Bild: Ina Fassbender/dpa

Jochen Schneider ist der neue Sportvorstand beim FC Schalke 04 und folgt auf Christian Heidel, der zurückgetreten ist. Bei einer Pressekonferenz mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies stellte er sich den Medien vor.

Wie geht es mit Trainer Domenico Tedesco weiter? Wer wird Sportdirektor?

Jochen Schneider hat eine Menge Arbeit vor sich. Hier sind die Aussagen von ihm und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies.

Clemens Tönnies über …

  • … den heutigen Tag: Ich habe mich auf diesen Termin gefreut. Es ist das Signal für den Start eines neuen Sportvorstandes. Wir haben uns vor drei Jahren hier schon einmal getroffen und hätte damals nicht gedacht, dass wir heute einen Nachfolger von Christian Heidel präsentieren. Der Rücktritt kam für uns überraschend. Er hat einmal erwähnt, dass er sich fragt, ob er der Richtige ist. Dass er dann zu mir gesagt hat, dass er gerne zurücktreten möchte, kam überraschend. In meinem Netzwerk habe ich nachgeschaut, wer die fachliche Qualifikation, die menschliche Komponente mitbringen kann, um die Geschicke zu lenken. Da ist mir Jochen Schneider an erster Stelle gekommen und ich habe ihn sofort angerufen. Er sofort Ja gesagt, ob er Lust hätte. Bei unserem ersten Treffen und die Frage, ob er sich das auf Schalke zutraut, hat er wiederum Ja gesagt. Das erste Gespräch habe ich mit Alexander Jobst geführt. Nach einmal schlafen, haben wir uns wieder getroffen und zwischenzeitlich habe ich Huub Stevens noch gefragt, der sofort sagte, dass Jochen Schneider ein Guter ist. Ich freue mich daher, dass er jetzt hier ist und hoffe auf eine gute Zeit. Ich möchte mich bei Oliver Mintzlaff und Ralf Rangnick von RB Leipzig bedanken, dass wir Jochen so schnell loseisen konnte. Wir haben eine schwierige Situation. Wer jetzt nicht von Krise redet, verkennt die Situation. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit fachlicher Qualifikation, Vertrauen und auch dem gesamten Zusammenhalt da auch wieder herauskommen. Meine Grundeinstellung ist, dass wir zusammenhalten müssen. Wir können hinterher uns zanken. Aber jetzt müssen wir zusehen, dass wir sportlich vorwärts kommen. Dafür möchte ich auch die Situation nutzen und auffordern.

