Dilemma wie bei Rudy

Schalke 04 wegen Mark Uth in der Klemme: Bitteres Transfer-Szenario im Anflug

Schalke 04 wird sich im Abstiegsfall wohl oder übel von einigen Topverdienern trennen müssen. Bei Mark Uth und Sebastian Rudy werden die Transfer-Verhandlungen alles andere als einfach.

Gelsenkirchen – An den Klassenerhalt glaubt beim FC Schalke 04 kaum noch jemand. Die Lage ist zu aussichtslos. „Der Großteil der Planungen konzentriert sich mittlerweile auf die 2. Liga, so ehrlich muss man sein“, sagte Interims-Sportvorstand Peter Knäbel (54) dem kicker. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Planungen und insbesondere die Transfer-Verhandlungen zu einer echten Geduldsprobe für den S04 werden.

FußballspielerMark Uth
Geboren24. August 1991 (Alter 29 Jahre), Köln
Aktuelles TeamFC Schalke 04
Vertrag bis30.06.2022

Schalke 04 steckt wegen hoher Gehälter und fehlender Zweitliga-Klauseln im Transfer-Dilemma

Schalke will den Etat für die 2. Bundesliga drastisch reduzieren. Die Bild berichtet, dass für Spielergehälter statt der bisherigen rund 75 Millionen Euro nur noch 20 bis 30 Millionen Euro zur Verfügung stehen sollen. Solange Königsblau Spieler mit hoch dotierten Alt-Veträgen nicht loswird, erscheint das allerdings unrealistisch. Von ihnen gibt es in Gelsenkirchen einige.

Mit Ralf Fährmann (32), Matija Nastasic (27), Mark Uth (29) und Sebastian Rudy (31) sollen gleich vier Spieler von Schalke 04 im Abstiegsfall das gleiche Gehalt beziehen, wie in der ersten Liga. Zusammen würden sie über die Hälfte des geplanten Zweitliga-Etats verschlingen. Peter Knäbel weiß um das Problem.

Mark Uth (Schalke 04): 1. FC Köln hat Interesse am Stürmer – Mega-Gehalt wird zum Problem

Dem kicker verriert er, dass er sich auf harte Verhandlungen einstellt, in denen Schalke 04 viel Robustheit zeigen müsse. „Eines kann ich aber sagen: Wir werden unsere Spieler sicher nicht verramschen.“ Doch es könnte schwierig werden, dieses Versprechen einzuhalten.

Denn auf dem Platz liefern die „Knappen“ seit über einem Jahr eine unterirdische Leistung nach der nächsten ab. Interessenten werden im Sommer nicht gerade Schlange stehen, um die Profis aus Gelsenkirchen wegzulocken. Vor allem wird kaum ein Verein bereit sein, den Schalker Topverdienern im Fall eines Transfers ein ähnliches hohes Gehalt zu überweisen, wie sie es zuvor am Berger Feld verdienten.

Mark Uth überzeugte in der Rückrunde der Saison 2019/20 als Leihspieler beim 1. FC Köln.

Das Beispiel Mark Uth offenbart dieses Dilemma in seiner schonungslosen Deutlichkeit. Der 1. FC Köln, so berichtet es die Bild, habe nach der erfolgreichen Leihe im vergangenen Jahr weiterhin großes Interesse am einstigen Stürmer. Allerdings droht den Kölnern ebenso wie Schalke 04 ein Abstieg in die 2. Bundesliga. Schafft der „Effzeh“ den Klassenerhalt nicht, wäre ein Transfer von Mark Uth ohnehin vom Tisch.

Schalke 04: Transfer von Mark Uth oder Sebastian Rudy nur bei Bereitschaft zu Gehaltsverzicht möglich

Aber selbst wenn Köln in der kommenden Saison im deutschen Fußball-Oberhaus kickt, bleibt das enorme Gehalt des Stürmers in Diensten von Schalke 04 ein großes Problem. Dem Vernehmen nach verdient Mark Uth knapp 4 Millionen Euro im Jahr. So viel wird der 1. FC Köln nicht zahlen können.

Mangels anderer Interessenten müsste Schalke 04 bei einem Transfer also darauf hoffen, dass Mark Uth zu großen Gehaltseinbußen bereit ist. Eine Ablösesumme wird der S04 wohl nicht kassieren, zumindest keine nennenswerte. Anderenfalls bleibt der gebürtige Kölner auf der Gehaltsliste der klammen Schalker.

Mark Uth (l.) und Sebastian Rudy würden beim S04 auch im Fall eines Abstiegs ein fürstliches Gehalt beziehen.

Ein ähnlich düsteres Transfer-Szenario droht bei Sebastian Rudy. Der einstige Königstransfer von Ex-Manager Christian Heidel (57) spielt aktuell als Leihgabe bei der TSG Hoffenheim. Dort ist der 31-Jährige im Mittelfeld gesetzt. Sicher könnten sich beide Parteien eine Zusammenarbeit über die laufende Saison hinaus vorstellen – aber nicht zu Konditionen wie auf Schalke.

Peter Knäbel steht beim S04 vor zähen Transfer-Verhandlungen: Alt-Verträge belasten den Klub

Beim S04 soll der Top-Verdiener satte sechs Millionen Euro im Jahr einheimsen. Dass die Kreichgauer für die Dienste des früheren Müncheners derart tief in die Tasche greifen würden, gilt als nahezu ausgeschlossen. Findet sich kein anderer Interessent, müsste Schalke in den Verhandlungen abermals darauf hoffen, dass der Spieler bereit ist, auf eine Menge Gehalt zu verzichten. Das ist viel Konjunktiv angesichts der finanziellen Schieflage des Tabellenletzten.

Selbst wenn das klappt und Schalke 04 sogar eine Ablöse kassieren sollte, wird Sebastian Rudy zu einem dicken Minusgeschäft für den Klub aus Gelsenkirchen. Denn als Christian Heidel den Transfer im Sommer 2018 aushandelte, überwies er für den früheren Nationalspieler rund 16 Millionen Euro an den FC Bayern München. Das ist der längst nicht mehr wert.

Peter Knäbel wird viel Ausdauer und glückliche Konstellationen brauchen, wenn er die eigenen Spieler tatsächlich nicht verramschen will. Die Kaderplanung wird für den früheren Hamburger zu einer echten Herkulesaufgabe. Denn während der Etat gedrückt werden muss, braucht Schalke 04 dringend Neuzugänge. Ansonsten ist die Mission „Wiederaufstieg“ schon in Gefahr, bevor sie überhaupt beginnt.

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