„Menschen sind wichtiger“

Schalke rechnet mit „historischem“ WM-Fehler ab und setzt den DFB unter Druck

Kurz vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar positioniert sich Schalke 04 deutlich zum Turnier und nimmt auch den DFB in die Pflicht.

Gelsenkirchen – Am Sonntag (20. November, 17 Uhr) eröffnen Katar und Ecuador das wohl umstrittenste Fußballturnier aller Zeiten: die Weltmeisterschaft 2022. Der FC Schalke 04 hat zum Wettbewerb in der Wüste ein klares Statement veröffentlicht. Die Berichterstattung zu den Spielen wird der Verein auf ein Minimum reduzieren.

Schalke 04 bezeichnet WM-Vergabe an Katar als „historischen Fehler“

Unter dem Titel #MenschenSindWichtiger lässt der S04 kein gutes Haar an der bevorstehenden WM. Gleich zu Beginn des Statements nennt Königsblau die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft an Katar einen „historischen Fehler in der Geschichte des Fußballs“.

Es sei „bitter und unverständlich“, dass insbesondere die Menschenrechte im Gastgeberland bei dem Bewerbungsprozess keine Rolle gespielt hätten. „Es widerspricht dem Herzstück des Schalker Leitbilds“, schreibt der S04 dazu.

Schalke werde in den kommenden Wochen daher lediglich „kurz und nachrichtlich“ über die Spiele von Maya Yoshida – Schalkes einzigem WM-Fahrer – berichten und dem Turnier ansonsten keine weitere Bühne in den Vereinsmedien geben. Zudem wenden sich die Gelsenkirchener mit einer Forderung an den DFB.

Schalke 04 solidarisiert sich mit Unterdrückten in Katar: „Menschen sind wichtiger als die WM“

Man wünsche der deutschen Nationalmannschaft zwar ein erfolgreiches Turnier, gleichzeitig appelliere man aber an den DFB, „dass der Verband die während des Turniers vorhandene Öffentlichkeit sinnvoll einsetzt.“ Der S04 selbst will sich in der langen Pause anderen Themen widmen, die man für „unterstützenswerter als die Weltmeisterschaft“ hält.

Auch die S04-Fans haben eine klare Meinung zur WM in Katar.

In den Blickpunkt sollen etwa Aktionstage für Gewalt gegen Frauen, das Thema Nachhaltigkeit, das Mitwirken am eingetragenen Verein, die eigenen Nachwuchs- und Frauen-Abteilungen und der Schutz von Kindern im Fußball gerückt werden. Abschließend solidarisiert sich Schalke mit den unterdrückten Menschen in Katar. Das Statement endet mit den Worten: „Denn Menschen sind wichtiger als die WM.“

Kritik am Skandal-Turnier in Katar gibt es gewiss nicht nur wegen der defizitären Menschenrechtssituation im Emirat. Die WM ist auch begleitet von Korruptionsvorwürfen und Stimmenkauf bei der Vergabe. Der Wüstenstaat besitzt keinerlei Fußball-Tradition, zudem musste die WM aufgrund der Hitze im Sommer erstmals überhaupt ans Jahresende gelegt werden.

Korruption, Umweltverschmutzung, tote Arbeiter: WM in Katar aus vielen Gründen umstritten

Dass es trotz des ungewöhnlichen Termins noch klimatisierter Stadien inmitten einer Wüste bedarf, ruft wiederum Umweltschützer auf den Plan, die scharfe Kritik an der daraus resultierenden Umweltverschmutzung in Zeiten des Klimawandels üben.

Als wäre das nicht genug, sind beim Bau dieser klimaschädlichen Stadien tausende Arbeitsmigranten ums Leben gekommen. Die zahlreichen Todesfälle wurden nur unzureichend aufgeklärt, zum Teil hat die Regierung Katars sie nicht einmal anerkannt (mehr News zur WM bei RUHR24).

Beim Bau der Stadien in Katar sind etliche Arbeiter ums Leben gekommen.

BVB-Ikone Kevin Großkreutz verzichtet in seinem Dortmunder Restaurant „Mit Schmackes“ auf die Übertragung der WM-Spiele. Die Gründe dafür „lägen auf der Hand“. Dass selbst Schalkes größter Erzrivale mit dem S04 in diesem Punkt komplett einer Meinung ist, ist schon beinahe Beleg genug, wie fragwürdig das Stattfinden der Fußball-WM unter diesen Umständen ist.

Rubriklistenbild: © Joerg Boethling/Imago

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