Ex-Schalke-Manager über Sparpläne

Christian Heidel warnt S04-Bosse: "Dann wird man keine Chance mehr haben"

Der Ex-S04-Manager Christian Heidel sieht eine Ausgliederung beim FC Schalke 04 als Chance. Den aktuellen Weg der Königsblauen betrachtet er kritisch.

  • Christian Heidel ist ein Befürworter einer Ausgliederung beim FC Schalke 04.
  • Der Ex-S04-Manager sieht die Schalke-Bosse aber nicht auf dem richtigen Weg.
  • Die Fans der Königsblauen kritisiert er für ihre hohen Erwartungen.

Gelsenkirchen - Fast drei Jahre lang war Christian Heidel (57) als Manager für den FC Schalke 04 tätig. Zuletzt wurde es still um den 57-Jährigen. Christian Heidel erlitt 2019 einen Schlaganfall, ist nun aber wieder fit und bereit für neue Aufgaben.

Name

Christian Heidel

Geboren

2. Juni 1963 (Alter 57 Jahre), Mainz

Manager-Laufbahn

FSV Mainz 05 (1992-2016), FC Schalke 04 (2016-2019)

Christian Heidel feierte mit dem FC Schalke 04 die Vizemeisterschaft

In seiner Ära auf Schalke wurden die Königsblauen in der Saison 2017/18 Vizemeister in der Bundesliga. Allerdings wurde der FC Schalke 04 während der Amtszeit des Managers auch einmal Tabellenzehnter und in der Saison 2018/19, als Christian Heidel im März durch Jochen Schneider ersetzt wurde, kamen die Blau-Weißen nicht über den 14. Tabellenplatz hinaus. Doch auch unter dem neuen Sportvorstand fand S04 zunächst nicht in die Spur und wurde in der abgelaufenen Saison lediglich Tabellenzwölfter.

Im Interview mit Sport1 erklärt Christian Heidel, dass er "bis heute eine sehr tiefe emotionale Bindung und viele Kontakte" zum S04 hat. 

S04: Christian Heidel spricht von einer "außerordentlichen Verletzungsmisere"

Der 57-Jährige nennt aus seiner Sicht die Gründe für die aktuelle Misere beim FC Schalke 04: "Leider hatte David (Wagner, Anm. d. Red.) das gleiche Pech wie Domenico Tedesco. Diese Verletzungsmisere ist schon außerordentlich", so der ehemalige S04-Manager, der weiter ausführte: "Dass man nicht ein einziges Spiel gewonnen hat, ist dann natürlich brutal. Das muss aus den Köpfen raus. Man muss das jetzt in Ruhe analysieren."

Laut Meinung des Ex-Managers sei der Job bei Schalke, das sich zuletzt den Spott des VfL Bochum gefallen lassen musste, eine der schwierigsten Aufgaben in der Bundesliga: "Unglaublich viele Menschen interessieren sich für diesen Verein. Und man geht einfach davon aus, der Erfolg von früher müsse auch heute da sein. Diese Welle ist schon enorm. Das ist schwierig auf Schalke zu steuern."

Christian Heidel sieht die Erwartungshaltung der Schalke-Fans kritisch.

Daher könne Christian Heidel auch verstehen, warum die Fans beim Thema Ausgliederung auf die Barrikaden gehen. Erste Pläne dafür soll es sogar bereits geben, der FC Schalke 04 könnte zu einer eingetragenen Genossenschaft werden

Christian Heidel kritisiert die Schalke-Fans für ihre Ansprüche und Erwartungen

Allerdings warnt Christian Heidel die Fans des S04 auch davor, sich einer Ausgliederung komplett zu verwehren und trotzdem Ansprüche wie das Erreichen der Champions League zu stellen. "Es gibt auch Leute die sagen 'ich spiele lieber in der zweiten oder dritten Liga, bevor ich einer Ausgliederung zustimme'. Oft sind das aber auch die gleichen, die nach dem dritten verlorenen Spiel pfeifen. Wenn man dann auf fehlende Mittel hinweist, tätig zu werden, ist das wiederum auch egal", so der 57-Jährige.

Christian Heidel führt als Beispiele die derzeitigen Bundesliga-Topklubs wie den FC Bayern München, Borussia Dortmund und RB Leipzig an. "Die genannten Klubs haben Anteile verkauft, Eigenkapital generiert, wohingegen Schalke keine andere Wahl hatte, als Fremdkapital zu generieren und Verbindlichkeiten, sprich Schulden zu machen", sagt Christian Heidel. 

Christian Heidel befürchtet die Gefahr eines kompletten Absturzes des S04

Eine komplette Fokussierung auf die Reduzierung des Schuldenstands beim FC Schalke 04 hält Christian Heidel aber für nicht richtig: "Wenn man jetzt sagt, man darf gar keine Schulden machen, ist man noch weiter hinten dran und wird keine Chance mehr haben. Auf Schalke kannst du dir mit einer Grotten-Saison alles kaputt machen. Dann ist diese Wucht einfach nicht mehr zu bremsen. Da besteht immer die Gefahr, ganz abzustürzen." 

Eine Möglichkeit sind natürlich Spielerverkäufe. So bekommt der S04 für den Transfer von Breel Embolo zu Borussia Mönchengladbach noch eine Nachzahlung.

Letztlich dürfe der FC Schalke 04 (alle S04-Artikel auf RUHR24.de) laut Christian Heidel seine Werte aber nicht komplett verkaufen. Der ehemalige S04-Manager sagt: "Klar ist auch, dass es den Chinesen mit dem Koffer auf Schalke nicht geben sollte. Schalke muss Schalke bleiben. Ich würde es wahnsinnig bedauern, wenn der Klub diesen besonderen Flair verlieren würde. Auch wenn man vielleicht neue Wege gehen muss, ist es wichtig, dass das Vereins-Leitbild weiter bleibt."

Ein neuer Weg wurde am Freitag (3. Juli) bestritten. Da gab Schalke einen Millionen-Deal durch einen neuen Ärmelsponsor bekannt. Damit könnte wieder ein bisschen Geld an die klammen "Knappen" fließen.

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