Schalke 04 in der Zwickmühle

Schulden-Desaster durch Klausel-Wahnsinn: Schalke 04 schaufelt Millionengrab selbst

Der FC Schalke 04 arbeitet am Neuaufbau des Kaders. Nach immensen Schulden müssen Großverdiener abgegeben werden. Das Schulden-Dilemma bahnte sich schon lange an.

Gelsenkirchen – Ein Abstieg des FC Schalke 04, dem zweitgrößten deutschen Verein gemessen an den Mitgliedern, mehrfacher Bundesliga-Vizemeister, einer der großen Herzblutvereine in Europa: Das war für viele bis zu diesem Sommer unvorstellbar. Und unvorstellbar war es offensichtlich auch für die Macher beim S04, die bei den Knappen in den letzten Jahren mit der Kaderplanung betraut waren.

VereinFC Schalke 04
Gründung4. Mai 1904, Gelsenkirchen
StadionVeltins-Arena

FC Schalke 04: Kuriose Verträge und Klauseln führten S04 ins Schulden-Verderben

Das Abstiegsszenario fand in ihren Planungen scheinbar nicht statt. Das hat jetzt verheerende Folgen für den Traditionsverein aus Gelsenkirchen. Der befindet sich in einer Spirale des Niedergangs – dem S04 droht sogar der Ausverkauf der eSport-Abteilung.

Dass Schalke in diesen XXL-Schuldenberg schlitterte und zu solchen Schritten gezwungen wird, liegt auch an den Verträgen, die in der Vergangenheit abgeschlossen wurden. Horrende Gehälter, enorme Transfer-Verluste und kuriose Klauseln tragen Teil an der Lage, in der sich die Knappen jetzt befinden.

Schalke 04: Bittere Transfer-Verluste bei Embolo und Konoplyanka – nicht vorhersehbar für S04

Als Beispiel: der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte Breel Embolo. 2016/17 kam er für 26,5 Millionen Euro vom FC Basel nach Gelsenkirchen. Drei Jahre später verkauften die Königsblauen den Angreifer wieder, für gerade mal elf Millionen Euro. Auch die Verpflichtung von Yevhen Konoplyanka kann sich in die Reihe der Transfer-Verluste einreihen.

Nach einer Leihe vom FC Sevilla 2016 holte Schalke ihn 2017 mittels Kaufoption für 12,5 Millionen. Zwei Jahre später wurde er an Shaktar Donezk verkauft – für lediglich 1,8 Millionen Euro. Zwei Transfer-Verluste, die schmerzen, jedoch nicht unbedingt absehbar waren. Allerdings arbeitete der S04 auch mit kuriosen Klauseln und Gehältern.

Schalke 04: Neun Millionen Handgeld und Klausel über Punktprämien für S04-Angreifer Mark Uth

So holten die Königsblauen Mark Uth 2018 von der TSG Hoffenheim. Ursprünglich ablösefrei, aber wie der kicker jetzt berichtete, erhielt der Angreifer ein Handgeld von sechs Millionen Euro sowie drei Millionen für seinen Berater. Jetzt soll der 29-Jährige den Verein wieder verlassen. Eigentlich stünde den Gelsenkirchenern eine Ablöse zu, doch wie es aussieht, bahnt sich in der Causa Mark Uth der nächste Transfer-Frust bei Schalke 04 an.

Denn es sieht so aus, als würde er ablösefrei zum 1. FC Köln wechseln. Einerseits bitter, schließlich stünde dem Verein eine Ablöse gut zu Gesicht, allerdings zählt Mark Uth mit einem Gehalt von drei Millionen Euro und einer Punktprämie á 17.500 Euro zweifelsohne zu den Großverdienern, von denen sich die Knappen trennen wollen.

Matija Nastasic (Schalke 04): Irre Punktprämie beim S04 – Klausel besagt 90.000 Euro pro Sieg

Wer angesichts der Punktprämie von Mark Uth schlucken musste, dürfte sich auch bei einer Klausel von Matija Nastasic wundern. Die Punktprämie in seinem Vertrag liegt laut kicker bei 30.000 Euro pro Punkt. Damit erhält er 90.000 Euro pro Sieg.

Matija Nastasic (m.) ließ sich offenbar eine besondere Klausel in seinen Schalke-Vertrag schreiben.

Transfer-Verluste und Klauseln zu Punktprämien führten Schalke 04 in die Schulden-Bredouille. Jetzt muss eine Mannschaft, die in vielen Bereichen die Bundesligatauglichkeit vermissen ließ, in weiten Teilen ausgedünnt werden.

S04-Sportdirektor Rouven Schröder vor Balance-Akt: Großverdiener bei Schalke ein Problem

Für den neuen S04-Manager Rouven Schroeder eine Sisyphus-Aufgabe. Denn klar ist: Wenn Schalke die horrenden Spieler-Gehälter auch in der zweiten Liga weiter bedienen muss, ist der Verein zahlungsunfähig. Also müssen Spieler verkauft werden. In dieser Situation wird Schalke von einem Doppelproblem in die Zange genommen.

Gerade die Gutverdiener wie Sebastian Rudy, der in der zweiten Liga immerhin fünf Millionen beim FC Schalke 04 verdienen würde, sehen natürlich wenig Anlass, auf ihre üppigen Gehälter zu verzichten. Und die Transfer-Erlöse, die Schalke erzielen kann, sind durch die Minus-Leistungen verschiedener vermeintlicher Leistungsträger in den Keller gegangen. In dieser Situation muss Schroeder einen schwierigen Balance-Akt vollziehen.

Rouven Schröder steht vor einem Balance-Akt beim FC Schalke 04.

FC Schalke 04: Mission Wiederaufstieg bedroht – S04-Auflagen für zweite Liga

Die Verträge bedrohen sogar die Mission Wiederaufstieg: Bis zum 15. September muss Schalke 04 seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen können, sonst droht dem Traditionsclub schon vor Saisonstart ein Abzug von sechs Punkten.

Das sind die Auflagen für den Absteiger S04. Solch ein Einstieg würde in der besten zweiten Liga aller Zeiten die Wiederaufstiegschancen der Königsblauen dramatisch verringern.

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