise fehlerhaft ausgezeichnet werden. „Ich wüsste keinen Grund, warum das nicht auch in anderen Ländern so sein sollte“, immerhin gebe es nur wenig Kontrollen.

Händler würden die Preisauszeichnung auf die leichte Schulter nehmen – das betreffe nicht nur Aldi, sondern auch andere Discounter und Supermärkte, wie Beschwerden von Verbrauchern zeigen würden. Das Problem laut Verbraucherzentrale: Behörden kontrollieren nicht regelmäßig und die Händler wüssten, dass die Rechtsvorschriften kaum durchgesetzt werden.

Bei dieser Tomatensauce in einer Aldi-Filiale fehlt die Angabe des Grundpreises.

Klage gegen Aldi: Verbraucherzentrale hofft auf Strahlkraft des Urteils

Ob die erfolgreiche Klage der Verbraucherzentrale Hamburg weitere Klagen in anderen Bundesländern nach sich ziehen wird, bleibt abzuwarten, ausschließen will es Valet nicht. Zumindest habe er viel Zuspruch von Verbrauchern und Verbraucherinnen bekommen, die mit der Preispolitik des Discounters nicht einverstanden sind.

Möglich sei auch, dass andere Märkte durch dieses Urteil hellhörig werden und selbst handeln, bevor es zu einer Klage kommt. Das zumindest würde sich Valet wünschen. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Leon Kuegeler/AFP

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