Nach dem XXL-Umbruch im Sommer

Schalke 04: Im Transfer-Check schlagen zwei Neuzugänge besonders gut ein

Die 2. Liga pausiert. Zeit, um ein Fazit zu ziehen. Wie fallen beim FC Schalke 04 die Bewertungen der Neuzugänge aus?

Gelsenkirchen – Während 31 Spieler gegangen sind, stehen diese Saison 16 neue Spieler im Kader des FC Schalke 04. Nach dem Bundesliga-Abstieg mussten die „Knappen“ vor allem aus monetären Gründen einen XXL-Umbruch vollziehen. Wie gut ist dieser gelungen?

VereinFC Schalke 04
Gründung4. Mai 1904, Gelsenkirchen
Arena/StadionVeltins-Arena
TrainerDimitrios Grammozis
Liga2. Fußball-Bundesliga

Transfer-Check auf Schalke: Fünf Neuzugänge überzeugen bislang beim S04

Fakt ist, dass die Königsblauen ihren Kader weiter umbauen wollen. Für den Januar steht ein Trio auf der Streichliste des S04. Im Gegenzug sucht der FC Schalke 04 nicht nur für den Sturm nach Neuzugängen. Sportdirektor Rouven Schröder hat mit beiden defensiven Außenbahnen sogar noch zwei weitere Positionen im Sinn, die verstärkt werden sollten.

Wie aber fällt der Transfer-Check für die Profis aus, die schon da sind? Zwei Kicker haben voll eingeschlagen. Aber neben den Tops und ein paar Spielern, die noch Luft nach oben haben, gibt es auch Flops. RUHR24 zieht ein Zwischenfazit.

Transfer-Check auf Schalke: Thomas Ouwejan und Simon Terodde zwei Volltreffer für S04

Thomas Ouwejan: Der 25-Jährige zählte zu den besten Spielern der gesamten 2. Liga in der Hinrunde. Drei Tore und sieben Vorlagen sind Ausdruck dessen, aber nicht nur.

Der von AZ Alkmaar ausgeliehene Niederländer besticht durch starke Lauf- und Sprintwerte. Darüber hinaus ist jede Flanke aus dem Spiel heraus oder bei Freistößen und Eckbällen für die Gegner des FC Schalke 04 brandgefährlich.

Bis auf drei Minuten stand der offensivstarke Linksverteidiger jede Sekunde auf dem Platz. Kein Wunder, dass der S04 Thomas Ouwejan selbst beim Nicht-Aufstieg fest verpflichten will.

Simon Terodde: Der Königstransfer im vergangenen Sommer. Der 33-Jährige hat es im Laufe der Hinrunde tatsächlich geschafft, neuer Rekordschütze der 2. Liga zu werden. Mit insgesamt 154 Toren thront der Stürmer nun vor Dieter Schatzschneider (153). Einzig zwischen dem 15. Oktober und 7. November blieb der königsblaue Knipser in vier Partien ohne Tor-Beteiligung.

Bitter: Seit dem 27. November fehlt Simon Terodde dem FC Schalke 04 verletzt. Doch bis dahin hat der gebürtige Bocholter es geschafft, 12 Tore und 2 Vorlagen in 14 Spielen beizusteuern.

Die Neuzugänge Thomas Ouwejan und Simon Terodde haben beim FC Schalke 04 voll eingeschlagen.

Transfer-Check auf Schalke: Ko Itakura und Rodrigo Zalazar zwei sehr gute Neuzugänge für S04

Ko Itakura: Unter schwierigen Bedingungen kann der FC Schalke 04 ihn im Sommer fest verpflichten – und wird alles daran setzen. Denn der japanische Nationalspieler überzeugt als Abwehr-Chef der Königsblauen. Steigt der S04 in die Bundesliga wieder auf, besteht die Möglichkeit, eine Kaufoption zu ziehen. Dann müssten aber satte 4,5 Millionen Euro nach Manchester City fließen.

