Lebensmittel

Aldi Nord erweitert Sortiment um viele Marken – Aldi Süd fährt andere Strategie

Aldi Nord will sein Sortiment in der kommenden Zeit für seine Kunden weiter ausbauen. Bei Aldi Süd vertraut man dagegen eher auf Aktionsware. Wie kommt das?

Essen – In Sachen Produkten und Angeboten liefern sich Aldi Nord und Aldi Süd seit jeher Konkurrenzkämpfe: Die einen Filialen haben mehr Auswahl davon, die anderen konzentrieren sich lieber auf etwas anderes. Das soll sich auch in Zukunft nicht ändern, denn Aldi Süd und Aldi Nord haben in Sachen Sortimentserweiterung komplett andere Pläne, wie nun herauskam.

DiscounterAldi Nord
SitzEssen
Standorte11.235

Aldi Nord nimmt seit 2020 immer mehr neue Marken-Produkte ins Sortiment auf

Während Aldi Nord zurzeit fast wöchentlich neue Markenprodukte ins Sortiment aufnimmt, konzentriert sich Aldi Süd lieber auf die Etablierung von Produkten aus dem Eigensortiment. Marken sind im Süden häufig nur als Aktionsware zu finden, aber nur selten im dauerhaften Sortiment (mehr Nachrichten zu Supermärkten und Discountern bei RUHR24).

Schon 2020 bestand 20 Prozent des Angebots von Aldi Nord aus Marken. Inzwischen dürfte der Anteil jedoch deutlich höher liegen, denn in den vergangenen Wochen sind rund 40 weitere Markenartikel im Norden dazugekommen, schätzt die Lebensmittel Zeitung in einem neuen Bericht.

Kaum noch Eigenmarken im Angebot bei Aldi Nord – Entwicklung durch Corona begünstigt

Zwar geht auch die Entwicklung bei Aldi Süd in diese Richtung, jedoch gewährt man den eigenen Produkten ganz klar Vorrang. Das zeigt sich auch im Aktionsgeschäft: In den aktuellen Prospekten für die laufende Woche hat Aldi Nord deutlich mehr Markenprodukte im Angebot als der Süden. Eigene Produkte, vor allem in den Produktsparten Molkerei und Non-Food, sind im Norden nur noch vereinzelt zu finden. Ein Zufall? Sicher nicht.

Bereits in der Corona-Pandemie setzte man bei Aldi Nord vermehrt auf Markenprodukte, um die Kundschaft anzukurbeln. Wenig verwunderlich ist das nicht: Zu kaum einer anderen Zeit war die Konkurrenz unter Supermärkten und Discountern so hoch wie im Lockdown.

Kunden hatten keine anderen Einkaufsmöglichkeiten mehr, nur noch der Einzelhandel und Drogerien durften öffnen. Dazu kamen die Hamsterkäufe von Klopapier, Nudeln und Mehl: Hatte ein Händler das gewünschte Produkt nicht vorrätig, ging man eben zum nächsten.

Aldi will nicht für Kunden interessanter werden, sondern auch für die Hersteller

Ziel von Aldi Nord ist es, den Kunden vor allem Premiummarken anzubieten: Also bestimmte Produkte, die nur von einem Hersteller produziert werden und die nur für diese Marke bekannt sind. Das kann im Molkereibereich zum Beispiel irische Butter von Kerrygold sein oder bei den Süßigkeiten Knoppers oder Manner.

Dass Aldi Nord – aber zum Teil auch Aldi Süd – künftig auf eine größere Fülle an Markenprodukten setzen, liegt laut der Lebensmittel Zeitung aber nicht nur an den Kunden. Zusätzlich wolle sich der Discounter auch als Abnehmer interessanter für die Hersteller machen. Und so kommt es, dass mittlerweile viele Marken wie Nestlé, Oetker, Pepsi, Ferrero, Barilla, Iglo, Unilever oder Lorenz neben den eigenen Aldi-Produkten im Angebot gelistet sind.

Dr. Oetker ist eine von vielen Marken, die bei Aldi Nord und Aldi Süd im Sortiment sind.

Eigenmarken leiden bei Aldi Süd und Aldi Nord unter der Fülle an Markenprodukten

Die Sortimentserweiterung von Markenprodukten bei Aldi Nord und Aldi Süd scheint mit Hinblick auf die Umsätze zu fruchten: Bei den Marken verbuchten die Discounter in den vergangenen Monaten einen Zuwachs im mittleren einstelligen Prozentbereich, im Aktionsgeschäft sogar zweistellige Zuwächse.

Das Geschäft mit den Eigenmarken scheint durch die Markenprodukte aber nicht angetrieben zu werden. Schlimmer noch: Sowohl Aldi Süd als auch Aldi Nord verbuchten hier zuletzt ein starkes Minus, wie die Lebensmittel Zeitung aus Aldis Manager-Kreisen erfahren haben will. Es soll sich in einer ähnlichen Größenordnung befinden wie der Umsatz-Zuwachs bei den Markenprodukten.

Die genauen Zahlen sehen sogar noch düsterer aus: So sei das Minus bei den Eigenmarken deutlich größer als das Plus bei den Markenprodukten. Angesichts dieser Entwicklung ist fraglich, ob Aldi Nord seinen Kurs weiter behalten und noch mehr Markenprodukte einführen will, oder sich dauerhaft seiner Schwester aus dem Süden anpassen wird.

Rubriklistenbild: © Steinberg/Förster/dpa

Mehr zum Thema