Kommentar

Schalke-Spieler weinen bittere Tränen: Die bloße Identifikation reicht nicht aus

Der FC Schalke 04 ist aus dem DFB-Pokal ausgeschieden und schlittert in Richtung Bundesliga-Abstieg. Der S04 zeigt Moral, aber das alleine reicht nicht. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen – Der FC Schalke 04 durchlebt turbulente Wochen. In der Bundesliga ist der S04 dem Abstieg nah, aus dem DFB-Pokal ist der S04 nach dem 0:1 beim VfL Wolfsburg ausgeschieden. Nicht nur für die Fans ist die Situation eine enorme Belastung, auch für die Spieler. Sie hängen sich voll rein, müssen aber mehr leisten, meint RUHR24-Redakteur Marcel Witte.

VereinFC Schalke 04
TrainerChristian Gross
StadionVeltins-Arena
Kapazität62.271 Zuschauer
OrtGelsenkirchen

FC Schalke 04: Spieler des S04 mit ihren Nerven am Ende

Das zeigten die vielen gesenkten Köpfe nach dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal bei den Königsblauen. Zuletzt packte ein Schalke-Insider aus, dass die Spieler mit den Nerven am Ende sind. Das ist kein Wunder, stand der S04 doch mit 30 Bundesliga-Spielen in Folge ohne Sieg kurz davor, einen neuen Negativrekord aufzustellen. Dann folgte das 4:0 gegen Hoffenheim.

Ein weiterer Sieg gelang den „Knappen“ seitdem jedoch bislang nicht. Stattdessen kommen immer wieder Probleme zum Vorschein. Mittendrin dabei: Amine Harit (23), dessen Abgang vom FC Schalke 04 wohl in letzter Minute scheiterte.

FC Schalke 04: Amine Harit als Sinnbild für die Situation des S04

Der Marokkaner wurde im November 2020 suspendiert, in Bremen fiel Amine Harit beim S04 mit einer Frust-Reaktion auf. Bei seiner Auswechslung würdigte er Coach Christian Gross (66) keines Blickes und warf ihm quasi die Handschuhe vor die Füße. Doch die Probleme seien ausgesprochen, sagte der Trainer am Dienstag (2. Februar) auf der PK vor dem Pokalspiel in Wolfsburg.

Dabei zeigte der Offensivkünstler in Bremen sogar eine ordentliche Vorstellung und war mit seiner Vorlage maßgeblich am Tor zur 1:0-Führung beteiligt. Auch im DFB-Pokal-Spiel war Amine Harit einer der besseren Spieler, wie die Einzelkritik des S04 gegen den VfL Wolfsburg beweist.

Amine Harit (l.) war nach der Pleite des FC Schalke 04 in Wolfsburg im DFB-Pokal den Tränen nahe und wurde von Co-Trainer Naldo getröstet.

Die Reaktion nach seiner Auswechslung wurde zum Teil sehr negativ bewertet. Nicht komplett unberechtigt, zeigte Amine Harit doch schon einmal eine beleidigte Reaktion, nachdem er von Manuel Baum (41) ausgewechselt wurde. Daraufhin folgte die Suspendierung.

FC Schalke 04: Amine Harit, Sead Kolasinac und Timo Becker beim S04 den Tränen nahe

Doch letztlich zeigen die Reaktionen auch: Amine Harit möchte auf dem Feld alles geben, damit der FC Schalke 04 einen Sieg einfährt. Genauso wie beispielsweise seine Teamkollegen Sead Kolasinac (27) und Ralf Fährmann (32) – königsblaue Identifikationsfiguren.

Nach der Pleite in Wolfsburg war Amine Harit den Tränen nahe und vergrub sein Gesicht in seinem Trikot. Co-Trainer Naldo (38) musste den Offensivkünstler trösten. Anschließend schrieb er via Twitter: „Wenn die Dinge am Schlimmsten sind und nichts mehr funktioniert... vertraue darauf, dass dich das eines Tages nur stärker machen wird.“ Auch die Mienen von Sead Kolasinac und Timo Becker (23) schienen sehr getrübt.

0:1-Niederlage, 6:17-Torschüsse – die Statistik spricht zwar eine deutliche Sprache, aber der S04 war gar nicht so weit entfernt davon, zumindest den Ausgleich in Wolfsburg zu schießen. Die Pleite offenbart eines der vielen Probleme des FC Schalke 04: die Chancenverwertung. Mark Uth (29) und Matthew Hoppe (19) nutzten beste Gelegenheiten nicht.

FC Schalke 04: Dem S04 fehlte mal wieder die nötige Chancenverwertung

Der S04 kämpfte, hatte mit 54:46-Prozent die bessere Zweikampfquote. „Wir wollen euch kämpfen sehen“ lautet ein bekannter Fangesang auf Schalke. Spielerisch klappt es in dieser Saison wenig bis überhaupt nicht bei den Königsblauen, sie agieren zwar nach dem Schlachtruf-Motto und gaben sich auch in Wolfsburg nicht auf. Doch das alleine reicht einfach nicht für die „Knappen“, um mal wieder einen Sieg einzufahren.

Gegen Werder Bremen fehlte Schalke die nötige Chancenverwertung, jetzt gegen Wolfsburg wieder. Auch gegen den FC Bayern hätte sich der S04 besser verkaufen können, als mit einem 0:4 vom Platz zu gehen. Am Ende können sich die Königsblauen davon aber nichts kaufen, ausschließlich Ergebnisse zählen.

Auch Schalke-Trainer Christian Gross wirkt dieser Tage zunehmend verzweifelt.

15 Spiele bleiben dem FC Schalke 04 noch, um den aktuellen Rückstand von neun Punkten auf das rettende Ufer in der Bundesliga wettzumachen. Die Möglichkeit, über den DFB-Pokal die Saison ansatzweise zu retten, hat der S04 nun vergeben.

FC Schalke 04: Ralf Fährmann will sich mit dem S04 das Glück erarbeiten

Doch das Mittel, um in der Liga den Bock umzustoßen, haben die Königsblauen. „Du kannst rumheulen und dich verkriechen, oder du machst weiter und versuchst, dir das Glück zu erarbeiten“, sagte Keeper Ralf Fährmann nach dem Spiel bei Sky.

Vielleicht hilft ja Klaas-Jan Huntelaar (37) künftig als ausgewiesener Torjäger, um die guten Chancen zu nutzen. Stellt sich nun nur noch die Frage, wie viele Möglichkeiten der S04 wohl in den kommenden beiden Heimspielen gegen RB Leipzig und den BVB bekommt. Der Abstieg rückt immer näher.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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