Kommentar

Schalke 04 mit neuem Vorstand: S04 verliert jetzt völlig die Emotionen

Binnen eines Jahres hat der FC Schalke 04 seinen Vorstand und Führungspositionen im Aufsichtsrat ausgetauscht. Es ist sehr ruhig beim S04 geworden. Das könnte gefährlich werden. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen – Was wäre der FC Schalke 04 ohne seine Emotionalität? Der Klub würde nicht so enorm polarisieren, die öffentliche Aufmerksamkeit würde schwinden. Das kann eine Gefahr sein, kommentiert RUHR24-Redakteur Marcel Witte.

VereinFC Schalke 04
Gründung4. Mai 1904, Gelsenkirchen
AufsichtsratsvorsitzenderAxel Hefer, Stellvertreter: Moritz Dörnemann
VorstandBernd Schröder (Strategie, Kommunikation, Marketing, Vertrieb), Peter Knäbel (Sport), Christina Rühl-Hamers (Finanzen, Personal, Recht)

FC Schalke 04 mit neuem Vorstand: S04 verliert jetzt komplett die Emotionen

Bernd Schröder ist ab 1. Januar 2022 der neue Vorstandsvorsitzende des S04. Mit ihm ist der Vorstand nach dem Ende der Amtszeit von Alexander Jobst als Marketingchef wieder komplett und wurde dahingehend umstrukturiert, dass es jetzt einen führenden Kopf gibt.

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Axel Hefer hatte diese Umstrukturierung forciert und jetzt zum Abschluss gebracht. Er sagt in der Klubmitteilung dazu: „Neben den sportlichen und wirtschaftlichen Planungen werden wir einen besonderen Fokus auf den eigentlichen Kern des Vereins, seinen Sinn und Zweck legen und eine nachhaltige sowie werteorientierte Strategie entwickeln.“

FC Schalke 04: Die öffentliche Aufmerksamkeit geht jetzt flöten

Eine sinnvolle Entscheidung, schließlich wolle Axel Hefer beim FC Schalke 04 auch Antworten auf Fragen wie etwa „Wie kann der Club seiner sozialen Verantwortung in einer strukturschwachen Region gerecht werden?“ erörtern. Zum Kern gehörten beim S04 seit vielen Jahrzehnten aber auch immer die Emotionen. Nicht nur bei den Fans, sondern auch auf den Führungspositionen.

Präsident Günter Eichberg, der „Sonnenkönig“, Manager Rudi Assauer oder der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies, alle hatten sie eines gemeinsam: ihre Emotionalität. Das war nicht immer gut für den Verein, brachte dem Klub aber dennoch öffentliche Aufmerksamkeit. Schalke 04 war in den Schlagzeilen, wenngleich nicht immer positiv.

Moritz Dörnemann (l.), Bernd Schröder (m.) und Axel Hefer (v.l.) gehören zu den Führungspersönlichkeiten beim FC Schalke 04.

FC Schalke 04: Ruhig und besonnen statt laut und polarisierend

Laut und polarisierend, der FC Schalke 04 wurde stets mit einer hohen Emotionalität verbunden. Doch binnen eines Jahres erfolgte bei den Königsblauen jetzt die komplette Wandlung, Ruhe und Besonnenheit ist das neue Stichwort. Peter Knäbel, Christina Rühl-Hamers, Axel Hefer und der neue Vorstandsvorsitzende Bernd Schröder stehen nicht dafür, in der Öffentlichkeit Phrasen zu dreschen.

Stattdessen arbeiten sie lieber ohne die große öffentliche Aufmerksamkeit. Während Clemens Tönnies nahezu wöchentlich in den Medien auftauchte, verzichtet Axel Hefer komplett auf Statements. Wenn überhaupt, dann spricht er mit den eigenen Klubmedien. In der Öffentlichkeit findet der FC Schalke 04 jetzt weniger statt. Trainer Dimitrios Grammozis gilt darüber hinaus auch nicht als Lautsprecher.

FC Schalke 04 ohne große Namen: Die Ruhe ist aber auch eine Chance für den S04

Nach dem Abstieg aus der Bundesliga ist es in Gelsenkirchen spürbar ruhiger geworden. Skandale sollen der Vergangenheit angehören, polarisierende Persönlichkeiten, wie auch manch ein Spieler, wurden ausgetauscht. Große Namen gibt es nicht mehr. Manch ein Fan dürfte sich fragen, ob das noch „sein“ Schalke sei.

Ebenfalls im Vorstand des FC Schalke 04: Christina Rühl-Hamers (l.) und Peter Knäbel.

Doch es gibt auch Hoffnung: Die neue Ruhe kann eine Chance für den Wiederaufbau sein. „In der Ruhe liegt die Kraft“, lautet das Motto. Ohne Skandale, ohne Hektik und mit viel Besonnenheit. Womöglich ist es genau das, was der FC Schalke 04 jetzt braucht. Personen, die sich auf ihre Arbeit konzentrieren und nicht nach Aufmerksamkeit haschen.

FC Schalke 04: Mit dem Erfolg kehrt auch die öffentliche Aufmerksamkeit zurück

Führt die Arbeit zu Erfolg, im Falle des S04 wäre das der zeitnahe Bundesliga-Wiederaufstieg, kehrt auch die öffentliche Aufmerksamkeit zurück. Denn dann heißen die Ziele nicht mehr Sandhausen, Heidenheim oder Ingolstadt, sondern München, Berlin oder Dortmund.

Tritt aber das Gegenteil ein, könnte ein Traditionsverein von der Bildfläche verschwinden. Bei Misserfolg wären die Emotionen auf Schalke zwar ebenfalls schnell wieder da – doch ob die ruhigen neuen Macher beim S04 dieses Donnerwetter aushalten würden, bleibt fraglich.

FC Schalke 04: Emotionalität darf nicht bei den Fans verloren gehen

Dem S04 droht die Tristesse. Das, was den Verein seit Jahren ausmachte, geht verloren. Der FC Schalke 04 muss aufpassen, dass die Emotionalität nicht auch in der Anhängerschaft verloren geht. Denn das wäre der sichere Untergang der Blau-Weißen. Eine schnelle Rückkehr in die Bundesliga dürfte ein wesentlicher Faktor für die Zukunft sein.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Tim Rehbein/RHR-FOTO

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