Discounter mit Ankündigung

Änderung für Lieferanten und Partner von Aldi: Was das für die Kunden bedeutet

Aldi überrascht derzeit mit einer Preissenkung.
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Aldi schließt sich einer Initiative an, die dem Tierwohl dienen soll.

Schon lange stehen die Verhältnisse in Masthuhnbetrieben in der Kritik. Nun schließt sich Aldi einer Initiative an, die das Problem bekämpfen möchte.

Essen - Discounter-Fleisch ist nicht gerade für Tierwohl und Nachhaltigkeit bekannt. Der Lebensmittel-Discounter Aldi schließt sich nun einer Initiative an - was von Kritikern allerdings als reine Image-Pflege angesehen wird.

UnternehmenAldi
HauptsitzEssen
Umsatz53 Milliarden EUR (2020)
CEOMarc Heußinger (1. Jan. 2013–)
Gründung1946, Essen
GründerKarl Albrecht, Theo Albrecht

Aldi bei Initiative: Es geht um Tierwohl und Gesundheit in Mastbetrieben

Ob Discounter oder Supermarkt ‒ Mast-Fleisch hat keinen guten Ruf, wenn es um Tierwohl und Gesundheit geht. Die aktuelle Lage in Masthuhn-Betrieben sieht zum Beispiel so aus:

  • Masthuhn in Kurzmast: Pro Quadratmeter 35 Kilogramm Lebendgewicht
  • Masthuhn in Langmast: Pro Quadratmeter 39 Kilogramm Lebendgewicht

In der Kurzmast, in der die Hühner weniger wiegen, dürfen rund 23 Tiere auf einem Quadratmeter Stallboden hausen. Bei längerer Mast sind es in etwa 16 Tiere pro Quadratmeter. Diese Werte sind vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Zudem verfügen die wenigsten Tiere in Mastbetrieben über Tageslicht, frische Luft oder Sitzstangen. Der Großteil der im Handel verfügbaren Hähnchen stammt aus der Massentierhaltung, so die Albert-Schweitzer-Stiftung.

Änderungen in Mastbetrieben: Aldi will Massentierhaltung verbessern

In einer Pressemitteilung haben sowohl Aldi-Süd als auch Aldi-Nord am Montag (2. November) gemeinsam verkündet, dass sie der Europäischen Masthuhn-Initiative beigetreten sind. Damit sei eine „weitreichende Entscheidung zur Verbesserung des Tierwohls getroffen“ worden (alle News zu Aldi bei RUHR24.de), so die Unternehmen.

Die Europäische Masthuhn-Initiative setzt sich für mehr Tierwohl ein und wurde von mehreren europäischen Tierschutzorganisationen gegründet. Dazu gehört auch der Deutsche Tierschutzbund. Die Initiative möchte folgende Lebensbedingungen für Masthühner umsetzen:

  • Strengere Anforderungen an Haltung: geringere Besatzdichte, Sitzstangen (zwei Meter auf 1.000 Tiere),
  • Keine schnell-wachsenden Rassen mehr im Mastbetrieb,
  • Bis zu 20 Tiere pro Quadratmeter, statt 26 Tiere
  • Garantie auf Tageslicht
  • Pick-Möglichkeiten: Zwei Gegenstände pro 1.000 Tiere

Streit zwischen Aldi und Wiesenhof: Fleischerei-Unternehmen gegen Änderung in Tierhaltung

Bis 2026 will Aldi diese Standards bei allen Partnern und Zulieferern umsetzen. Laut Aldi-Angaben soll der Discounter schon seit Gründung der Initiative in 2016 Gespräche mit seinen Lieferanten geführt haben: „Die Veränderungen, die mit unserem Commitment einhergehen, stellen alle beteiligten Akteure vor eine große Herausforderung, da hiermit eine Reihe von tief greifenden Veränderungen angestoßen werden muss“, heißt es in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Einer der größten Lieferanten von Aldi ist die Firma Wiesenhof. Das große Fleischerei-Unternehmen ist ein wichtiger Partner für den Discounter, der zuletzt über 100 Produkte aus dem Sortiment geworfen hat. Laut der Süddeutschen Zeitung sollen Tierschützer berichtet haben, Wiesenhof stünde der Initiative „abwartend bis negativ“ gegenüber.

Wiesenhof (PHW-Gruppe) selbst schreibt in einer Mitteilung an unsere Redaktion: „Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten engagieren wir uns nachhaltig im Bereich Tierwohl und bieten Geflügel aus verschiedenen alternativen Haltungskonzepten an: Die rund 1.000 Partnerlandwirte ziehen neben konventionellem Geflügel auch Geflügel für insgesamt sechs alternative Tierwohl-Konzepte auf: Wiesenhof Privathof-Geflügel, Beter Leven, Gildehoen, Kip van Morgen, Donautal Premium und die Initiative Tierwohl.“

Zwei der sechs Tierwohl-Konzepte sollen laut Peter Wesjohann, Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe, „sogar über dem Standard der Europäischen Masthuhn-Initiative liegen“ und seien in den vergangenen Jahren aktiv entwickelt und gefördert worden. Zur Europäischen Masthuhn-Initiative sagt Peter Wesjohann: „Wenn einzelne Kunden auf das Tierwohl-Konzept der Europäischen Masthuhn-Initiative umstellen möchten, wird die PHW-Gruppe dieser wachsenden Nachfrage im Rahmen ihrer Aufzuchtkapazitäten selbstverständlich nachkommen.“

Problem bei Kontrolle: Wie schnell wird Aldi etwas in den Betrieben ändern?

Damit es aber in der breiten Masse besser wird, müssen sich andere Betriebe der Initiative anschließen, heißt es von Aldi. Dabei sind schon circa 350 Unternehmen in dem Programm der Europäischen Masthuhn-Initiative. Darunter Dr. Oetker, Danone, Iglo und Nestlé.

Video: „Leute, da stimmt doch was nicht“ – Kundin äußert Verdacht gegen Aldi und veröffentlicht Beweisfoto

Für die Kunden von Aldi wird sich erstmal nichts ändern. Denn vorerst wird der Mastbetrieb der Lieferanten so fortgeführt, wie es der derzeitige Stand ist. Ab 2026 könnte es Veränderungen für die Verbraucher bei Aldi geben.

Hinweis: Zuerst wurde in diesem Artikel berichtet, dass Wiesenhof die Teilnahme an der Europäischen Masthuhn-Initiative ablehnt. Diese Aussage war falsch und wurde im Artikel berichtigt.

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