Trotz Umsatzrekord

Aldi und Lidl: Preiserhöhung bei vielen Discountern – über 150 Produkte werden teurer

An Discountern wie Aldi, Lidl oder Netto ging die Corona-Krise bislang halbwegs unbeschadet vorbei. Nun bekommen sie die Lockerungen zu spüren – und reagieren mit höheren Preisen.

Dortmund – Wer häufig bei Discountern wie Aldi, Lidl oder Penny einkaufen geht, wird in den letzten Wochen festgestellt haben, dass da mal wieder am Preis-Rad gedreht wurde. Vor allem Markenprodukte sind deutlich teurer geworden, einige haben sogar erstmals die 1-Euro-Grenze überstiegen. Ein Grund sind wohl die aktuellen Lockerungen der Corona-Regeln.

DiscounterU.a. Aldi Nord und Süd, Lidl, Netto, Penny
BedeutungEinzelhandel mit kleinerem Sortiment und niedrigeren Preisen
Marktanteil in Deutschland44,9 Prozent

Aldi, Lidl oder Penny: Discounter heben Preise aktuell für Markeprodukte drastisch an

Im Gegensatz zu vielen Unternehmen durften Supermärkte und Discounter während der Corona-Pandemie durchgehend öffnen. Lidl und Rewe verzeichneten unter anderem 2020 einen neuen Umsatzrekord. Der Lebensmittelhandel profitierte also gewissermaßen von der Krise.

Nach mehr als einem Jahr Pandemie und mit zunehmenden Lockerungen bekommen nun aber auch die Discount-Giganten die Auswirkungen zu spüren - wenn auch mit Verzögerung im Vergleich zum Rest der Wirtschaft und der Bevölkerung. Allerdings wissen sich Aldi, Lidl, Netto und Co. zu helfen. Und zwar, indem sie einfach die Preise anheben (mehr Aldi-News bei RUHR24).

Discounter wie Lidl und Aldi heben nach der Mehrwertsteuersenkung wieder die Preise an

Anfang dieses Jahres haben Lidl und Aldi noch mit besonders niedrigen Angeboten gelockt. Die beiden Discounter hatten die Senkung der Mehrwertsteuer indirekt verlängert. Lidl hatte zum Jahreswechsel angekündigt, viele Preise weiterhin bis zu drei Prozent reduzieren zu wollen. Es war allerdings auch die Sprache von „vorerst“ und „vielen Produkten“.

Eine Analyse von Preiszeiger.de hat nun ergeben, dass es bei Lidl, Aldi und Penny inzwischen vorbei ist mit den reduzierten Preisen. Denn einige Produkte sind seit Jahresbeginn deutlich teurer geworden – Tendenz weiter steigend.

Aldi, Lidl und Netto: Markenprodukte kosten deutlich mehr

Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, hat der Preis vor allem bei den Markenprodukten deutlich angezogen. Milka, Hanuta, Red Bull, Coca-Cola, Wagner oder Haribo, was es übrigens erst seit Kurzem wieder bei Lidl gibt, kosten inzwischen deutlich mehr. Hanuta kostet bei Aldi inzwischen über zwei Euro statt vorher 1,99 Euro. Milka-Schokolade hat die 1-Euro-Marke geknackt. Kunden müssen inzwischen 1,15 Euro für eine Tafel bezahlen.

Und das ist noch längst nicht alles. Bei Lidl sind insgesamt 262 Produkte zwischen Januar und Mai teurer geworden, bei Aldi waren es 163 Markenartikel. Bei Netto kosten sogar 512 Produkte inzwischen deutlich mehr.

Weniger dramatisch fällt der Preisunterschied bei den Eigenmarken der Discounter aus. Und dass, obwohl sie häufig von dem gleichen Hersteller der Markenartikel stammen und nur unter anderem Namen und leicht angepasster Rezeptur verkauft werden

Eigenmarken bei Aldi, Lidl und Penny bleiben günstig – wegen Corona werden andere Sachen teurer

Während der Trend bei den Markenartikeln deutlich zu höheren Preisen geht, wurden die Preise für die Eigenmarken kaum angepasst. Aldi Nord beispielsweise hob den Preis bei 322 Artikeln der Eigenmarke an, bei 311 gab es eine Preissenkung.

Bei Lidl und anderen Discount-Konkurrenten ist ein ähnliches Verhältnis zu beobachten. Preiserhöhung und -senkungen halten sich bei dem Sortiment der Eigenmarken also nahezu im Gleichgewicht (mehr Lidl-News bei RUHR24).

Die Lebensmittelzeitung (LZ) sieht für den Preisanstieg bei den Discountern insbesondere zwei Gründe. Zum einen treiben die weltweit gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Verpackungen und Energie auch die Preise bei Aldi, Lidl und Co. in die Höhe. Zum anderen führen auch die aktuellen Lockerungen der Corona-Regeln dazu, dass in den Supermärkten wieder weniger los ist.

Die Eigenmarken von Aldi und Co. werden voraussichtlich erst einmal nicht teurer.

Insbesondere die Öffnung der Gastronomie habe laut LZ zur Folge, dass mehr Menschen wieder außer Haus essen oder auch nur kleine Einkäufe tätigen. Die Zeit des Hamsterns ist vorerst vorbei. Das hätte in den letzten Wochen zu einem großen Umsatzrückgang bei den Discountern geführt. Mit höheren Preisen soll das nun wieder ausgeglichen werden.

Aldi und Lidl wollen ihre Eigenmarke stärken: Markenprodukte werden deshalb teurer

Indem die Discounter allerdings nur die Markenprodukte teurer machen, wird eine deutliche Strategie erkennbar. Die Eigenmarke – egal ob bei Aldi, Lidl oder Netto – soll gestärkt werden. Aldi hatte bereits 2020 eine Marktanalyse durchgeführt und festgestellt, dass einige Markenprodukte zulasten der Eigenmarke öfter auf dem Kassenband landen. Langfristig will man das vermeiden – zur Not, indem man einfach am Preis-Rad dreht.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd, Jens Kalaene/dpa, Collage: RUHR24.de