Keine Nachfrage mehr

Lidl, Aldi und Dm: Kuriose Corona-Strategie soll Test-Desaster verhindern

Die Nachfrage nach Corona-Schnelltests hat rapide nachgelassen. Das droht für Aldi, Lidl und Co. zu einem regelrechten Fiasko zu werden. Mit skurrilen Angeboten wollen sie Abhilfe schaffen.

Dortmund – Im März konnten sich Aldi, Lidl, Dm und Co. vor dem Ansturm auf die Corona-Tests kaum retten. Fast in allen Supermärkten und Discountern waren die Selbsttests ausverkauft. Nun, nur zwei Monate später, hat sich die Situation um 180 Grad gewendet und es droht ein millionenschweres Fiasko.

Aldi, Lidl und Dm: Corona-Tests werden zu Ladenhütern

Corona-Testzentren, wo sich Bürger einmal wöchentlich kostenlos testen können, sprießen regelrecht aus dem Boden – selbst Lidl, Kaufland oder Dm haben eigene Corona-Testzentren eröffnet. Und in immer mehr Bundesländern entfällt aufgrund niedriger Inzidenzen die Testpflicht beim Shopping. Für einen Besuch im Restaurant, Café oder Hotel hingegen zählt der selbst durchgeführte Schnelltest nicht.

Wer braucht da also noch einen Corona-Selbsttest von Aldi, Lidl oder Dm? Richtig. Niemand. Kein Wunder also, dass die Schnelltests bei den Drogerien und Discountern regelrecht zu Ladenhütern werden. Mit dreisten Tricks versuchen die Händler die Corona-Tests nun noch über die Ladentheke zu bringen.

Corona-Tests bei Aldi, Lidl oder Netto: Discounter locken mit Angeboten

Im März kostete beispielsweise ein Corona-Test bei Aldi noch knapp fünf Euro. Inzwischen drückt der Discounter laut Angaben von chip.de den Preis auf unter drei Euro. Kaufland hingegen soll die Testkits sogar für unter zwei Euro verkaufen. Haben will sie wohl trotzdem kaum noch jemand.

Branchen-Experten gehen davon aus, dass der Preis für die Corona-Tests sogar noch weiter sinken könnte. Kosten von unter einem Euro sind denkbar. Denn die Lager von Aldi, Lidl und Co. sind noch immer gut gefüllt. Bleibt die Nachfrage weiterhin also aus, müssen die Corona-Tests möglicherweise sogar vernichtet werden (mehr News über Aldi bei RUHR24).

Corona-Fiasko bei Aldi, Lidl und Co.: Müssen Tests vernichtet werden?

Um das zu verhindern, lassen sich die Händler allerlei einfallen, um die Schnelltests für zu Hause doch noch loszuwerden – und sind dabei sogar bereit finanzielle Verluste in Kauf zu nehmen, wie die Lebensmittelzeitung berichtet. Kein Wunder aber, dass die Branche von einem regelrechten Test-Fiasko spricht.

Wohl hätten die Händler nicht mit der kostenlosen Test-Strategie der Bundesregierung gerechnet. Ebenso wenig, dass die Selbsttests nicht überall gültig sein würden. Ein Grund warum der Einzelhandel also etwas vorschnell die Corona-Tests in großen Mengen geordert hatte. Inzwischen reagiert man den Berichten zufolge bei Aldi und Lidl auf die gesunkene Nachfrage und hat die Bestellungen stark zurückgefahren

Die Corona-Tests von Aldi drohen zu Ladenhütern zu werden.

Corona-Schnelltests loswerden: Supermärkte lassen sich skurile Aktionen einfallen

Lidl bietet die Corona-Tests neuerdings sogar schon im 100er, 200er oder 1000er-Paket an, wie extratipp* berichtet. Dann kostet ein Selbsttest sogar nur noch knapp zwei Euro (mehr Lidl-News bei RUHR24). Die Not scheint also groß, die Testkits loszuwerden. Edeka und Netto greifen dabei noch zu drastischeren Mitteln und verschenken die Schnelltests teilweise.

Wer bei Netto einen Einkauf über 30 Euro hat und die Deutschland-Card vorzeigt, bekommt einen Corona-Test gratis dazu. Rossmann schenkt seinen Kunden das günstigste Produkt, wenn vier Tests im Einkaufskorb liegen. Edeka nutzt nach Angaben von chip.de wohl ähnliche Methoden, um die Stäbchen für den Covid-19-Nachweis loszuwerden.

Corona-Tests von Aldi, Lidl und Co. nur noch im privaten Umfeld nützlich

Ob der kürzlich in Bochum aufgedeckte, mutmaßliche Betrug mit Corona-Tests und die daraus resultierenden strengeren Kontrollen der Testzentren möglicherweise die Nachfrage auf die Supermarkt-Tests wieder steigen lassen, bleibt abzuwarten. Zumindest könnte es dazu führen, dass nicht mehr unzählige Testzentren an jeder Ecke eröffnen.

Wer bei den unschlagbaren Angeboten für die Corona-Tests nicht widerstehen kann und dennoch bei Aldi, Lidl und Co. zugreift, kann die Selbsttests immerhin noch für die ein oder andere Gelegenheit nutzen. Im Grunde hat sich an dem Zweck der Selbsttests dabei jedoch nicht viel geändert.

Sie dienen vor allem weiterhin der persönlichen Sicherheit. Wer sich mit Freunden oder der Familie treffen und auf Nummer sicher gehen will, kann vorab einen Corona-Selbsttest machen. Wer diese zu Hause hat, kann damit auch reagieren, wenn spontan Besuch vor der Tür steht. Im privaten Rahmen können die Tests als durchaus noch Anwendung finden, doch eine wirkliche Steigerung der Nachfrage wird das wohl nicht mehr auslösen. Es bleibt abzuwarten, was sich die Supermärkte, Drogerien und Discounter noch einfallen lassen, um die Corona-Tests loszuwerden. *Extratipp ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa, Marjan Murat/dpa; Collage: RUHR24

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