Erstes Interview nach der Trennung

Jetzt packt Trainer Christian Gross aus: So lief sein Rauswurf auf Schalke wirklich

Christian Gross musste den FC Schalke 04 verlassen. Jetzt spricht er im Interview über die Umstände, die Spieler-Revolte und unglückliche Transfers.

Gelsenkirchen - Christian Gross (66) war nur 63 Tage lang Trainer beim FC Schalke 04. Wie das kurze Engagement endete, bezeichnet der erfahrene Trainer jetzt als größte Enttäuschung seiner Karriere.

NameChristian Gross
Alter66 Jahre
StationenFC Schalke 04, FC Basel, Al-Ahly, VfB Stuttgart

Schalke 04: Ex-Trainer Christian Gross packt aus - so lief die Entlassung wirklich

Seit 1988 ist Christian Gross im Trainer-Geschäft. Beim FC Wil in der Schweiz startete die Reise. In 33 Jahren als Übungsleiter hat er die Welt gesehen, arbeitete für neun verschiedene Vereine in fünf Ländern.

Der Weg des Schweizers führte unter anderem über die Tottenham Hotspur, den FC Basel und den VfB Stuttgart. Auch bei Zamalek SC in Ägypten war er angestellt, bei Al-Ahli in Saudi-Arabien sogar gleich dreimal. Den emotionalen Tiefpunkt erlebte er jetzt beim FC Schalke 04.

Schalke 04 stellte Trainer Christian Gross am Sonntagmorgen frei

Am Sonntagmorgen (28. Februar) wurde Christian Gross beim S04 freigestellt. Ebenso wie sein Trainer-Assistent Rainer Widmayer (53), Sportvorstand Jochen Schneider (50), Teammanager Sascha Riether (37) und Athletik- und Fitnesschef Werner Leuthard (59)

„So wie es gelaufen ist: Ja“, lautet im Interview mit der Schweizer Zeitung Blick die knappe Antwort auf die Frage, ob das die größte Enttäuschung seiner Karriere gewesen sei. Am Montag (1. März) oder Dienstag (2. März) werde er in die Heimat zurückkehren, kündigt Christian Gross an.

Trainer Christian Gross konnte es auch nicht schaffen, den FC Schalke 04 aus der Krise zu führen.

Schalke 04: Christian Gross erfährt von Jochen Schneider von Freistellung

In dem ersten Interview nach der Freistellung gab der Schweizer interessante Details preis. Der Blick berichtet, dass um 8.30 Uhr das Handy geklingelt habe. Am anderen Ende sei Jochen Schneider gewesen.

Verrückt: Ausgerechnet der ebenfalls freigestellte Sportvorstand teilte Christian Gross mit, dass der Aufsichtsrat ihn freigestellt hat. Fünfzig Minuten später habe er sein Büro auf Schalke geräumt.

Schalke 04: Christian Gross nach Entlassung „sehr enttäuscht“

„Ich bin sehr enttäuscht“, beschreibt Christian Gross jetzt seine Gemütslage. „Zumal ich als Trainer immer noch das Gefühl habe, dass sich die Mannschaft entwickelt. Dass wir sportlich auf dem richtigen Weg waren und Fortschritte machen.“

Obwohl der FC Schalke 04 neun Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz angehäuft hat und Saison-übergreifend von 39 Spielen nur eines gewinnen konnte, ist der Ex-Trainer „weiterhin davon überzeugt (...), dass Schalke den Abstieg noch verhindern kann“.

Schalke 04: Bericht über Revolte brachte laut Ex-Trainer Christian Gross „große Unruhe“

Den weiteren Weg wird der S04 ohne ihn gehen. Doch wie kam es zu der Entscheidung? Aufsichtsratsvorsitzender Jens Buchta (57) hatte die enttäuschenden Leistungen gegen den BVB (0:4) und den VfB Stuttgart (1:5) als Auslöser genannt.

Christian Gross sprach nun davon, dass auch das Gerücht um eine Revolte auf Schalke, die laut Bild-Zeitung von Sead Kolasinac (27), Klaas-Jan Huntelaar (37) und Shkodran Mustafi (28) gestartet worden sein soll, „große Unruhe“ hereingebracht hätte.

Klaas-Jan Huntelaar (l.) und Sead Kolasinac sollen laut Bild mit Shkodran Mustafi eine Revolte gegen Trainer Christian Gross angezettelt haben. Der Wahrheitsgehalt bleibt fraglich.

Schalke 04 und Christian Gross: „Kann ja sein, dass einem mein Gesicht nicht gefällt“

Wie es zu diesem Bericht kam, kann sich der Ex-Schalke-Trainer auch nicht erklären. In einem Gespräch mit Jochen Schneider zumindest verhärtete sich der Verdacht auf eine Revolte nicht. „Er sagte mir explizit, bei ihm sei kein Spieler gewesen.“

Christian Gross weiter: „Ich habe auch die Spieler direkt angesprochen. Dass sie bei Problemen direkt zu mir kommen sollen. Es kann ja sein, dass einem mein Gesicht nicht gefällt, dass er mich nicht mag. Aber dann kann man es doch offen aussprechen, kein Problem.“

Schalke 04: Ex-Trainer Christian Gross mit Transfer-Beichte

Letztendlich gebe es im Umfeld einer Mannschaft „Strömungen, die über das Fußballerische hinausgehen“. Es sei „nicht auszuschließen“, dass sich der ein oder andere noch weiter oben als nur bei Jochen Schneider beschwert habe.

Manche Spieler hätte Christian Gross im Nachhinein ohnehin lieber doch nicht zum FC Schalke 04 zurückgeholt. Die klare Ansage: „Ich würde im Winter nicht mehr die gleichen Spieler holen. Ich würde bei den Transfers versuchen, ein glücklicheres Händchen haben.“

Klaas-Jan Huntelaar hätte er zwar gerne im Sturm spielen lassen, aber er sei noch immer an der Wade verletzt. Auch Sead Kolasinac plagt sich auf Schalke derzeit mit einer Verletzung herum. „Es lief nicht alles glücklich“, sagt Christian Gross.

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