Tönnies: Heidel konnte sich nicht mehr täglich für Schalke motivieren

  • … Fehler in der Vergangenheit: Wir haben lange diskutiert, ob wir alle Aufgaben nur Christian Heidel geben. Ich habe angeregt, es auf breitere Schultern zu verteilen. Er hat es abgelehnt, weil er der Meinung war, dass wir gut aufgestellt waren. Ich bin der Meinung, dass immer ein Kopf über allem zählt, aber Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden sollte.
  • … fehlende Kontinuität der letzten Jahre: Wir sind nicht beim Neuanfang oder Umbruch. Wir machen da weiter – lassen wir mal die sportlichen Ergebnisse weg – wo wir stehen. Wir arbeiten daran, in der Tabelle weiter hoch zu kommen und dahin zu kommen, wo Schalke hingehört.
  • … seine Zurücknahme in der Öffentlichkeit zuletzt: Das waren die schönsten zweieinhalb Jahre auf Schalke. Das ist mir sonst zu stressig, mit ihnen und euch zu reden. Ich werde das also nicht ändern im Vergleich zu der näheren Vergangenheit.
In der kostenlosen Buzz04-App gibt es alle Infos über den FC Schalke 04 auf dein Smartphone.
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  • … zu spätes Eingreifen im Nachgang: Hinterher ist man immer schlauer. Wir haben sehr gut mit Christian Heidel gearbeitet. Er hat regelmäßig Rede und Antwort gestanden. Ich habe sehr viele Kollegen im Aufsichtsrat, die die Lage ständig hinterfragen und es gab immer ordentliche Antworten. Ich glaube schon, dass wir etwas geblendet waren von der Vize-Meisterschaft. Wir sind sicherlich wegen der Entwicklung beeindruckt, weil normalerweise immer der Recht hat, der Erfolg hat. Ich habe aber noch nie jemanden wie Domenico Tedesco gesehen, der so akribisch arbeitet und sich so identifiziert. Deswegen verdient es sich auch, vernünftig mit ihm umzugehen.
  • … den Rücktritt von Christian Heidel: Man spürt ja, wenn jemand etwas zum Ausdruck bringt und es ihm schwer fällt. Christian war nicht erfreut und wir sind nicht im Streit gegangen. Ich habe ihm eine Frage gestellt, ob er sich täglich in der Lage fühlt, sich zu motivieren, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Damit war das Thema erledigt.
  • … moralische Unterstützung für Tedesco: Wir sprechen regelmäßig miteinander, aber nicht, weil ich ihm reinreden will. Ich finde ihn als Mensch überragend und möchte deswegen helfen und wissen, was wir tun können, um ihn unterstützen zu können. Ich kenne den Laden so lange und so gut, dass ich sicherlich viele Tipps geben kann. Aber nicht fußballerischer Natur.
Benjamin Stambouli (m., mit Maske) und seine Team-Kollegen mussten sich nach dem desaströsen Schalke-Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf zwei Fan-Vertretern auf dem Platz stellen, ehe die Kapitänsbinde weggenommen wurde. Foto: Guido Kirchner/dpa
Benjamin Stambouli (m., mit Maske) und seine Team-Kollegen mussten sich nach dem desaströsen Schalke-Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf zwei Fan-Vertretern auf dem Platz stellen, ehe die Kapitänsbinde weggenommen wurde. Foto: Guido Kirchner/dpa
  • … die Abnahme der Kapitänsbinde durch die Fans: Mir tat Stambouli sehr leid. Er ist ein Aktivposten in der Mannschaft und geht voran. Zu der Szene hätte ich mir gewünscht, das vielleicht besser nach einem Training zu machen. Dann wären vielleicht auch weniger Emotionen dabei gewesen.

Jochen Schneider über …

  • … den heutigen Tag: Ich freue mich sehr, heute hier zu sehen. Ich bin sehr dankbar und stolz, Teil der Familie Schalke 04 zu sein. Es ist nicht nur ein großer, sondern ein großartiger Verein. Mit vielen Fans und eine Ausstrahlungskraft, die weit über Deutschland hinausgeht. Ich danke dem Aufsichtsrat und Huub Stevens sowie meinen neune Vorstandskollegen. Auch ein Dankeschön an Oliver Mintzlaff und Ralf Rangnick, die mir die Möglichkeit in sehr ordentlichen und fairen Gesprächen gegeben haben, den Verein zu wechseln. Die Aufnahme hier am vergangenen Samstag war großartig im Stadion. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen. Es wird zunächst um eine Bestandsaufnahme gehen und ich möchte das Team breiter aufstellen. Dazu zählen ein Sportdirektor und ein Technischer Direktor. Gespräche mit der Knappenschmiede habe ich auch schon geführt, aber manche Dinge stehen zunächst an. Wir müssen festhalten, dass wir im Kampf um den Klassenerhalt stecken. Wir brauchen drei Dinge: Ein Trainer-Team, das voll auf Werder Bremen fokussiert ist. Wir brauchen eine Mannschaft, die das umsetzt und wir brauchen den Schulterschluss mit den Fans. Der Zusammenhalt funktioniert nur mit den Fans, was die anderen Vereine unten drin auch vormachen. Was das für Domenico bedeutet? Ich kenne ihn seit der Jugendarbeit beim VfB Stuttgart. Wir schätzen uns sehr und er ist ein fantastischer Trainer. Es geht darum, dass wir eine Trendwende hinbekommen und wir haben einen offenen Austausch. Ich bin ein großer Freund von Kontinuität. Aber das darf nicht die Ziele gefährden. Die Mannschaft muss Freitag in Bremen ein anderes Gesicht zeigen.
Jochen Schneider ist der neue Sportvorstand beim FC Schalke 04. Foto: Ina Fassbender/dpa
Jochen Schneider ist der neue Sportvorstand beim FC Schalke 04. Foto: Ina Fassbender/dpa
  • … Domenico Tedesco: Wir brauchen eine Trendwende und ich bin kein Freund von Lippenbeknentnisse. Das bringt nichts. Wir können nicht so weiter machen oder Spiele wie in Mainz oder gegen Düsseldorf abliefern. Dafür ist die Lage zu prekär. Ich habe einen sehr offenen Austausch mit Domenico, aber es macht keinen Sinn zu spekulieren, was wäre wenn. Interessant ist der kommende Freitag.
  • … die beiden neuen Posten: Zum einen: Wir wissen genau, was wir suchen. Es geht um Qualität und um eine menschliche Qualität. Wenn er eine Schalke-Vergangenheit, qualifiziert er sich noch mehr. Die anderen beiden Kriterien sind aber wichtiger. Wenn man ehemalige Spieler einbinden kann, mach ich das gerne, weil ich das auch schon in der Vergangenheit gemacht habe.
  • … erste Tedesco-Reaktionen: Er wirkt sehr zielstrebig, ist klar orientiert und ist ehrgeizig. Man sieht auch, was er in der vergangenen Saison geleistet hat und es war bemerkenswert, wie er sich vergangenen Samstag vor die Mannschaft gestellt hat.