Nach einem rabenschwarzen Debüt in Regensburg schwang sich Ko Itakura zur unverzichtbaren Größe in der Defensive auf. Die sehr guten Leistungen wurden mit insgesamt zwei Toren am 17. und 18. Spieltag belohnt. Die Leihgabe überzeugt sowohl mit sehr feiner Technik, ruhiger Ausstrahlung selbst in Drucksituationen sowie kompromissloser Zweikampfführung.

Rodrigo Zalazar: Offiziell ist der quirlige Spielmacher von Eintracht Frankfurt nur ausgeliehen. Doch ganz gleich, wie die Saison für die Königsblauen ausgeht: Der in Spanien geborene Uruguayer wird einen festen Vertrag erhalten, der bis Sommer 2026 gültig ist.

Lange Zeit hatte der 22-Jährige zu Beginn seiner S04-Zeit das Problem, überall auf dem Platz gleichzeitig sein und helfen zu wollen. Noch dazu waren Abschlüsse und Zuspiele teils zu ungenau und sorgten für Kopfschütteln. Doch nach zwei Bank-Plätzen am 13. und 14. Spieltag zählte Schalkes Nummer 10 zu den besten Akteuren bis zur Winterpause. Das dokumentieren nicht nur zwei Tore und zwei Vorlagen in den letzten fünf Spielen in 2021. Er kann in Spielen den Unterschied ausmachen.

Transfer-Check auf Schalke: Marius Bülter und Marcin Kaminski zwei gute Neuzugänge für den S04

Marius Bülter: Mit 800.000 Euro war der 28-Jährige der teuerste Neuzugang in der vergangenen Transferperiode – und sein Geld komplett wert. Dem Neuzugang von Union Berlin gelangen sechs Tore und sieben Vorlagen in 16 Liga-Spielen, noch dazu jeweils ein Tor in beiden Pokalspielen.

Allerdings muss der umtriebige Stürmer noch an seiner Konstanz arbeiten. In vielen Spielen bleibt er (lange) unsichtbar und/oder komplett ohne Ertrag. Dass es auch anders laufen kann, hat das Spiel gegen den SV Sandhausen (5:2) gezeigt: 64 Minuten lang war praktisch nichts von ihm zu sehen. 20 starke Minuten reichten dann aber für zwei Tore und zwei Vorlagen.

Ko Itakura (oben) und Rodrigo Zalazar (2.v.r.) sind für den FC Schalke 04 absolute Verstärkungen.

Marcin Kaminski: Der ablösefreie Sommer-Neuzugang vom VfB Stuttgart ist der stille Star beim FC Schalke 04. Marcin Kaminski verpasste als einziger Spieler keine einzige Sekunde in den ersten 18 Spielen. Der Innenverteidiger erinnert mit seiner Spielweise etwas an Matija Nastasic und Joel Matip. Zum einen ist er Linksfuß, zum anderen spielt er unspektakulär. Fällt hier und da mit einer für einen langen Abwehrspieler verhältnismäßig feinen Technik auf.

Der 29-Jährige erzielte zwei Tore und bereitete einen weiteren Treffer vor. Zudem sah er nur dreimal die Gelbe Karte. Der Dauerbrenner ist aus der Abwehr des S04 nicht mehr wegzudenken.

Transfer-Check auf Schalke: Darko Churlinov und Victor Palsson bringen S04 verschiedene Elemente

Darko Churlinov: Sind die Fesseln jetzt gelöst? Die Leihgabe des VfB Stuttgart durfte in den letzten beiden Spielen des Jahres endlich in der Offensive wirken – und überzeugte dabei mit seinen erfrischenden Dribblings. Kann der nordmazedonische Nationalspieler diese Form halten, dann wird er auch zu einem guten Neuzugang. So reicht es zumindest dazu, dass er eine vielversprechende Verstärkung ist.

Zuvor musste der 21-Jährige entweder wegen einer Schulterverletzung passen oder aber wegen personeller Probleme hinten rechts beim S04 aushelfen. Der Fluch des polyvalenten Spielers. Insgesamt stehen bislang nur acht Spiele (ein Tor, zwei Vorlagen) zu Buche. Fünfmal von Beginn an, einmal über die volle Distanz.

