Kommentar

Zahlen auf Schalke ein Desaster: Die neue Finanz-Chefin handelt jetzt alternativlos

Christina Rühl-Hamers beschreibt sich selbst unter anderem als klar und verbindlich. Daran wird sich die Finanz-Chefin messen lassen müssen, wenn sie Schalke gesünder machen will. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen – Christina Rühl-Hamers (44) will „nicht mehr auf die Zukunft wetten“. Der XXL-Verlust und neue Schuldenberg auf Schalke lässt der Finanz-Chefin der Königsblauen auch gar keinen Spielraum, findet RUHR24-Redakteur Raphael Wiesweg.

NameChristina Rühl-Hamers
Geboren23. Juli 1976 (Alter 44 Jahre), Haltern am See
Beim FC Schalke 04 seit\t1. April 2010
Funktion beim FC Schalke 04Vorständin Finanzen, Personal und Recht (seit 1.10.2020)

FC Schalke 04: Neue Verluste und Schulden ein Desaster – S04 vor dem Abstieg in die 2. Liga

Der Umsatz ist um satte 100 Millionen eingebrochen, der Fehlbetrag ist mit 52 Millionen Euro doppelt so hoch wie im Jahr zuvor und die Verbindlichkeiten liegen bei satten 217 Millionen Euro. Die neuesten Zahlen aus dem Geschäftsbericht für das Jahr 2020 sind für den FC Schalke 04 angesichts des bevorstehenden Abstiegs in die 2. Liga ein Desaster.

Denn der S04 wird mindestens (!) ein Jahr in der 2. Liga spielen. Die Erlöse beispielsweise aus den medialen Verwertungsrechten werden also noch weiter zurückgehen – bilden derzeit aber mit 46 Prozent knapp die Hälfte der kompletten Umsatzstruktur!

FC Schalke 04: Finanz-Chefin Christina Rühl-Hamers will beim S04 den Rotstift ansetzen

Christina Rühl-Hamers überrascht also nicht, wenn sie als Chefin der S04-Zahlen ab sofort nur noch mit „kaufmännischer Vernunft“ handeln will. „Wir werden nur noch das ausgeben, was wir haben und nicht, was wir vielleicht haben werden“, betont die 44-Jährige.

Ein Grundsatz, der eigentlich in jedem Unternehmen nur logisch sein sollte. Beim FC Schalke 04 wurden in den vergangenen Jahren aber durchschnittlichen Spielern Champions-League-Gehälter ausgezahlt. Dabei spielen die „Knappen“ mit nur wenigen Ausnahmen schon seit vier Jahren maximal durchschnittlich.

Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers präsentierte den Geschäftsbericht 2020 für den FC Schalke 04.

FC Schalke 04 droht auf teuren Spielern wie Rudy, Uth oder Nastasic sitzen zu bleiben

Christina Rühl-Hamers muss jetzt ausbaden, was ihr Vorgänger und ehemalige Vorstandsmitglieder verzapft haben. Ihr Vorhaben, gewaltig an der finanziellen Stellschraube zu drehen, ist für königsblaue Verhältnisse revolutionär. Ob die langjährige Finanz-Direktorin des FC Schalke 04 die schon fast langweilig anmutende Perspektive tatsächlich durchzieht?

Naiv ist es nicht von der 44-Jährigen, vor allem auf Millionen-Erlöse durch die kommende Transfer-Periode zu hoffen. Der Grat ist aber schmal, falls die hoch verschuldeten „Knappen“ auf teuren Spielern wie Sebastian Rudy, Mark Uth oder Matija Nastasic sitzen bleiben.

FC Schalke 04: Millionen-Einnahmen durch McKennie, Bentaleb und vielleicht Kabak, Serdar und Harit

Denn die Spielergehälter müssen ungefähr um zwei Drittel gekürzt werden. Doch immerhin: In den neuesten Zahlen war beispielsweise der endgültige Millionen-Verkauf von Weston McKennie an Juventus Turin noch nicht enthalten.

Darüber hinaus läuft der Vertrag vom ebenfalls sehr gut verdienenden Quertreiber Nabil Bentaleb aus. Leistungsträger wie der derzeit ausgeliehene Ozan Kabak oder Suat Serdar und Amine Harit dürften ebenfalls die S04-Kasse klingen lassen.

FC Schalke 04: Finanzverbindlichkeiten liegen beim S04 bei erschreckenden 149 Millionen Euro

Allerdings ist diese so leer, dass sie selbst mit mehreren Millionen-Transfers nicht plötzlich auch nur ansatzweise so voll wie der bekannteste Geldspeicher Entenhausens sein wird. Im Gegenteil: Der FC Schalke 04 ist mehr als nur dringend darauf angewiesen.

Denn auch, wenn Christina Rühl-Hamers berechtigterweise darauf hinweist, dass vor allem die Finanzverbindlichkeiten die viel wichtigere Kennzahl sind, sind diese ebenfalls erschreckend hoch. Die Schulden also, für die Zinsen und Tilgung fällig sind, liegen bei 149 Millionen und „sind hoch“, wie auch die Finanz-Chefin zugibt.

FC Schalke 04: Finanz-Chefin Christina Rühl-Hamers will Finanzverbindlichkeiten auf unter 100 Mio. Euro drücken

Wenn diese „unter 100 Millionen Euro“ wären, könne der FC Schalke 04 wieder „proaktiver werden, statt immer nur zu reagieren“. Die Diplomkauffrau, Steuerberaterin und ausgebildete Wirtschaftsprüferin handelt jetzt also alternativlos, wenn sie beispielsweise das Bau-Projekt „Berger Feld II“ stoppt.

Trotzdem ist es auch genau richtig und gleicht schon beinahe einem Paradigmenwechsel in Gelsenkirchen. Gelingt es der neuen S04-Finanzchefin tatsächlich, ihrem Job nachzugehen und die „Knappen“ endlich wieder auf gesündere Füße zu stellen, gebührt ihr grotesker Weise Anerkennung. Ob sie allerdings tatsächlich dazu in der Lage ist und ihr keine Steine in den Weg gelegt werden, steht noch einmal auf einem anderen (Schuld-)Papier.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Raphael Wiesweg/RUHR24; Collage: RUHR24

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