Ein Kommentar

90 Minuten große PK auf Schalke: Viel Rauch um Nichts

Auf Knaller-Meldungen wartete man bei der großen, 90-minütigen Pressekonferenz von Schalke 04 vergeblich. Sie war trotzdem ein wichtiger Schritt. Ein Kommentar.

  • Am Mittwochmorgen fand die mit Spannung erwartete Analyse-PK beim FC Schalke 04 statt.
  • In den Katakomben der Veltins-Arena nahmen Sportvorstand Jochen Schneider, Marketingvorstand Alexander Jobst und Trainer David Wagner Platz.
  • Obwohl die Pressekonferenz über weite Strecken inhaltsleer und unkonkret blieb, erkennt RUHR24-Redakteur Christian Keiter einen ersten Schritt in die richtige Richtung.

Gelsenkirchen - Der FC Schalke 04 musste einfach eine große Pressekonferenz abhalten. Zu viel war in den vergangenen Wochen vorgefallen, nicht nur auf dem Platz. Am Mittwoch (1. Juli) war es dann soweit. 90 Minuten lang standen Marketingvorstand Alexander Jobst (46), Trainer David Wagner (48) und Sportvorstand Jochen Schneider (49) mehr Rede denn Antwort.

FC Schalke 04: Neue Erkenntnisse brachte die S04-PK kaum zu Tage

Den Anfang machte Alexander Jobst, der sich zunächst für die Fehltritte der vergangenen Wochen und Monate (Ticketrückerstattung, Härtefallantrag, Entlassung der Knappenschmiede-Fahrer) entschuldigte. Seine Worte wirkten aufrichtig - und sollten das Highlight des aufgrund eines Staus auf der A2 mit 30 Minuten Verzögerung beginnenden Mediengesprächs bleiben.

Was folgte, waren vage Aussagen, bereits mehrfach vorgetragene Argumente und mehr oder weniger souveräne Ausweichmanöver. Die von der Süddeutschen Zeitung exklusiv vermeldete Gehaltsobergrenze wurde zwar nicht direkt verifiziert. Dass Jochen Schneider seinen Eindruck kundtat, auf Schalke hätte man zuletzt "sehr gut verdient", kam einer Bestätigung dennoch näher als so manch ein Stürmer einem Torerfolg nach der Corona-Pause.

FC Schalke 04: Alexander Jobst beruft sich beim Thema Landesbürgschaft auf Geheimhaltungspflicht

Ähnlich deuten ließen sich auch die Aussagen von Alexander Jobst hinsichtlich des zuerst vom Handelsblatt aufgedeckten Vorhabens, dass das Land NRW eine Bürgschaft für einen neuen Kredit jenseits der 30 Millionen Euro übernimmt. Der S04-Marketingvorstand berief sich pflichtbewusst auf die Geheimhaltungspflicht. Würden die Berichte nicht stimmen, hätte er sie mit einem einfachen "Nein" vom Tisch kehren können.

Etwaige Sorgen um das Fortbestehen des Vereins, wie sie noch im März bewusst hervorgerufen wurden, haben sich indes in Zuversicht gewandelt. Neben der Ausschüttung der TV-Gelder betonte Jobst in diesem Zusammenhang zudem die Treue der langjährigen Sponsoren und Partner. Wirklich überraschend ist auch diese Kundgabe nicht gewesen.

So weit, so wenig Konkretes. Also rein in die zweite Halbzeit der großen Pressekonferenz von Schalke 04, wo die Aufarbeitung der vergangenen Spielzeit aus sportlicher Perspektive in den Vordergrund gerückt werden sollte. Wirklich viel Neues hatte der S04 in Persona Jochen Schneider und David Wagner allerdings auch hier nicht zu vermelden.

Unter strengen Corona-Regeln fand die Schalke-PK im Medienzentrum der Veltins-Arena statt.

FC Schalke 04 analysiert die Saison: Verletzte, Verletzte, Verletzte und zwei neue Trainer

Der S04 habe zwei Gesichter gezeigt, der Trubel um Alexander Nübel (23) habe allen Parteien geschadet, das Transferfenster im Januar sei kein gutes gewesen und es habe viele Verletzte gegeben. All das ist richtig, aber eben bereits mehrfach betont worden.

Es ehrt David Wagner, dass er für einen Großteil dieser Umstände demütig die Verantwortung übernimmt. Er belehrt damit auch viele Kritiker aus den sozialen Netzwerken und anderen Foren eines besseren, die dem 48-Jährigen fehlende Selbstreflexion vorwerfen (alle S04-Artikel auf RUHR24.de).

Zu seiner Verteidigung: Dass die Mannschaft schon unmittelbar vor, aber besonders nach der Corona-Pause regelmäßig wie Falschgeld über den Platz irrte und haarsträubende Fehler am Fließband produzierte, kann gewiss nicht nur in der Verantwortung des Trainers gelegen haben. Sicher weiß das auch Jochen Schneider, weswegen er seinem Coach einmal mehr eine Jobgarantie für die kommende Saison aussprach.

Aus sportlicher Perspektive ergeben sich daraus mit Blick auf die kommende Saison besonders zwei Konsequenzen. Die Athletiktrainer Klaus Luisser (43) und Bob Schoos (37) werden durch den "Magath-Schleifer" Werner Leuthard (58) und Quirin Löppert (33) von Borussia Mönchengladbach ersetzt. Die vielen Verletzungen werden offenbar nicht nur auf bloßes Pech zurückgeführt.

FC Schalke 04: Pressekonferenz ist wenig ertragreich und lässt doch hoffen

Außerdem soll die Knappenschmiede eine noch größere Rolle am Berger Feld spielen. Das ließ sich angesichts der vielen Verpflichtungen (Kerim Calhanoglu, Elias Kurt, Luca Campanile, Daniel Rose) in den zurückliegenden Wochen bereits erahnen, wurde nun aber auch konkret ausgesprochen. Einmal mehr hofft der FC Schalke 04 darauf, dass Norbert Elgert (63) junge Talente zu Spielern mit Bundesliga-Niveau formt. Ein alternativloser Weg - besonders angesichts der verschärften finanziellen Situation.

Auf große Knaller-Meldungen wartete man am Mittwochmorgen vergeblich. Was nach 90 Minuten Pressekonferenz bleibt, ist der leise Eindruck, dass Königsblau die "Stunde Null" mit den Rücktritten von Peter Peters (58) und Clemens Tönnies (64) nutzt und die richtigen Weichen Richtung Zukunft stellt.

Die Zeiten des blinden Aktionismus, in denen ein Trainerrauswurf auf den nächsten folgte scheinen genauso vorbei, wie unüberlegte und exklusiv über den Axel Springer Verlag verkündete Wasserstandsmeldungen. Apropos: Marc Siekmann, zuvor S04-Reporter für BILD, lieferte allen Vorbehalten bei seiner Einstellung zum Trotz ein souveränes Debüt als Moderator auf dem Podium ab.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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