Victor Palsson: Der isländische Nationalspieler war der absolute Wunschspieler von Trainer Dimitrios Grammozis. Beide kennen sich noch aus der gemeinsamen Zeit beim SV Darmstadt 98. Und das Mannschaftsratsmitglied erfüllt die an ihn gesteckten Anforderungen. Nicht mehr, nicht weniger. In der Luft ist Victor Palsson praktisch unbezwingbar.

Auch sonst ist er der klassische Staubsauger vor der Abwehr und räumt viel ab. Spielerische Glanzleistungen wurden nicht erwartet und waren entsprechend nicht zu sehen. Konstant gut war der 30-Jährige nicht immer unterwegs. Aber erfüllt die Aufgaben meist befriedigend, die an ihn gestellt werden.

Transfer-Check auf Schalke: Martin Fraisl und Dominick Drexler hinterlassen Fragezeichen

Martin Fraisl: Unmittelbar vor Saisonstart verstärkte der Torwart den FC Schalke 04, weil Ralf Fährmann an Corona erkrankte. Als der wieder einsatzbereit war, war Martin Fraisl hinter ihm und Michael Langer nur Torwart Nummer drei.

Nach gut zwei Monaten rückte er allerdings plötzlich von der Tribüne direkt ins Tor. Denn Ralf Fährmann wackelte immer mal wieder und Michael Langer verletzte sich schwer. In den ersten vier Spielen blieb Martin Fraisl dann ohne Gegentor. Doch je näher die Winterpause rückte, desto mehr Wackler waren bei dem Österreicher zu sehen.

Der 28-Jährige ist spielerisch stärker als Ralf Fährmann und alles andere als eine schlechte Verpflichtung gewesen. Doch in der Rückrunde sollte er wieder an seine ersten Eindrücke anknüpfen, sonst rückt er in der Bewertung noch weiter nach hinten.

Dominick Drexler: Für den offensiven und meist sehr fleißigen Mittelfeldspieler, der vom 1. FC Köln kam, eine Bewertung zu fällen, ist schwierig. Auf die Hinrunde verteilt verpasste der 31-Jährige vier Spiele verletzungsbedingt. Seine guten Leistungen verteilen sich auch. Die Streuung ist groß und unauffällige oder nicht zufriedenstellende Leistungen waren häufiger der Fall als das Gegenteil. Eigentlich sollte der meinungsstarke Bonner vorangehen. Doch mit Beginn der Rückrunde wird er zunächst um seinen Platz kämpfen müssen.

Danny Latza: Die ersten Testspiele in der Saisonvorbereitung waren vielversprechend. Der gebürtige Gelsenkirchener kam ablösefrei vom FSV Mainz 05 zurück in seine Heimat, übernahm die Kapitänsbinde und sollte das Gesicht des neuen FC Schalke 04 werden.

Nach 32 Minuten im ersten Ligaspiel war dann aber schon Feierabend. Der zentrale Mittelfeldspieler zog sich gegen den HSV (1:3) eine schwere Knie-Verletzung zu und fiel drei Monate verletzt aus. Zum Jahresende erlitt er einen neuen Rückschlag. Dazwischen war er nach seinem Comeback sichtlich noch nicht wieder an seinem Leistungsvermögen angelangt und damit mehr Belastung als Hilfe im S04-Spiel.

Wird zu Beginn des neuen Jahres auch noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein. Eine faire Bewertung mit sechs Spielen und 285 Minuten Einsatzzeit fällt schwer.

Dominick Drexler (l.) und Danny Latza konnten aus unterschiedlichen Gründen beim FC Schalke 04 noch nicht überzeugen.

Transfer-Check auf Schalke: Reinhold Ranftl und Marvin Pieringer können nicht überzeugen

Reinhold Ranftl: Beim Neuzugang von Linzer ASK fällt eine Einordnung dagegen leichter. Der sympathische 29-Jährige aus Österreich sollte die erhoffte Verstärkung für die rechte Abwehrseite sein, war aber überfordert. „Reini“ gab im Laufe der Hinrunde selbst zu, Anpassungsprobleme und die Herausforderung unterschätzt zu haben.

