Transferfazit Schalke 04: Zu viele Baustellen für zu wenig Geld

Jochen Schneider (r.) transferierte Ralf Fährmann von Schalke zu Norwich City. Foto: Tim Rehbein/dpa

Schalke hatte im Sommer-Transferfenster mit zwei Problem zu kämpfen: Der Bedarf war groß und das Budget klein. Entsprechend fällt das S04-Transferfazit aus. Ein Kommentar.

  • Jochen Schneider hat seine erste Transferperiode als Verantwortlicher von Schalke 04 hinter sich.
  • Der Sportvorstand stand vor einigen Baustellen beim S04.
  • Einige konnte er gut schließen, einige nur temporär und eine gar nicht.

Dass Königsblau nach der katastrophalen Vorsaison nicht gleich wieder Kurs auf die Champions League nehmen würde, war klar. Stattdessen ging es für Sportvorstand Jochen Schneider (48) in seiner Anfangszeit darum, den Verein von einigen Altlasten seines Vorgängers Christian Heidel (56) zu befreien.

Das gelang besonders auf administrativer Ebene bemerkenswert gut. In kürzester Zeit ersetzte Schneider auf Schalke die zuvor praktizierte One-Man-Show durch ein großes Team hinter dem Team.

Allein die Vergrößerung des Mitarbeiterstabs hat die Probleme beim S04 allerdings nicht gelöst. Im Kader gab es ebenfalls einige Baustellen, die weit weniger schnell geschlossen werden konnten. Auch, weil das finanzielle Korsett beim S04 eng geschnürt ist.

Schubert: Sinnvolle Verstärkung für das Torwartteam von Schalke 04

Gleich zwei Transfers auf einen Schlag verkündete Schalke auf der Torwartposition. Ralf Fährmann (30), der nicht vorzeitig zu Schalke zurückkehrt, wurde auf eigenen Wunsch an Norwich City verliehen. Nahezu zeitgleich gaben die „Knappen“ die Verpflichtung von Markus Schubert (21) bekannt.

Der ablösefreie Wechsel des U21-Nationaltorhüters, bei dem der S04 wohl auch vom guten Ruf seines Torwarttrainers Simon Henzler (42) profitierte, ist ein sehr starker Transfer gewesen. Die noch ausstehende Entscheidung von Alexander Nübel (22) kann so mit wesentlich mehr Gelassenheit erwartet werden.

Abwehr: Schalke setzt auf Leihgeschäfte

Dass Leihgeschäfte im Fußball eine lukrative Geschäftsstrategie sind, ist unstrittig. Besonders ohne vereinbarte Kaufoption sind sie allerdings nicht unproblematisch. Statt Probleme im Kader zu lösen, werden sie nur verschoben.

Schalke hat mit Jonjoe Kenny (22) und Juan Miranda (19) beide Außenverteidiger-Positionen vorübergehend mit Leihspielern besetzt. Kenny kehrt sicher und Miranda möglicherweise schon 2020 zurück.

Der S04 sieht sich also in einem Jahr mit den gleichen Problemen konfrontiert, wie vor dem diesjährigen Transfer-Sommer. Dass die Kassen am Berger Feld dann praller gefüllt sind, darf ohne namhafte Verkäufe bezweifelt werden.

Mittelfeld bereitete dem S04 schon vor dem Transferfenster keine Bauchschmerzen

Ein echter Transfercoup ist Schalke hingegen mit der Verpflichtung von Ozan Kabak (19) gelungen. Der Innenverteidiger, an dem auch namhafte Vereine wie Bayern München oder AC Mailand interessiert waren, ist Wagners Wunschspieler Nummer eins gewesen und nicht nur wegen seines Alters ein starkes Investment in die Zukunft.

Wenig Handlungsbedarf bestand für Königsblau im Mittelfeld. So wurde im Sommer lediglich das Missverständnis mit Sebastian Rudy (29) zumindest vorerst beendet und mit Levent Mercan (18) ein weiteres Knappenschmiede-Talent mit einem Profi-Vertrag ausgestattet.

Ansonsten ist Schalke auf dieser Position auch ohne weitere Neuzugänge bestens für die Saison gerüstet. Zumal der wiedererstarkte Amine Harit (22) schon fast als Neuzugang bezeichnet werden kann.

Christian Keiter ist Mitarbeiter bei RUHR24.de. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Das Sturmproblem (37 Tore in 34 Ligaspielen) hat Schneider mit seinem Team nur teilweise lösen können. Zwar wurde mit Benito Raman (24) ein temporeicher Spieler für die Außenbahn verpflichtet.

Sorgenkind Offensive: Auf der Zielgeraden geht Schalke das Geld aus

Die Lücke im Mittelsturm bleibt nach dem Abgang von Breel Embolo (22) allerdings bestehen. Den finanziellen Wettstreit mit Bundesliga-Konkurrenten wie Eintracht Frankfurt (André Silva, 23) oder RB Leipzig (Patrik Schick, 23) konnte Schalke nicht gewinnen.

Auch, weil die Verkäufe der aussortierten Profis wie Yevhen Konoplyanka (29) und Nabil Bentaleb (24) nur zu schlechten Konditionen oder gar nicht über die Bühne gingen. Nach mehren Absagen im Transfer-Endspurt entschied sich Königsblau deshalb, mit dem vorhandenen Personal in die Saison zu gehen.

Stockende Verkäufe erschwerten weitere Verpflichtungen beim S04

Ein Plan, dessen Gelingen auch wesentlich von Mark Uth (28) abhängt. In seinem ersten Jahr auf Schalke blieb der Stürmer deutlich unter seinen Möglichkeiten. Viele Hoffnungen ruhen in der Offensive zudem auf dem jungen Ahmed Kutucu (19).

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