Kommentar

Simon Terodde eine echte Verstärkung: Transfer offenbart aber ein großes S04-Problem

Simon Terodde wechselt zum FC Schalke 04. Der Transfer des Torjägers macht viel Hoffnung, war aber auch nahezu alternativlos, wie RUHR24-Redakteur Marcel Witte kommentiert.

Gelsenkirchen – Jetzt ist der zweite Transfer des FC Schalke 04 für die Saison 2021/22 in der zweiten Liga fix. Simon Terodde verstärkt den S04 und kommt vom vermutlich künftigen Liga-Rivalen Hamburger SV zu den Königsblauen. Seine Torjäger-Qualitäten sind angesichts von 139 Toren in 250 Zweitliga-Spielen unbestritten.

NameSimon Terodde
Geboren2. März 1988 (Alter 33 Jahre), Bocholt
Größe1,92 Meter
EhepartnerinLaura Terodde
Aktuelles TeamHamburger SV (#9 / Stürmer)

FC Schalke 04 verpflichtet Torgarant Simon Terodde für die 2. Liga

Simon Terodde ist die eingebaute Tor-Garantie. Genau das, was dem FC Schalke 04 nicht nur in der Saison 2020/21 fehlte. Lediglich 18 Bundesliga-Treffer erzielte der S04 bislang in der noch laufenden Spielzeit. Der 33-jährige Stürmer kommt alleine wiederum auf 21 Tore in der aktuellen Zweitliga-Spielzeit. Der letzte Königsblaue, der mindestens so oft traf, war Klaas-Jan Huntelaar (37) in der Saison 2011/12 mit 29 Treffern.

Der FC Schalke 04 konzentrierte sich schon früh auf ein Stürmer-Trio. Mit Simon Terodde führte laut Sport Bild sogar bereits Ex-Sportvorstand Jochen Schneider (50) Gespräche, Peter Knäbel (54) nahm die Transfer-Vorarbeit dann auf und vollendete den Wechsel.

FC Schalke 04: Simon Terodde schoss bereits zwei Klubs zum Bundesliga-Aufstieg

Die vergangenen Jahre zeigten immer wieder, dass ein Top-Torjäger nahezu unerlässlich für einen Topklub in der zweiten Liga ist. Fabian Klos (33) schoss Arminia Bielefeld mit 21 Toren in die Bundesliga, Hanno Behrens (31) erzielte einst zwar „nur“ 14 Treffer, doch auch das reichte für den Aufstieg des 1. FC Nürnberg in der Saison 2017/18.

Doch die personifizierte Tormaschine mit Aufstiegserfahrung ist und bleibt Simon Terodde. Den VfB Stuttgart schoss er 2016/17 mit 25 Toren zum Aufstieg, mit 29 Treffern führte der Stürmer in der Saison 2018/19 den 1. FC Köln wieder in die Bundesliga. Nur mit dem Hamburger SV gelingt ihm das Kunststück womöglich nicht.

Simon Terodde stürmt künftig für den FC Schalke 04. Der Transfer zeigt aber auch ein Problem auf.

FC Schalke 04: Simon Terodde muss keine keine langfristige Option sein

Das lag jedoch nicht an einem möglichen Versagen von Simon Terodde. Mit 21 Toren führt er aktuell mit Serdar Dursun, mit dem sich der FC Schalke 04 auch getroffen haben soll, die Torjägerliste an. Zudem hat der HSV als derzeitiger Tabellendritter noch die Möglichkeit, über die Relegation aufzusteigen – sofern der Klub den Tabellenplatz behaupten kann. Verfolger Holstein Kiel hat noch Nachholspiele in der Hinterhand.

Zugegeben: Simon Terodde ist nicht mehr der jüngste Spieler und hat in der Bundesliga seine Torjäger-Qualitäten nie vollends unter Beweis stellen können. Doch der Stürmer muss auch gar kein Versprechen für die ferne Zukunft sein. Vielmehr soll er ein mittelfristiges Ziel erreichen: den Wiederaufstieg mit dem FC Schalke 04.

