Schalke-Legende Mulder über Aufschwung und Krise

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Youri Mulder spielte selbst auf Schalke und für die Neiderlande. Im Interview mit der WAZ spricht er über Aufschwung und Krise. Foto: dpa

Youri Mulder spielte selbst für Schalke und die Niederlande. Nun spricht er über Aufschwung und Krise. Hier mehr erfahren.

Eurofighter Youri Mulder feierte erst am Samstag (23. März) seinen 50. Geburtstag. Im Interview mit der WAZ spricht der Niederländer nun über den Aufschwung seiner Landsmänner, den Umbruch bei der DFB-Elf und natürlich über Schalke.

Der ehemalige Schalke-Profi ist mittlerweile als TV-Experte in seiner Heimat aktiv. Mit Spannung blickt er auf den Klassiker Deutschland gegen die Niederlande am Sonntag (24. März, 20.45 Uhr/RTL) im Rahmen der Qualifikation zur Europameisterschaft.

Denn das Blatt scheint sich gewendet zu haben. Die ehemals kriselnde Elftal hat sich neu formiert und hat junge, aufstrebende Talente in ihren Reihen.

Im Umfeld der DFB-Elf herrscht jedoch Unruhe, da Bundestrainer Joachim Löw einige verdiente Spieler aussortiert hat. Eine schwierige Situation, wie Mulder findet.

Mulder: Im Fußball geht es unheimlich schnell

Denn noch vor einem Jahr schien die Favoritenrolle klar beim DFB zu liegen. Das habe sich aber nun geändert, wie der Ex-Schalker findet.

„Nach den vielen personellen Veränderungen in der DFB-Elf denke ich aber nicht, dass die Löw-Elf diesmal der Favorit ist", so Mulder.

„Manchmal rafft sich eine ganze Mannschaft an einem einzelnen Spieler auf. Andersherum können genauso in einer guten, funktionierenden Mannschaft einzelne Spieler außer Form geraten."

Im Fußball ginge es eben unheimlich schnell, fügt Mulder gegenüber der WAZ an. Und das hätte vor allem der Trainer der Niederlande, Ronald Koeman, verstanden.

Löw muss den gleichen Schritt wie Koeman machen

„Koeman hatte das Glück, dass er sofort den Schnitt machen durfte, den Löw jetzt machen musste." Denn auch in der Elftal musste man sich von verdienten Spieler wie Sneijder, Robben und Huntelaar (ehemals Schalke) trennen.

Mulder sieht jedoch den holländischen Fußball allgemein, Klubfußball mit einbezogen, auf dem aufsteigenden Ast, wie er der WAZ verrät.

Man habe aus der Krise gelernt und eine neue Generation von Talenten geschmiedet. „Jetzt haben wir nicht nur technisch gute Spieler, sondern auch durchsetzungsfähige." 

Aber Mulder spricht nicht nur über positive Entwicklungen, auch über die aktuelle Krise seines Ex-Vereins Schalke äußert er sich. Für ihn kommt der Absturz nach der Vizemeisterschaft überraschend. 

Mulder erkennt keine Einheit bei Schalke

Vor allem die Transferpolitik sieht der Eurofighter kritisch. Es fehle der rote Faden bei der Kompensierung von Abgängen.

„Nach so vielen Abgängen hätte man sich die grundsätzliche Frage stellen müssen, wie man eine ganz neue Mannschaft formt. Ich erkenne da keine Idee, was da letztendlich als Einheit auf dem Platz stehen sollte", erklärte Mulder der WAZ.

Vor allem eine Sorte Spieler fehlt dem ehemaligen Schalker. „So ein Typ wie Naldo ist nicht mehr da. Solche Kaliber sieht man nicht mehr auf der Einkaufsliste von S04."

Für den erst kürzlich beurlaubten Trainer Domenico Tedesco findet Mulder indes vor allem Worte des Lobes. „Tedesco hat mich menschlich sehr beeindruckt." Für ihn sei Tedesco wie ein Kapitän, der als Letzter von Bord gehe, wenn es brennt, so der 50-Jährige.

Mit Lockerheit zum Klassenerhalt

Für die Schalker Mission Klassenerhalt rät Mulder aber vor allem eins: Lockerheit. Die habe man im Laufe der Krise verloren, da vor allem auf Traditionsklubs ein besonderer Druck in Zeiten der Krise wirke.

Schalke solle ruhig bleiben und einen Schritt nach dem nächsten setzen. „Irgendwann kommt dann das Erfolgserlebnis von ganz allein, sei es ein 0:0, ein Remis, ein Punkt. Hauptsache es geht aufwärts."

Für Mulder ist die Rückkehr seines alten Trainers Huub Stevens an die alte Wirkungsstätte die richtige Lösung für die kriselnden Schalker.

„Schalke braucht Halt. Den gibt Huub den Jungs durch viel Training, in dem man sich das Selbstvertrauen zurückholt," so der Eurofighter gegenüber der WAZ .

Dass Huub Stevens vor allem auf Disziplin setzt, zeigt eine Anekdote, die Mulder im Interview teilt. „Unter Huub wurde Disziplin groß geschrieben. Der wollte in einer Woche alle in blau sehen, die andere in weiß. Alle sollten einheitlich aussehen."

Mulder, der nach eigener Aussage damals seine Hemden selbst wusch, kam mit dem falschen Hemd zum Training - und musste prompt eine Geldstrafe zahlen. Stevens führt also mit harter Hand, die zuletzt bereits Nabil Bentaleb zu spüren bekam.

Auf Schalke scheint wieder Ruhe eingekehrt zu sein. Darauf darf man sich aber nicht ausruhen. Schalke-Vorstand Alexander Jobst trat deshalb erst kürzlich auf die Euphorie-Bremse.