Königsblaue „Hail Mary“

Schalke-Stürmer kann angeblich im Winter gehen – ein anderer könnte kommen

Schalke 04 will im Winter-Transferfenster den Kader nachrüsten. Doch auch ein Abgang ist beim abstiegsbedrohten Bundesligisten möglich.

Gelsenkirchen – Unter einer „Hail Mary“ versteht man im American Football einen Spielzug der Offensive, bei dem der Ball sehr weit nach vorne geworfen wird. Die Chance, dass der Pass gefangen wird, ist gering. Es ist bei eigenem Rückstand kurz vor Spielende in der Regel der letzte Versuch, die Partie doch noch zu drehen.

Schalke 04 fehlt Bundesliga-Niveau: Winter-Transferfenster ist die letzte Chance

Der FC Schalke 04 betreibt zwar eine andere Sportart, ist aber dennoch in Begriff, eine solche „Hail Mary“ zu werfen – allerdings auf dem Transfermarkt. Denn der bisherige Verlauf der Saison hat gezeigt: Mit dem von Ex-Sportdirektor Rouven Schröder zusammengestellten Kader ist die Mission Klassenerhalt nahezu aussichtslos.

Das fehlende Tempo in der Mannschaft ist dabei längst nicht der einzige Makel. Auf etlichen Positionen in der Startelf besitzt Königsblau kein Bundesliga-Niveau oder hat es noch nicht nachgewiesen. Die Torhüter-Position – seit Jahren eine Baustelle in Gelsenkirchen – ist ein Beispiel dafür, der Mittelsturm und die Außenbahnen sind weitere.

Schalke 04 bekommt wohl 3,5 Millionen Euro aus Harit-Verkauf – Ausgaben müssen sitzen

Das Verletzungspech – zuletzt erwischte es S04-Linksverteidiger Thomas Ouwejan – tut sein Übriges. Schalkes letzte Hoffnung ruht auf der WM-Pause und dem Winter-Transferfenster im Januar. In dieser Zeit muss Cheftrainer Thomas Reis die vorhandenen Spieler verbessern. Gleichzeitig muss Sportvorstand Peter Knäbel auf dem Transfermarkt die drängendsten Probleme adressieren.

Kämpfen mit Schalke um den Klassenerhalt: Trainer Thomas Reis (l.) und Sportvorstand Peter Knäbel

Eine „Hail Mary“ wird das auch deshalb, weil Schalke dafür kaum Geld zur Verfügung hat. Die in Kürze greifende Kaufpflicht für S04-Leihgabe Amine Harit ist so etwas wie die letzte Chance. Jeder Zug auf dem Transfermarkt im Winter muss sitzen. Ansonsten droht Königsblau der erneute Abstieg in Liga 2.

Doch wie geht Peter Knäbel mit seinem Team diese Herkulesaufgabe an? An welchen Kader-Stellschrauben wird zuerst gedreht? Ein Bericht der Bild gibt eine mögliche erste Antwort auf diese Fragen. Demnach kann Schalke mit knapp 3,5 Millionen Euro aus dem bevorstehenden Harit-Verkauf rechnen (mehr Transfer-News zum S04 bei RUHR24).

Peter Knäbel darf beim S04 auf zusätzlichen Leihspieler hoffen

Da die „Knappen“ allerdings zweigleisig planen und den Corona-Kredit tilgen müssen, sind damit keine allzu teuren Transfers möglich, heißt es weiter. Dennoch rechne Peter Knäbel damit, so berichtet die Boulevard-Zeitung, dass er im Winter etwas mehr Spielraum für Aktivitäten auf dem Transfermarkt erhält.

Der bevorstehende Verkauf von Amine Harit spült zumindest etwas Geld in die Schalker Kassen.

Konkret bedeute dies, dass Schalke im Winter wohl einen zusätzlichen Leihspieler verpflichten könnte. Keine Antwort liefert der Bericht jedoch auf die Frage, für welche Position ein solcher Neuzugang verpflichtet werden könnte. Dafür bringt die Bild einen neuen Namen auf die Liste möglicher Abgänge.

„Mitläufer“, so heißt es, sollen den Verein im Winter verlassen. Namentlich genannt wird allerdings nur ein Spieler: Jordan Larsson. Der 25-jährige Flügelstürmer kam im Sommer ablösefrei von Spartak Moskau. Eine Torbeteiligung blieb dem Schweden in der laufenden Saison allerdings noch verwehrt.

Jordan Larsson bei Schalke auf dem Abstellgleis? „Mitläufer“ soll laut Medienbericht gehen

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Larsson unter Ex-Trainer Frank Kramer nur selten zum Zug kam. Lediglich dreimal stand er in der Bundesliga in der Startelf. Zuletzt fehlte der Linksfuß krankheitsbedingt. Der Bericht der Bild ist durchaus überraschend, da der Sohn von Stürmer-Legende Henrik Larsson einer der wenigen Geschwindigkeitsspieler im Schalker Kader ist.

Verkaufskandidat? Jordan Larsson soll den S04 angeblich verlassen.

Ein Abgang ohne vergleichbaren Ersatz würde dieses Defizit im Winter noch verschärfen. Außerdem ist Neu-Trainer Reis ein Fan schneller Spieler. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Werder Bremen (5. November, 18.30 Uhr im Live-Ticker) sprach der 49-Jährige davon, während seiner Zeit beim VfL Bochum von Tempospielern regelrecht „verwöhnt“ gewesen zu sein.

Es wäre daher nicht verwunderlich, sollte Larsson unter Reis eine größere Rolle spielen als noch unter Kramer. Es bleibt abzuwarten, ob die Trennung vom Schweden tatsächlich Teil der königsblauen „Winter-Hail-Mary“ wird. Fehler darf sich Schalke auf dem Transfermarkt im Januar jedenfalls nicht erlauben.

Rubriklistenbild: © Tim Rehbein/RHR-Foto - Montage: RUHR24

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