Jochen Schneider: Der Reiz ist groß, Schalke in bessere Gefilde zu führen

  • … seine schnelle Zusage: Der Reiz, den Schalke ausstrahlt, die Herausforderung den Klub in bessere Gefilde zu führen, ist groß. Ich habe Ralf Ranginck mal erzählt, dass mein Onkel mich etwas geprägt hat und ich durfte 16 Jahre für den VfB arbeiten. Aber er hat
  • … seine Position und die Unterschiede zum Sportdirektor: Ich bin Vorstand Sport und nicht noch für Kommunikation, das übernimmt Alexander Jobst. Ansonsten: Das Aufgabenfeld ist so groß, dass wir es auf mehreren Schultern verteilen wollen. Fredi Bobic macht es in Frankfurt exzellent. Der VfL Wolfsburg hat sich auch neu aufgestellt. Und so gibt es noch mehr Beispiele. Es wird Überschneidungen geben, das ist normal. Ich bin ein Freund des Vier-Augen-Prinzips. Jeder hat seinen Schwerpunkt.
  • … die ersten Tage: Das Schwierigste ist die sportliche Herausforderung. Es wäre schön gewesen, die Arbeit mit einem Erfolgserlebnis zu beginnen. Das war nicht der Fall, es war leider sehr enttäuschend. Das überlagert alles.
  • … Konsequenzen und freie Hände für Tedesco: Natürlich hat er freie Hand für Freitag.
  • … Axel Schuster und wie die Trendwende eingeleitet werden soll: Ich habe bislang gute Gespräche mit Axel Schuster geführt. Ich kenne ihn seit 15 Jahren, seit Mainz 05 aufgestiegen ist. Wir werden die nächsten Tage besprechen, was wir machen. Ich kenne Axel als qualitativ hochwertigen Mitarbeiter und sein bisherigen Titel wurde ihm vielleicht nicht ganz gerecht, wie es schon Christian Heidel gesagt hat. Ansonsten wäre es vermessen, zu sagen, dass die Mannschaft es interessiert ist, wer Sportvorstand ist. Dass es deswegen eine Trendwende geben kann, das sehe ich nicht.
  • … die Qualität der Mannschaft: Die Mannschaft hat eine gewisse Qualität, sonst wirst du nicht Zweiter in der Gruppenphase der Champions League. Der Tabellenplatz in der Bundesliga spiegelt nicht die tatsächliche Qualität wider, aber die aktuelle schon. Grundsätzlich ist es ein Thema, aber nicht in den kommenden acht Wochen.
  • … die Art des Fußball, für die er steht: Sie wissen ja, wo ich zuletzt gearbeitet habe und welcher Fußballer dort gespielt wird. Ich glaube, dass das eine Art von Fußball ist, mit der der Fan sich identifizieren kann. Idealerweise sucht man sich einen Trainer aus, der das umsetzen kann und legt mit einem Sportdirektor ein entsprechendes Profil an.

