Kommentar

Schalke 04: Neuer Vertrag mit Ralf Fährmann ist ein notwendiger Scheinriese

Ralf Fährmann ist nicht wie Lionel Messi. Zum Glück für den FC Schalke 04. Oder doch nicht? Diese Medaille hat drei Seiten, wie RUHR24-Redakteur Raphael Wiesweg meint.

Gelsenkirchen - Die sportlich Verantwortlichen des FC Schalke 04 um Sportvorstand Peter Knäbel und Sportdirektor Rouven Schröder predigen zu Recht seit Monaten Demut und Respekt. Mehr Tun statt Reden. Keine große Klappe mehr haben. Das seien die neuen Parameter, nach denen sie sich bewerten lassen wollen.

NameRalf Fährmann
Geboren27. September 1988 (Alter 32 Jahre), Chemnitz
Größe1,96 Meter
Gewicht93 Kg
EhepartnerinNadine Fährmann (verh. 2016)
Aktuelles TeamFC Schalke 04

Ralf Fährmann (FC Schalke 04): Vertrag verlängert - für den S04 mit weniger Gehalt als vorher

Kein Wunder, denn unabhängig vom Bundesliga-Abstieg hat der Verein zwischen Februar 2020 und Juni 2021 ein äußeres Erscheinungsbild abgegeben, das diesem nach wie vor großen Klub nicht ansatzweise gerecht wurde. Jetzt, nach eineinhalb Jahren, scheint es endlich wieder nur noch die üblichen Reflexe zu geben: Fans und Journalisten diskutieren leidenschaftlich, welcher Transfer gut oder schlecht ist - und jeder von ihnen beansprucht natürlich für sich, im Recht zu sein.

Komplizierter ist es da schon bei Ralf Fährmann, der seinen Vertrag auf Schalke zu verringerten Bezügen verlängert hat. Auf den ersten Blick geht den S04-Anhängern dabei das Herz auf. Denn der 32-Jährige gehört erst einmal zu der immer seltener gewordenen Spezies von Spielern, die einem Klub über einen längeren Zeitraum treu bleiben.

Ralf Fährmann (FC Schalke 04): Neuer Vertrag bis Sommer 2025 jetzt gültig

Mit kurzen Unterbrechungen steht Ralf Fährmann seit 13 Jahren beim FC Schalke 04 unter Vertrag. Der gebürtige Chemnitzer sorgt für Identifikation. Noch dazu verzichtet er auf Geld.

Der zweite Blick auf den neuen Deal des S04 zeigt aber, dass der Torwart nicht komplett uneigennützig gehandelt hat. Nun ist dem Schlussmann nicht nur bis Sommer 2023, sondern sogar bis zum 30. Juni 2025 schriftlich zugesichert, ein Millionen-Gehalt beziehen zu dürfen. Angesichts des fortgeschrittenen Alters und dem Umstand, dass er selten eine komplette Saison über verletzungsfrei blieb, nicht ohne Risiko für den Verein.

Ralf Fährmann hat seinen Vertrag beim FC Schalke 04 zu verringerten Bezügen verlängert.

Ralf Fährmann (FC Schalke 04): Kein moderner Torwart - trotzdem mit Stärken für den S04

Auf der anderen Seite wird der FC Schalke 04 jetzt wissen, noch vier Jahre lang auf einen verlässlichen Torhüter setzen zu können. Ein Torwart, der mindestens in der zweiten Liga eine gute Nummer eins ist. Dennoch lohnt sich noch ein dritter Blick auf die Causa.

Denn: So stark Ralf Fährmann in Eins-gegen-Eins-Situationen, auf der Linie und bei Elfmetern ist, so sehr wissen alle um seine Probleme beim Spiel mit dem Ball und durchaus immer wieder beim Abfangen von Flanken. Ein moderner Schlussmann ist der 32-Jährige nicht und wird er im Spät-Herbst seiner Karriere auch nicht mehr werden.

