Kunden aufgepasst

Aldi und Lidl: Geben die Discounter kein Geld zurück? Kassenbon verwirrt Kunden

Bezahlvorgang bei Aldi
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Auf einem Kassenbon von Aldi oder Lidl fehlt eine wichtige Angabe für Kunden.

Nicht jeder Kunde nimmt nach seinem Einkauf den Kassenbon mit. Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf den Beleg. Manchmal fehlen wichtige Angaben zum Geld.

Deutschland – Kunden, die gerne bei den großen Discountern Aldi und Lidl ihre Einkäufe erledigen, dürfte dieser kleine, vermeintliche Fehler bereits aufgefallen sein: Auf den Kassenbons fehlen jegliche Angaben zum Rückgeld. Aber warum ist das so? Um einen Fehler handelt es sich laut der Unternehmen jedenfalls nicht, berichtet RUHR24.de*.

DiscounterAldi
HauptsitzEssen
Gründung1946, Essen

Aldi und Lidl: Kassieren geht beim Discounter wesentlich schneller

42 bis 54 Sekunden – so lange dauert ein Kassiervorgang in deutschen Supermärkten im Durchschnitt. Das ergab eine Untersuchung von haufe.de. Dabei kann sich die Dauer des Kassiervorgangs zwischen den einzelnen Supermärkten noch mal deutlich unterscheiden.

Auffällig ist beispielsweise, dass Kassierer bei Discountern deutlich schneller kassieren als Kassierer in Supermärkten wie Edeka und Rewe. Ein Grund dafür ist unter anderem die fehlende Warenablage am Ende der Kassen: Kunden sind bei Aldi oder Lidl dazu gezwungen, ihre Lebensmittel direkt zu verstauen – ohne dabei auch nur eine Sekunde länger an den Kassen zu verweilen (mehr Nachrichten über Aldi* auf RUHR24.de).

Aldi und Lidl: Auf dem Kassenbon fehlen wichtige Infos zum Rückgeld

Eine schlaue Taktik, um mehr Kunden in kürzester Zeit zu bedienen und noch mehr Umsatz zu machen. Doch dabei bleibt es nicht. Aldi und Lidl gehen bei ihrer Zeitoptimierung an den Kassen noch einen Schritt weiter. Sichtbar ist dies an den Kassenbons. Denn wenn man einen genaueren Blick auf die kleinen weißen Zettelchen wirft, fällt auf: Da stimmt was nicht! Kunden erhalten keinerlei Informationen darüber, wie viel Geld sie beim Einkaufen zurückbekommen hätten.

Zunächst kommt der Gedanke auf, der Discounter habe einen Fehler gemacht. Ist es nicht normal, dass man weiß, wie viel Wechselgeld einem zusteht? Und dienen Angaben über das Rückgeld nicht auch als Absicherung für den Kassierer, damit dieser weiß, wie viel Geld herausgegeben werden muss? Weder noch. Stattdessen drucken die Discounter lediglich die Gesamtsumme auf den Kassenbon.

Aldi: Deshalb fehlt auf dem Kassenbon die wichtige Angabe zum Rückgeld

Nastaran Amirhaji, Pressesprecherin bei Aldi Süd, erklärte t-online, warum das zumindest bei Aldi der Fall ist: „Die Berechnung des Rückgeldes erfolgt bei Aldi Süd schon immer anhand eines einfachen Prinzips: Hierbei wird nicht wirklich gerechnet, sondern auf den nächsthöheren, möglichen Betrag, mit dem der Kunde bezahlen könnte, hochgezählt und dabei der Unterschiedsbetrag an den Kunden ausgezahlt.“

Heißt konkret: Die Mitarbeiter berechnen das Wechselgeld im Kopf. Eine entsprechende Info darüber findet man auf der Website von Aldi Süd: Darin begründet der Discounter seine ungewöhnliche Vorgehensweise damit, seinen Kunden „einen schnellen und reibungslosen Einkauf zu garantieren“.

Aldi: Rechnen statt Kasse – Kassierer müssen Rückgeld selber ausrechnen

Aber wie genau funktioniert der Kassiervorgang denn, wenn die Kassierer ihre Kasse nicht zum Rechnen nutzen dürfen? Hier ein Beispiel von Aldi Süd: „Der Einkauf kostet 15,83 Euro. Die Ausgabe des Wechselgeldes ist tatsächlich einfacher als gedacht. Ich runde immer auf den nächsthöheren Betrag auf.“

„Zuerst sieben Cent um auf 15,90 Euro zu kommen, dann zehn Cent um auf 16 Euro zu kommen und schließlich zwei 2-Euro-Münzen für einen Betrag von 20 Euro. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde mit 20 Euro zahlt ist in diesem Fall am größten. Selbst wenn der Kunde 16 Euro zahlen würde, hätte ich mit den Centmünzen bereits das passende Wechselgeld bereit.“

Aldi: Bezahlen und Kassieren soll schneller für den Kunden gemacht werden

Laut Pressesprecherin Nastaran Amirhaji werde das ungewöhnliche Kassenbon-System gut von den Kunden angenommen. Und außerdem würde es sich seit Jahren bewähren. Der Discounter-Riese plane deshalb nicht, an den Kassenbons irgendetwas zu ändern. „Bei Fragen kann man sich direkt an die Filialmitarbeiter wenden“, so Amirhaji.

Grund für das Fehlen des Rückgeldes auf den Kassenbons ist ganz klar die schnellere Abwicklung an der Kasse, sagt Aldi Süd. Soll der Restbetrag mit auf den Kassenbon gedruckt werden, müsste der Kassierer warten, mit welchem Betrag der Kunde seinen Einkauf bezahlen möchte. Anschließend würde der Betrag in das System eingebucht werden, wo es schließlich verrechnet wird. Das kostet Zeit.

Fehlen die Angaben über das Wechselgeld auf dem Kassenbon, dann kann der Kassierer den Bezahlvorgang an der Kasse schneller abschließen und der nächste Kunde kommt schneller an die Reihe. Das Resultat: kürzere Schlangen.

Video: Aldi, Lidl, Rewe und Co.: Das ist der beliebteste Supermarkt Deutschlands

Lidl: Keine Angaben zum Rückgeld auf dem Kassenbon – Vorgehen wie bei Aldi

Auch bei Lidl möchte man seinen Kunden das Einkaufen erleichtern* und arbeitet deshalb mit einem ähnlichen System wie Aldi. Isabel Lehmann, Pressesprecherin von Lidl Deutschland, erklärte t-online, dass der Kassierer in bestimmten Fällen gar nicht erst auf das Wechselgeld des Kunden warten würde und stattdessen den Bezahlvorgang einfach bestätigt (mehr Nachrichten über Lidl* bei RUHR24.de).

Liegt der Gesamtbetrag des Einkaufs beispielsweise bei 1,95 Euro und der Kunde bezahlt mit einem 2-Euro-Stück oder einem 5-Euro-Schein, dann würde der Kassierer bereits im Kopf das Wechselgeld berechnen. Auch dadurch soll das Eintippen ins Kassensystem gespart werden. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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