Schneider: Mit der Art des Fußballs in Leipzig kann sich der Fan sicherlich identifizieren

  • … das, was ihn positiv stimmt: Die Jungs haben bewiesen, dass sie gute Fußballer sind. Wir müssen ihnen Vertrauen schenken, damit sie das zeigen können, was möglich ist. Wir wissen alle, wie schnell Erfolgserlebnisse dabei helfen können. Wir reden auf die Jungs ein, das haben wir auch schon getan, um eine andere Stimmung erzeugen zu können.
  • … die Dauer, in der er die Trendwende sehen möchte: Wir legen alles in den Freitag. Es bringt nichts zu sagen, wir müssen das und das in zwei oder drei Spielen zu erreichen.
  • … seine Eindrücke der Mannschaft: Ich war drei oder vier Tage bei der Mannschaft dabei. Ich muss ehrlich sagen, dass in Anbetracht der kritischen Situation ein gutes Miteinander herrscht. Ich glaube nicht, dass Dinge im Wege stehen, eine gute Leistung zu zeigen. Sie sind vielleicht verunsichert, aber wir müssen dabei helfen, diese Verunsicherung zu helfen.
Jochen Schneider will alle Konzentration auf das Spiel am Freitag in Bremen legen. Foto: Ina Fassbender/dpa
Jochen Schneider will alle Konzentration auf das Spiel am Freitag in Bremen legen. Foto: Ina Fassbender/dpa
  • … das Team, ob es die Situation verkennt: Ich der Kabine redet nur der Trainer. Ich glaube nicht, dass die Spieler den Ernst der Lage nicht erkannt haben oder wissen, worum es geht.
  • … die finanzielle Lage auf Schalke und seinen Wohnort: Ich habe mir vorher nicht große Gedanken darüber gemacht, wie die finanzielle Lage ist und mache davon meine Zu- oder Absage abhängig. Und ja, ich habe vor, in der Nähe zu wohnen, weil ich keine Lust habe, täglich eine Stunde im Auto zu sitzen.
  • … Huub Stevens als Retter in der Not: Es macht gar keinen Sinn, auf diese Frage zu antworten. Wir gehen mit dem klaren Plan in die nächsten Spiele, eine Trendwende herbeiführen zu wollen. Alles andere ist nicht zielführend und da bitte ich um Verständnis, nicht über andere Namen zu sprechen.
  • … Widersprüche wegen eines guten Trainers und, dass in der Mannschaft alles intakt ist: Nein, das Miteinander gegen Düsseldorf war nicht gut. Aber nicht umsonst hat die Mannschaft in der vergangenen Saison den zweiten Platz erreicht. Es bringt jetzt nichts, mit den Fingern auf andere Spieler zu zeigen.

Aktuelle S04-Themen:

  • … sein Sitzen während der Spiele und das Verhältnis zu den Fans: Ich werde auf der Tribüne sitzen. Zur zweiten Frage: Das war sicherlich nicht schön für die Spieler nach dem vergangenen Spiel. Aber ich glaube man kann auch den Frust der Fans verstehen, weil es die siebte Heimniederlage war. Die Fans opfern freie Tage, fahren viele Kilometer und zahlen viel Geld, um die Mannschaft spielen zu sehen. Wir müssen es aber nicht überbewerten, wir sind Profis und müssen damit umgehen.
  • … die Art des Fußballs: Ein kluger Trainer lässt immer den Fußball spielen, den er mit dem Kader spielen lassen kann. Die Ergebnisse in der vergangenen Saison haben Domenico Tedesco mehr als Recht gegeben.
  • … das kommende Spiel am Freitag: Andere Konkurrenten hatten zuletzt auch ähnliche Probleme. Manchmal denkt man, es gibt kein Morgen mehr und dann geht es plötzlich. Es ist eine Kopfsache.
  • … Kontakt mit Christian Heidel: Ich habe nicht mit ihm gesprochen und weiß auch nicht, ob ich das machen werde. Mit Axel Schuster habe ich die Tage sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet und es macht sicherlich Sinn, mit ihm eine Übergabe zu machen. Wenn ich Fragen habe, dann rufe ich Christian Heidel an. Wir hatten in der Vergangenheit wegen anderer Transfers öfter guten Kontakt zueinander.