Ralf Fährmann (FC Schalke 04): Vertragsverlängerung passt ins neue S04-Schema

Der FC Schalke 04 versucht sich für die Zukunft aufzustellen. Über ein Dutzend Spieler sind neu gekommen, zwei Dutzend Spieler werden bis Ende August verkauft oder verliehen sein. Die Mannschaft soll ein neues Gesicht bekommen. Notgedrungen.

Ralf Fährmann gilt nicht als starker mitspielender Torwart.

Aber mit der Prämisse, dass der Wiederaufstieg nächstes oder spätestens übernächstes Jahr gelingt. Langfristig kann und will der S04 nicht planen. Die Zukunft des Klubs und von hunderten Mitarbeitern steht viel zu sehr auf dem Spiel. Der Deal mit Ralf Fährmann passt daher genau ins königsblaue Schema.

Ralf Fährmann: FC Schalke 04 spart mit neuem Vertrag über eine Million Euro jährlich

Martin Fraisl, Marcin Kaminski, Reinhold Ranftl, Victor Palsson, Danny Latza, Simon Terodde - sie alle zählen ebenfalls schon zu den Spielern, die keinen finanziellen Mehrwert mehr darstellen. Sie wurden alle verpflichtet, um eine sofortige Verstärkung darzustellen, die es für den Aufstiegskampf in der zweiten Liga benötigt. Sie dürfen keine längere Eingewöhnungszeit oder Leistungsschwankungen haben, wie sie ein junges Talent natürlich mit sich bringt.

Darüber hinaus haben die „Knappen“ ein bekanntes und gewaltiges Problem: Die königsblauen Kassen sind leergefegt. Geld, um ein vielversprechendes Talent, einen Rohdiamanten, zu verpflichten, der den FC Schalke 04 nach oben schießt und dann auch noch einen zweistelligen Millionen-Betrag beim Verkauf einspielt, liegt nicht vor.

Ralf Fährmann könnte noch vier Jahre lang die Nummer eins beim FC Schalke 04 bleiben.

Nicht umsonst sollte Ralf Fährmann trotz eines noch zwei Jahre andauernden Vertrags verlängern - die etwas mehr als eine Million Euro, die nun pro Jahr eingespart wird, hilft enorm. Zu ernst ist die Lage am Berger Feld, wo jährlich dreistellige Millionen-Beträge in den Umsätzen stehen.

Ralf Fährmann (FC Schalke 04): S04 setzt auf Erfahrung im Tor statt auf ein Talent

Ein junger Torwart, dem auf Schalke die Zukunft gehört, dürfte sich dennoch zweimal überlegen, ob er wie Markus Schubert zuletzt in einen Zweikampf mit Ralf Fährmann gehen will. Darüber hinaus hat Letzterer in den vergangenen Jahren gezeigt, dass er nicht unbedingt gerne die Nummer zwei ist und nur auf der Bank sitzt. Stattdessen flüchtete er (erfolglos) erst nach England und dann nach Norwegen. Selbst mit dem neuen Gehalt wäre der 32-Jährige dann aber in Zukunft ein teurer Bankdrücker.

Dennoch: Das jetzt kurzfristig eingesparte Geld braucht der FC Schalke 04 dringend, der wiederum einen alles andere als schlechten Torwart behält. Die Vertragsverlängerung war darüber hinaus notwendig, um den eingeschlagenen Konsolidierungskurs beibehalten zu können.

Ein in der heutigen Zeit beachtliches Zeichen ist es vom Schlussmann außerdem, den Deal zügig und ohne Störgeräusche über die Bühne gebracht zu haben. Manch ein Fußballer setzt sich auch mit einem Taschentuch auf ein Podium und verabschiedet sich tränenreich, weil er den Klub seines Herzens aus finanziellen Gründen verlassen muss - und ihm 20 Millionen Euro Gehalt nicht reichen.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © RHR-FOTO/Tim Rehbein

Mehr zum Thema