Greenpeace hat getestet

Grillfleisch bei Aldi, Lidl und Rewe: Ekel-Alarm! Gefährliche Keime gefunden

Greenpeace hat Schweinefleisch aus deutschen Supermärkten untersucht und dabei Erschreckendes festgestellt: Sowohl Grillwürstchen als auch Schnitzel enthalten resistente Keime.

Deutschland - Im Sommer ist Grillsaison. Doch bei dieser Nachricht könnte Fleischfans die Lust aufs Würstchen schnell vergehen: In fast einem Viertel der untersuchten Schweinefleischproben fand Greenpeace antibiotikaresistente Keime. Die Produkte sind bei Rewe, Lidl und Aldi im Verkauf.

Non-Profit OrganisationGreenpeace
InteressenUmwelt-,Natur- und Klimaschutz
Gründung1971 in Vancouver, Kanada

Resistente Keime in Schweinefleisch gefunden: Greenpeace testet Grillwürstchen und Schnitzel

Im Frühjahr hat Stiftung Warentest Hähnchenschenkel auf Keime und Antibiotikaresistenzen geprüft und dabei herausgefunden, dass so gut wie alle der getesteten Geflügelprodukte nicht nur gefährliche Krankheitserreger enthielten, sondern auch resistente Keime. Im Test waren damals 17 verschiedene Produkte von den Discountern Aldi und Lidl, aber auch Bio-Marken.

In den Stichproben von Greenpeace ging es jetzt ausschließlich um Schweinefleisch, aber hier sind die Ergebnisse ebenso erschreckend: In zehn der 44 Fleischproben aus der Selbstbedienungstheke wurden Bakterien nachgewiesen, die gegen gängige Antibiotika resistent sind.

In vier der untersuchten Proben wurden sogar Bakterien gefunden, die gegen das Reserveantibiotikum Colistin resistent sind. Zu den Proben gehörten unter anderem Grillwürstchen und Schnitzel von Rewe, Aldi und Lidl (mehr News zu Supermärkten und Discountern bei RUHR24).

Was sind Reserveantibiotika?

Reserveantibiotika sind spezielle Antibiotika, die bei schweren Infektionen mit resistenten Keimen zum Einsatz kommen. Bei einer normalen Therapie kommen Reserveantibiotika nicht zum Einsatz, um die Entwicklung von bakteriellen Resistenzen zu vermeiden.

Antibiotikaresistente Keime im Fleisch: Deshalb sind Resistenzen für Menschen gefährlich

Die Gefahr, dass sich Menschen über die Nahrungsaufnahme mit den Bakterien infizieren können, ist gering. Allerdings kann die Ausbreitung dieser resistenten Keime langfristig dazu führen, dass bakterielle Infektionskrankheiten beim Menschen immer schwerer zu behandeln sind. Insbesondere dann, wenn auch die Reserveantibiotika nicht mehr wirken.

Aber warum enthalten Hähnchen- und Schweinefleisch und teilweise sogar Hundefutter überhaupt antibiotikaresistente Keime? Die Antwort darauf liegt in der Massentierhaltung: Den Tieren werden oft große Mengen Antibiotika verabreicht - auch vorbeugend, um eine Ausbreitung von Krankheiten unter den eng beieinander stehenden Schweinen, Hühnern und Kühen zu vermeiden. Infolgedessen kommt es zu sogenannten Antibiotikaresistenten.

Was ist eine Antibiotikaresistenz?

Durch den vermehrten Einsatz von Antibiotika entsteht ein sogenannter Selektionsdruck bei den Keimen: Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, können überleben und sich weiter vermehren. Wenn Antibiotika zu oft oder über einen viel zu langen Zeitraum angewendet* werden, begünstigt dies die Verbreitung von multiresistenten Keimen.

Greenpeace: Untersuchtes Fleisch stammt aus bekannten deutschen Betrieben

„Die Fleischindustrie befeuert die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen”, sagt Dirk Zimmermann, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. „Die Tiere müssen besser gehalten werden und ihre Zahl muss sinken. Nur dann lässt sich der Antibiotika-Einsatz in den Ställen weiter verringern.”

Für den Schweinefleisch-Test kaufte Greenpeace nicht nur Fleischproben aus der Selbstbedienung in norddeutschen Supermärkten und Discountern, sondern auch in den Werksverkäufen der Fleischkonzerne Tönnies, Goldschmaus und Heidemark. Erst im Frühjahr hatte Greenpeace im Abwasser der drei Unternehmen resistente Keime gefunden.

Video: Wegen resistenter Keime - Experten warnen davor Geflügelfleisch zu waschen

Resistente Bakterien in Schweinefleisch gefunden: Fleisch stammt aus den niedrigsten Haltungsformen

Alle untersuchten Fleischproben stammten aus den Haltungsformen 1 und 2 - den niedrigsten der insgesamt vier Haltungsformen für Masttiere. Haltungsform 1 bedeutet: Stallhaltung und Haltungsform 2: Stallhaltung Plus. Konkret heißt das, dass sowohl Schweine als auch Hühner bei beiden Formen weniger als einen Quadratmeter Platz haben. Auslauf ist nicht möglich.

Aldi kündigte erst vor wenigen Wochen an, die beiden niedrigsten Haltungsformen bis 2030 aus seinem Frischfleisch-Sortiment zu nehmen. Stattdessen wolle man beim Discounter künftig auf die höheren Haltungsformen 3 und 4 setzen - dabei haben die Tiere Kontakt zur frischen Luft.

Bei Haltungsform 3 ist die Rede von Außenklimareizen. Heißt konkret: Die Tiere haben keinen echten Auslauf, aber zum Beispiel eine offene Stallfront. Bei Haltungsform 4 ist hingegen ein ständiger Zugang zu Auslauf oder Freilandhaltung Pflicht. Und immerhin: Bei Haltungsform 3 und 4 ist nur der Einsatz von gentechnikfreiem Futter erlaubt, außerdem müssen die Landwirte den Tieren sogenanntes Beschäftigungsmaterial zur Verfügung stellen.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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