Ausbezahlung ab September

Kein Energie-Bonus auf der September-Abrechung: So bekommt man trotzdem 300 Euro

Die Energiepauschale sollte im September auf der Gehaltsabrechnung auftauchen. Passiert das nicht, müssen manche Arbeitnehmer selbst aktiv werden.

Dortmund – Der Krieg in der Ukraine und die infolge gedrosselten Gaslieferungen aus Russland könnten zur Folge haben, dass viele Menschen in Deutschland ab Herbst frieren. Damit es gar nicht erst dazu kommt, wurden zuletzt mehrere Maßnahmen auf den Weg gebracht – in Deutschland sollen etwa die Gasspeicher bis zum 1. Oktober zu 85 Prozent gefüllt sein – bis 1. November zu 95 Prozent. Zudem wird auf Bund- und Länderebene an Energiesparplänen gefeilt.

Energiepauschale 2022
Wie hoch ist der Betrag?300 Euro
Wer hat Anspruch?Einkommenssteuerpflichtige Erwerbstätige, pauschalbesteuerte Minijobber, Gewerbetreibende und Selbständige
Wann wird sie ausgezahlt?Voraussichtlich September 2022
Wie erfolgt die Auszahlung?Für einkommensteuerpflichtige Beschäftigte automatisch mit der Gehaltsabrechnung. Selbstständige profitieren durch Steuersenkung

Energiepauschale im September 2022: Auf Vermerk in Gehaltsabrechnung achten

Die Pläne beinhalten unter anderem niedrigere Temperaturen in öffentlichen Gebäuden, reduzierte Straßenbeleuchtung, aber auch kühlere Wassertemperaturen in Schwimmbecken.

In Baden-Württemberg wurde Berichten von BW24 zufolge vor einigen Wochen sogar über komplette Schließungen von Spaß- und Hallenbädern nachgedacht. Trotzdem schießen für viele Verbraucher die Preise speziell für Gas in die Höhe – hier soll die Energiepreispauschale (EPP) helfen.

Die Energiepauschale von 300 Euro soll in Deutschland einmalig im September 2022 ausbezahlt werden – alle Arbeitnehmer, die unbeschränkt steuerpflichtig sind und Einkünfte aus einer aktiven Beschäftigung haben, müssen im Normalfall nicht aktiv werden. Sie bekommen die 300 Euro brutto vom Arbeitgeber mit ihrem Lohn ausbezahlt. Berichten von CHIP 365 zufolge sollte auf der Gehaltsabrechnung für September der Posten „sonstiger Bezug“ zu finden sein.

Keine 300 Euro Energiepauschale im September: Wie Arbeitnehmer reagieren sollten

Taucht der Posten im September nicht auf, kann das mehrere Ursachen haben. Ein Grund ist, dass die Arbeitgeber nicht verpflichtet sind, die Energiepreispauschale noch im September auszubezahlen – auch spätere Auszahlungen sind möglich (mehr Service-News bei RUHR24).

Spätestens aber mit der Lohnsteuerbescheinigung sollte die EPP auf dem Konto sein, heißt es vom Bundesfinanzministerium. Wer also Ende September noch keine Energiepauschale bekommen hat, sollte zunächst beim Arbeitgeber nachfragen.

Ein klärendes Gespräch kann übrigens auch dann ratsam sein, wenn man als Minijobber angestellt ist. Denn als Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis muss man seinem Arbeitgeber schriftlich bestätigen, dass es sich bei der Tätigkeit um das erste Dienstverhältnis handelt, sprich: Es muss sichergestellt sein, dass die Energiepreispauschale nicht mehrfach ausbezahlt wird. Erst, wenn die Bestätigung vom Minijobber schriftlich vorliegt, darf der Arbeitgeber die 300 Euro auszahlen.

Wie die Energiepauschale versteuert wird

Die Energiepauschale bekommen Arbeitnehmer brutto ausbezahlt, sprich: Sie muss versteuert werden. Das gilt allerdings nur, sofern der Arbeitnehmer Lohn und Einkommensteuerpflichtig ist. Wer auf Minijob-Basis beschäftigt ist und unter den Grundfreibetrag (10.347 Euro ab 2022) fällt, bekommt die 300 Euro ohne Abzüge. Wer 2022 über die Summe kommt, muss die EPP versteuern – wie stark, ist abhängig von der jeweiligen Steuerklasse.

Wer wissen möchte, wie viel Energiepauschale er netto überwiesen bekommt, kann das mithilfe von Online-Rechen-Tools wie dem Entlastungspaket-Rechner von steuerbot.com ausrechnen lassen. Doch Vorsicht, einige der Online-Tools sind auf Singles mit Lohnsteuerklasse 1 beschränkt. Wer verheiratet ist oder eine andere Steuerklasse hat, muss das auswählen. Im Zweifelsfall kann der Steuerberater helfen.

300 Euro Energiepauschale bei der Einkommenssteuer geltend machen: Wer betroffen ist

Doch Berichten von CHIP 365 zufolge gibt es auch Fälle, in denen die Energiepreispauschale gar nicht vom Arbeitgeber ausbezahlt wird. Das ist etwa dann der Fall, wenn der Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, eine Lohnsteuer-Anmeldung abzugeben – etwa, wenn der Mitarbeiter auf freiberuflicher Basis für das Unternehmen arbeitet. Zudem nennt das Bundesfinanzministerium zwei zusätzliche Gründe, die die Auszahlung ausschließen:

  • Der Arbeitgeber verzichtet im jährlichen Anmeldungszeitraum auf die Auszahlung an den Arbeitnehmer.
  • Der Arbeitnehmer ist nur kurzfristig beschäftigt oder arbeitet in der Land- und Forstwirtschaft.

Trifft einer der oben genannten Faktoren zu, muss der Beschäftigte selbst aktiv werden, um die 300 Euro Energiepreispauschale zu beziehen. In diesen Fällen kann die EPP über die Einkommenssteuer für 2022 geltend gemacht werden.

Im September 2022 kommt die Energiepauschale für Arbeitnehmer – wer sie nicht auf dem Konto hat, sollte reagieren.

Auch Minijobber haben die Möglichkeit, sofern sie ihrem Arbeitgeber das erste Dienstverhältnis nicht schriftlich bestätigt haben. Und: Die Einkommenssteuer für 2022 kann frühestens im Januar 2023 abgegeben werden.

Zusätzliche Entlastungen neben Energiepauschale: Was es zu beachten gibt

Sprich, nicht jeder Beschäftigte bekommt seine Energiepreispauschale im September automatisch ausbezahlt. Zum einen, weil der Arbeitgeber einen zeitlichen Spielraum hat und zum anderen, weil einige Beschäftigte ihre EPP in ihrer Einkommenssteuer geltend machen müssen, die frühestens 2023 möglich ist. Unabhängig zur Energiepreispauschale gibt es vonseiten der Politik noch weitere Entlastungen, auf die aber nicht jeder Anspruch hat.

Der Heizkostenzuschuss in Baden-Württemberg wird nur an die Bürger ausbezahlt, die Wohngeld-berechtigt sind. Im Unterschied zur festen Energiepreispauschale richtet sich der Heizkostenzuschuss nach der Anzahl der Personen im Haushalt – er beträgt aber mindestens 270 Euro. Wichtig zu wissen: Die Entlastungen werden nicht aufeinander angerechnet, sprich: Wer den Zuschuss für seine Heizkosten bezieht, hat trotzdem Anspruch auf die volle EPP.

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