Analyse

Schalke-Pleite in Frankfurt: Aber 04 Dinge machen dem S04 trotzdem Hoffnung

Schalke 04 verliert am Ende deutlich in Frankfurt. Doch das Ergebnis trügt, der S04 zeigte eine gute Leistung, die Hoffnung macht. Eine Analyse.

Gelsenkirchen/Frankfurt – „Wer sie vorne nicht macht, kriegt sie hinten rein“ – wohl kaum passte dieser Spruch so gut wie am Samstag (21. Januar) zum FC Schalke 04. Bei der 0:3-Niederlage des S04 gegen Eintracht Frankfurt machten die Königsblauen viel Hoffnung für den Klassenverbleib, analysiert RUHR24-Redakteur Marcel Witte.

Schalke-Pleite in Frankfurt: Aber 04 Dinge machen dem S04 trotzdem Hoffnung

3:0 für Eintracht Frankfurt stand es groß auf den Anzeigetafeln im Deutsche Bank Park. Ungläubig wirkten nicht nur die Spieler, sondern auch viele Fans des FC Schalke 04 nach der Pleite gegen die SGE. Wie konnte der S04 dieses Spiel nur verlieren? Und dann auch noch so hoch? Sky-Experte Erik Meijer drückte es passend aus: „Ich habe heute das beste Bundesliga-Spiel von Schalke gesehen.“

14:8-Torschüsse, 1,76:1,24-Expected-Goals, 55:45-Prozent Ballbesitz, 77:73-Prozent Passquote – der S04 überzeugte beim neuen Bundesliga-Tabellenzweiten, kaufen können sich die Schalker angesichts des Ergebnisses von 0:3 davon allerdings nichts. Doch 04 Dinge wecken trotzdem die Hoffnung, dass die Königsblauen in dieser Saison noch die Kurve bekommen können.

Schalke-Hoffnung Nummer eins: S04 aggressiv gegen den Ball, auch Mario Götze ist überrascht

1. Aggressive Schalker: Von Beginn an stimmte der Einsatz. Thomas Reis erklärte bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in Frankfurt, sein Team solle aggressiv angreifen, eng am Mann sein und selbst Räume finden, um Nadelstiche zu setzen. Genau das tat der S04.

Spielerisch war es keine Glanzleistung, Schalke 04 offenbarte immer wieder Probleme im Spielaufbau. Doch das Spiel gegen den Ball war stark. Frankfurts Mario Götze erkannte nach der Partie am Sky-Mikro an: „Wir wussten, dass sie hohes Risiko gehen, Eins-gegen-Eins spielen. Es war überraschend, dass sie so mutig waren und offensiv gespielt haben.“ Für den Mut hat sich der FC Schalke 04 fast belohnt – wäre da nicht ein großes Manko.

Schalke-Hoffnung Nummer zwei: Der S04 taucht häufig vor dem gegnerischen Tor auf

2. Viele Chancen erarbeitet: 14 Torschüsse lieferte der S04 ab, ein Tor sprang nicht heraus. Soichiro Kozuki traf den Pfosten und scheiterte zudem, wie auch Simon Terodde, aus kurzer Distanz an Kevin Trapp.

„Frankfurt hat aus wenig Möglichkeiten Kapital geschlagen. Das sieht man beim 1:0, dass die im Tempo bleiben. Wir benötigen für solche Dinge acht Chancen, das ist der Unterschied, warum Frankfurt oben steht und wir unten“, analysierte Trainer Thomas Reis nach dem Spiel.

Doch im Vergleich zu vielen Bundesliga-Spielen im Jahr 2022 strahlte der FC Schalke 04 echte Torgefahr aus! Was wäre wohl passiert, wenn Kozuki und Terodde ihre Chancen genutzt hätten? Dann würden wir hier jetzt über einen souveränen Auftaktsieg des S04 sprechen.

Soichiro Kozuki zeigte beim FC Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt eine starke Leistung.

Schalke-Hoffnung Nummer drei: Soichiro Kozuki überzeugt bei seinem Bundesliga-Debüt

3. Kozuki macht Spaß und Hoffnung: Er war bei seinem Bundesliga-Debüt der beste Schalker auf dem Platz und bekommt in der RUHR24-Einzelkritik zum S04 gegen Frankfurt die Note 1,5. Der Japaner Soichiro Kozuki ließ seinen Gegenspieler Ansgar Knauff ein ums andere Mal alt aussehen auf der rechten Außenbahn.

Trainer Thomas Reis forderte Verstärkungen für die Außenbahn, der erhoffte Flügel-Transfer beim S04 lässt noch auf sich warten. Mit Soichiro Kozuki hat Schalke 04 aber bereits jetzt einen Profi, der Spaß und Hoffnung verbreitet. Der 22-Jährige hatte zwar auch Pech im Abschluss, doch auf diese Leistung lässt sich aufbauen. Und womöglich finden die „Knappen“ ja in den kommenden Tagen auf dem Transfermarkt noch einen ähnlichen Spieler.

Schalke-Hoffnung Nummer vier: Michael Frey ist sofort ein Fixpunkt nach der Einwechslung

4. Michael Frey strahlt Torgefahr aus: Schalke-Neuzugang Michael Frey, erst am Freitag (20. Januar) bei den Blau-Weißen vorgestellt, war in Frankfurt direkt im Kader. Trainer Thomas Reis ließ den Stürmer bis zur 82. Minute auf der Bank schmoren. Doch in rund 15 Minuten inklusive Nachspielzeit deutete der 28-Jährige bereits an, warum er geholt wurde und war ein Fixpunkt im Offensivspiel.

Michael Frey machte Bälle in der Spitze fest, gewann Luft-Duelle, legte das Leder ab, leitete Flankenläufe ein. Und in der Mitte stand er dort, wo der Ball hinkam. Zwei Schüsse verbuchte der kahlköpfige Angreifer in den Schlussminuten. Mit seiner Einwechslung strahlte der S04 zum Spielende nochmal Torgefahr aus. Eine klare Empfehlung für einen baldigen Startelf-Einsatz.

Michael Frey strahlte nach seiner Einwechslung sofort Torgefahr für Schalke 04 aus.

Schalke-Schwächen machen den Unterschied aus: Die Hoffnung beim S04 lebt aber

All das darf natürlich nicht die eklatanten Schwächen des S04 in Frankfurt überdecken. Wie sich Henning Matriciani und Maya Yoshida bei den Gegentoren überrumpeln ließen, war nicht Bundesliga-würdig.

„Wir haben gemerkt, dass individuelle Dinge die Partie entschieden haben“, sagte Thomas Reis nach der Partie bei Sky. Und Henning Matriciani ergänzte: „Ich hätte vielleicht ein bisschen mehr die Seite anbieten müssen, die andere Seite schließen. Natürlich kann ich ihn stoppen.“

Nutzt der S04 aber gegen RB Leipzig am Dienstag (24. Januar, 18.30 Uhr) seine Chancen und stellt sich in der Defensive besser an, ist in der Veltins-Arena durchaus mindestens ein Remis möglich. Oder wie es Sky-Experte Erik Meijer ausdrückte: „Wenn du so gut spielen kannst gegen Frankfurt, warum dann nicht auch gegen Leipzig?“

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