Kämpft mit Mehmet Aydin abwechselnd um einen Platz in der Startelf. Im Januar droht dem Duo ein Neuzugang vor die Nase gesetzt zu werden. Bezeichnend für die Leistung der beiden, die einfach nicht (konstant) gut war.

Marvin Pieringer: 14 Spieltage lang war die junge Leihgabe des SC Freiburg die ärmste Sau beim FC Schalke 04. Denn seine Konkurrenz ist keine geringere als Simon Terodde und Marius Bülter, die prächtig harmonierten. Erst als Simon Terodde sich verletzte und Marius Bülter nach seiner Booster-Impfung mit seinen Blutwerten zu kämpfen hatte, schlug die Stunde des 22-Jährigen. Bis dahin reichte es immer nur zu Kurz-Einsätzen.

Viermal durfte der Stürmer dann von Beginn an auflaufen, dreimal über die volle Distanz. Die durchaus guten Eindrücke aus den ersten (Kurz-)Einsätzen konnte er dann aber nicht bestätigen und seine Chance damit nicht wirklich nutzen. In der Rückrunde droht ihm nun wieder die Joker-Rolle.

Transfer-Check auf Schalke: Mikhailov, Rzatkowski und Wouters drei Flops beim S04

Yaroslah Mikhailov: Drei Wochen lang sollte der junge Russe als Gastspieler von Zenit St. Petersburg wegen des gemeinsamen Hauptsponsors beim S04 mittrainieren und dann eigentlich zurückkehren. Doch der außerhalb des Platzes extrem introvertierte 18-Jährige überzeugte in der kurzen Zeit so sehr, dass der FC Schalke 04 ihn für eine Saison auslieh.

Allerdings konnte der offensive Mittelfeldspieler die guten Eindrücke aus seiner Anfangszeit nicht wieder bestätigen. Nach dem dritten Spieltag kamen nur noch 78 Minuten Einsatzzeit auf drei Spiele verteilt zusammen. Ansonsten pendelt er nur noch zwischen einem Platz auf der Tribüne oder der Bank.

Der junge Yaroslav Mikhailov hat beim FC Schalke 04 einen schweren Stand.

Marc Rzatkowski: Zugutehalten muss man dem 28-Jährigen, dass er von Januar bis September vereinslos war und trotz privatem Training nicht auf dem Fitness-Level eines Profis sein konnte. Weil dem FC Schalke 04 im zentralen Mittelfeld wegen diverser Ausfälle aber die Spieler auszugehen drohten, wollten die „Knappen“ vorbeugen und nahmen den gebürtigen Bochumer unter Vertrag.

In drei Monaten Training reichte es dann aber bislang doch nur zu sporadischen Einsätzen mit der U23 in der 4. Liga. Bei den Profis kam der ehemalige Kicker des FC St. Pauli nur einmal über drei Minuten zum Einsatz. So ergibt die Verpflichtung gar keinen Sinn.

Dries Wouters: Der 24-Jährige zählt zu dem S04-Trio, das für den Januar auf einer Streichliste steht. Dries Wouters durfte zweimal spielen. Einmal am 2. Spieltag für 25 Minuten gegen Holstein Kiel (3:0) und einmal über 90 Minuten am 8. Spieltag gegen Hansa Rostock (2:0).

Ansonsten konnte er sich im Training nicht genügend aufdrängen oder fiel verletzt aus. Im defensiven Mittelfeld ist mittlerweile nicht nur Victor Palsson vor ihm gesetzt, sondern sogar der junge Florian Flick. In der Abwehr ist erst recht kein Platz (mehr) für ihn. Kommt zu Jahresbeginn ein Angebot eines anderen Klubs, wird der FC Schalke 04 dem Belgier keine Steine in den Weg legen.

Rubriklistenbild: © Tim Rehbein/RHR-FOTO

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