„Bereicherung“ soll vermieden werden

9-Euro-Ticket: Rückzahlung für einige Nutzer droht

Das 9-Euro-Ticket soll finanzielle Erleichterung bringen. Doch Familien, die Hartz 4 beziehen, könnten bald eine Forderung der Jobcenter erhalten.

Dortmund – Das 9-Euro-Ticket stellt Deutschland seit Anfang Juni auf den Kopf. Wo zunächst große Fragezeichen hinter dem Wie und dem Woher standen, drängten sich kurze Zeit später massenhaft Fahrtgäste in die Züge, um das Ticket direkt das erste lange Wochenende nutzen zu können. Doch gerade für Hartz-4-Empfänger könnte das günstige Ticket jetzt zum Ärgernis werden.

Ticket9-Euro-Ticket
Aktionszeitraum1. Juni bis 31. August
GültigkeitIn Regionalzügen, Bussen und Bahnen in ganz Deutschland

9-Euro-Ticket: Hartz-4-Familien müssen eventuell Geld an die Jobcenter zurückzahlen

Ausgerechnet die Menschen in Deutschland, die zu den Ärmsten gehören, müssen jetzt möglicherweise Geld zurückzahlen. Schuld daran ist das 9-Euro-Ticket, welches eigentlich finanzielle Erleichterung bringen sollte. Denn die Jobcenter der Bundesländer könnten bald Geld von Hartz-4-Familien zurückfordern.

Grund dafür sind Schülertickets, die in einigen Bundesländern von den Jobcentern bezahlt werden. Doch auch die Schülertickets kosten in den Monaten Juni, Juli und August jeweils nur neun Euro. Und die Differenz können sich die Ämter laut Spiegel von den Empfänger-Familien wieder zurückholen.

9-Euro-Ticket: Leistungsempfänger müssen möglicherweise Geld zurückzahlen

Würden sich die Jobcenter diese Differenz nicht zurückholen, handele es sich laut dem zuständigen Ministerium in Baden-Württemberg um eine „ungerechtfertigte Bereicherung“. Somit würden die Jobcenter entweder die Leistungen entsprechend anpassen oder Leistungsbewilligungen teils widerrufen – was bedeutet, dass Empfänger und Empfängerinnen Geld zurückzahlen müssten.

Laut der Homepage HartzIV.org wollen auch die Bundesländer Thüringen, Bayern und Niedersachsen Leistungen zurückfordern. So solle eine ungerechtfertigte Besserstellung gegenüber Menschen, die keine Leistungen beziehen, verhindert werden.

9-Euro-Ticket für Hartz-4-Familien: Bundesländer gehen unterschiedlich vor

Ob Harzt-IV-Familien nun wirklich die Differenz zum Schülerticket zurückzahlen müssen, hängt laut Focus allerdings von den einzelnen Jobcentern ab – sie können im Einzelfall entscheiden. Zudem gehen nicht alle Bundesländer gleich vor.

Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Brandenburg wollen einen anderen Weg gehen. Dort erhalten Familien laut Redaktionsnetzwerk Deutschland in den 9-Euro-Ticket-Monaten einen Änderungsbescheid. Eine Rückforderung soll demnach nicht fällig sein. In Hessen könne man sich laut HarztIV.org den Differenzbetrag erstatten lassen, wenn man das Ticket selbst gekauft habe.

Wird das 9-Euro-Ticket für Hartz-4-Familien jetzt zur Kostenfalle?

9-Euro-Ticket trotzdem eine große Bereicherung für Schüler und Schülerinnen

Ein einheitliches Vorgehen der Bundesländer oder überhaupt der einzelnen Jobcenter gibt es also nicht. Somit könnte bei einigen Familien, die auf Hartz 4 angewiesen sind, die Unsicherheit bleiben, ob nach den drei 9-Euro-Ticket-Monaten eine dicke Forderung ins Haus flattert.

Das zuständige Ministerium in Baden-Württemberg sieht trotzdem den Vorteil des 9-Euro-Tickets. Denn Kinder und Jugendliche könnten damit deutlich weitere Strecken zurücklegen als mit den normalen Schülerfahrkarten.

Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska/dpa/dpa-tmn

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