FC Schalke 04: Simon Terodde hat viel Erfahrung mit dem Aufstiegskampf

Daher wird der 33-jährige Torjäger auch nur der Anfang von vielen Transfers sein, die der S04 im Sommer 2021 tätigen wird. Von den 36 Spielern, die für den FC Schalke 04 in der Saison 2020/21 gespielt haben, wird nur ein kleiner Bruchteil auch in der zweiten Liga in Königsblau auflaufen.

Viele erfahrene Spieler werden die „Knappen“ verlassen, einige Jung-Profis bleiben. Doch ausschließlich mit Youngstern werden die Blau-Weißen den Aufstieg nicht schaffen. Ein Spieler wie Simon Terodde weiß, wie hart der Aufstiegskampf ist, und könnte daher enorm wichtig für den S04 werden – nicht nur aufgrund seiner Stürmer-Qualitäten.

FC Schalke 04: Kritik am Transfer von Simon Terodde in den sozialen Netzwerken

Sportvorstand Peter Knäbel sagte zur Verpflichtung: „Er kennt die 2. Liga, hat über viele Jahre die richtige Mentalität und Einstellung nachgewiesen, um dort erfolgreich zu sein. Das macht Simon zu einem zentralen Baustein unserer neuen Mannschaft.“

Dennoch kam in den sozialen Netzwerken relativ schnell Kritik am Transfer von Simon Terodde auf. Der Stürmer sei zu alt und kein Versprechen für die Zukunft. Von einem Umbruch könne ausschließlich mit Verpflichtungen von Ü30-Spielern, auch mit Blick auf den zuvor einzigen Neuzugang Danny Latza (31), keine Rede sein.

Künftige Teamkollegen: Simon Terodde (l.), hier noch für den 1. FC Köln, und Ahmed Kutucu, aktuell vom FC Schalke 04 in die Niederlande verliehen.

FC Schalke 04 holt Simon Terodde: Top-Talente wollen nicht zum S04 wechseln

Doch wen, wenn nicht Simon Terodde hätte der FC Schalke 04 angesichts seiner hohen Verschuldung und der deutlichen Verringerung des Etats für die zweite Liga holen sollen? Etwa ein junges Talent, dass sich in der harten zweiten Liga die Zähne ausbeißen könnte?

Das wäre ohnehin wohl kaum möglich: Die Strahlkraft ist in der 2. Liga eine andere als wenn man ein Team für das Erreichen der internationalen Ränge plant. Top-Talente werden sicherlich nicht zu einem Zweitligisten wechseln wollen, wenn sie stattdessen Angebote von Erstligisten haben. Viel Zeit, um die jungen Spieler entwickeln zu können, hat der S04 zudem im Aufstiegskampf nicht.

FC Schalke 04: Simon Terodde braucht jetzt noch einen Vorlagengeber

Simon Terodde ist ablösefrei und zeigt nach wie vor seine Torjäger-Qualitäten. Die Kritik wäre wahrscheinlich noch größer gewesen, hätte sich der S04 erst gar nicht mit ihm beschäftigt. Ein besseres Versprechen für die nahe Zukunft hätte der FC Schalke 04 nicht bekommen können.

Die Witze über den künftig „71 Jahre alten Sturm“ – das Alter von Klaas-Jan Huntelaar, der ebenfalls beim FC Schalke 04 bleiben soll, und Simon Terodde zusammengerechnet – werden nicht ausbleiben. Doch überzeugen die Angreifer mit Leistungen und Tore, werden die Kritiker schnell verstummen. Spätestens dann, wenn die Stürmer den S04 zurück in die Bundesliga schießen. Dafür brauchen die Königsblauen jetzt aber noch Spieler, die ihnen die Bälle mustergültig vorlegen.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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