Schalke und Clemens Tönnies: In der Inszenierung liegt der Fehler

Nach seiner Pause ist Clemens Tönnies (63) bei Schalke wieder ins Amt zurückgekehrt. Ein Schritt in die richtige Richtung ist das nicht. Ein Kommentar.

  • Clemens Tönnies wurde nach seinen rassistischen Aussagen beim Tag des Handwerks für drei Monate beurlaubt.
  • Nach seiner Rückkehr am Mittwoch (6. November) gab er bei SchalkeTV ein Interview.
  • Doch das Gespräch wirkt inszeniert und hinterlässt so einen faden Beigeschmack.

Schalke 04: Clemens Tönnies nach Rassismus-Eklat

„Danke für klare Worte und die klare Entschuldigung, die sich dadurch möglicherweise verletzt gefühlt haben.“ Diese letzten Worte richtet Interviewer Matthias Killing (40) bei SchalkeTV an seinen Gast Clemens Tönnies. Dass diese das fast zwölfminütige Gespräch passend abrunden, ist ironisch und perfide zugleich. Denn dem Interview fehlte bedauerlicherweise eines: klare Worte. Aber noch einmal von vorne.

Nach dem Rassismus -Eklat um den Schalke-Aufsichtsratsvorsitzenden kehrte dieser nach drei Monaten zurück. Die Aussage, man solle „jedes Jahr 20 große Kraftwerke nach Afrika“ spendieren, denn: "Dann hören die auf, die Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, wenn wir die nämlich elektrifizieren, Kinder zu produzieren“, sorgte für mächtig Furore. Mehr Aufsehen erregte nur noch der Umgang des Vereins mit der Situation.

Schalke ohne klarer Stellungnahme zu Clemens Tönnies

Denn sowohl vom Ehrenrat, als auch von der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins erwarteten sich einige S04-Fans mehr. Jedoch vergeblich. Das nun erschienene Interview ist ein weiterer Versuch, das Thema unter den Teppich zu kehren. Jedoch vergeblich.

Im Gespräch selbst erklärt Clemens Tönnies, er wolle sich nicht rechtfertigen, sondern nur entschuldigen. So gut das auch gemeint ist, beides scheitert. Denn eine Rechtfertigung forderte niemand nach seinen Aussagen. Sondern eine aufrichtige Entschuldigung und deutliche Konsequenzen. Das hat der Verein Schalke 04 auf vielerlei Ebenen bedauerlicherweise verpasst.

Schalke und Clemens Tönnies - Am Schluss die Umkehr

Denn das Gespräch zwischen Moderator Matthias Killing und Clemens Tönnies zeigt deutliche Zeichen einer Inszenierung. Mit einem Ziel: Das Bild des Rückkehrers wieder aufzubessern. „Drei Monate Pause, drei schwere Monate ohne Schalke für Clemens Tönnies“, eröffnet Killing das Gespräch. Und auch im Verlaufe des Interviews wird des Öfteren betont, wie sehr man sich über die Rückkehr freu. Und dass die Zeit vor allem für einen hart war: Clemens Tönnies.

Es wirkt, als sei der mächtige Mann bei Schalke aus dem Exil zurückgekehrt. Von einer „harten Zeit“ ist die Rede und das Bild des Alleingelassenen aufkommt. Die Umkehr der Opferrolle, in die der Interviewte mehr und mehr zu rücken scheint, ist da nicht die Einzige.

Denn: eine Entschuldigung von Clemens Tönnies gibt es im Interview zwar auch, mit welcher der Aufsichtsratsvorsitzende um Verzeihung bittet, „wenn ich jemandem wehgetan haben soll oder wenn sich jemand verletzt gefühlt hat.“ Doch trotz aller entschuldigenden Worte bleibt vor allem sein Vorwort der Entschuldigung in Erinnerung. Zuvor erklärt  Clemens Tönnies, dass er während seiner Schalke-Abstinenz Zeit hatte, um nachzudenken. Über das Gesagte, darüber, wie er es eigentlich gemeint hatte, und wie es aufgenommen wurde.

Schalke und Clemens Tönnies - der Missverstandene entschuldigt sich

Der 63-Jährige erklärt weiter: „Ich habe es nicht böse gemeint, ich habe es nicht beleidigend gemeint oder verletzend.“ Doch eine große Frage bleibt: Wie hat er es denn gemeint? Bei allem guten Willen und der gezeigten Reue macht es den Anschein, als sei der Fehler nicht beim Sender, sondern beim Empfänger entstanden.

Der Moderator bei SchalkeTV springt ihm dabei tatkräftig zur Seite und sagt: „Es ist eine Sache des Sendens und des Empfangens“. Viele hätten sein Gesendetes in den falschen Hals bekommen. Das Interview wirkt jedoch weniger wie ein rettendes Heimlich-Manöver, als mehr eine Analyse des Status Quo. Und trotz aller Entschuldigung bleibt die Sicht sehr einseitig.

Schalke 04: Fokus auf die Sicht von Clemens Tönnies

Denn anstatt die Empfänger zu verstehen und ihre Aussagen zu reflektieren, wird nur das „Dass“ und nicht das „Warum“ analysiert. Von einer „Heftigkeit“ bei den Reaktionen ist die Rede. Jedoch nur aus der Sicht des Aufsichtsratsvorsitzenden. Clemens Tönnies betont immer wieder im Interview, dass es ihm um das Konstrukt und die Gemeinschaft Schalke 04 gehe, die etwas Multikulturelles verkörpere. Doch das Konstrukt bröckelt.

Denn nicht nur die Aussagen aus dem vergangenen Frühjahr sind der Bildung einer weltoffenen und bunten Gesellschaft nicht gerade förderlich, sondern auch der Umgang des Vereins. Schalke und der Pott stehen seit Jahren für eben das. Ein Kind des Ruhrpotts und auch ehemaliger Spieler des S04, Leon Goretzka (24) erklärte nach der Debatte um den ehemaligen National- und Schalke-Spieler Mesut Özil (31): „Da antwortet man auf die Frage nach der Nationalität Schalke, Dortmund oder Bochum. Für uns ist Integration kein Thema, sondern Selbstverständlichkeit.“

Schalke und Clemens Tönnies wollen nach vorne - doch es geht zurück

Peter Peters (57), Finanzvorstand auf Schalke, erklärte nach der Rückkehr von Clemens Tönnies gegenüber der WAZ, dass er die Kritik an Schalke zurückweise. Denn der Verein habe „in dieser Frage mit seinen Gremien bemerkenswerte Entscheidungen getroffen.“ Und machte damit eigentlich alles falsch.

Schalke, Clemens Tönnies und das nicht gesetzte Zeichen

In Interview selbst erklärt Clemens Tönnies, dass der Verein Schalke 04 und alle Mitglieder der Gemeinschaft vermehrt gegen Rassismus Flagge zeigen sollten, stellt ironischerweise auch noch sein eigenes Gesicht für diverse Kampagnen zu Verfügung. Doch der Versuch, die Geschichte mit einem solch inszeniert wirkenden Interview, unter den Teppich zu kehren, hat das Gegenteil zur Folge. 

Auch wenn das Gespräch den Anschein eines aufrichtigen, authentischen Clemens Tönnies vermitteln möchte, so wirkt es doch eher wie ein Schlag ins Gesicht aller derer, die zuvor auf Schalke gegen Hetze und Rassismus gearbeitet haben.

Der Kommentar entspricht der Meinung des Autoren und muss nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion wiedergeben.

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