S04-Trainer im Fokus

Schalke 04 setzt auf ungewöhnlichen Wechsel: Trainer verteilt Ohrfeige an Trio

Dimitrios Grammozis steht vor seinem sitzenden Co-Trainer in der Coaching-Zone hebt leicht die rechte Hand.
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Der FC Schalke 04 fiel in Paderborn mit einer ungewöhnlichen Einwechselung auf.

Sechs Defensiv-Spezialisten saßen beim FC Schalke 04 in Paderborn auf der Bank. Eingesetzt wurde einer, mit dem niemand gerechnet hat.

Paderborn – An defensiven Alternativen mangelt es dem FC Schalke 04 in dieser Saison nun wahrlich nicht. Unabhängig vom Last-Minute-Abgang von Stürmer Matthew Hoppe ist die königsblaue Offensive quantitativ schlechter besetzt als die hintersten Reihen.

FC Schalke 04: Sechs Abwehr-Spieler auf der S04-Bank – auch Henning Matriciani

Beim 1:0-Sieg des S04 in Paderborn saßen mit Dries Wouters, Reinhold Ranftl, Mehmet-Can Aydin, Timo Becker, Kerim Calhanoglu und Henning Matriciani gleich sechs Defensiv-Spezialisten auf der Bank. Ein Ersatz-Torwart, ein offensiver Mittelfeldspieler und ein Stürmer komplettierten die Reihe.

Zugegeben: Beim FC Schalke 04 fiel Dominick Drexler wegen Knie-Problemen verletzt aus und Mehmet-Can Aydin sowie der offensive Rechtsverteidiger und Neuzugang Darko Churlinov können auch weiter vorne spielen. Dennoch hat Trainer Dimitrios Grammozis für die Offensive nicht gerade die Qual der Wahl.

FC Schalke 04: Darko Churlinov der vierte Rechtsverteidiger beim S04

Trotzdem setzte der 43-Jährige erneut auf Darko Churlinov als offensiven Rechtsverteidiger. Der nordmazedonische Nationalspieler könnte auf beiden Außenbahnen spielen, als Spielmacher und sogar als hängende Sturm-Spitze.

Doch die Leihgabe des VfB Stuttgart muss hinten rechts ran, die Problemstelle der „Knappen“, auf der sich zuvor schon drei andere Spieler nicht nachhaltig durchsetzen konnten. Zuletzt hatte Dimitrios Grammozis schon Reinhold Ranftl und Mehmet-Can Aydin unter Druck gesetzt. Von dem S04-Duo könne und müsse mehr kommen. Einzig den Beweis sind sie bislang schuldig geblieben.

Der FC Schalke 04 fiel in Paderborn mit einer ungewöhnlichen Einwechselung auf.

FC Schalke 04: Hennig Matriciani statt Reinhold Ranftl, Dries Wouters oder Timo Becker eingewechselt

In Paderborn verließen Darko Churlinov, der bei allen drei Länderspielen binnen einer Woche zuvor jedes Mal in der Startelf gestanden und die meisten Minuten aller abgestellten Nationalspieler absolviert hatte, im Laufe der zweiten Halbzeit die Kräfte. Dimitrios Grammozis reagierte dann.

Der S04-Trainer wechselte den 21-Jährigen nach 85 Minuten aus. Doch weder Reinhold Ranftl noch Dries Wouters oder Timo Becker bekamen ihre Chance, sondern Henning Matriciani. Mehmet-Can Aydin war schon in der 70. Minute für den bereits gelb-vorbelasteten Florian Flick eingewechselt worden.

FC Schalke 04: Dimitrios Grammozis lobt S04-Joker Henning Matriciani für sein Training

Dimitrios Grammozis begründete nach dem offiziellen Teil der Pressekonferenz in Paderborn die Einwechselung von Henning Matriciani damit, dass „der Junge uns jeden Tag zeigt, wie heiß er darauf ist, bei uns zu spielen“, wie Funke Sport den 43-Jährigen zitiert. „Wir haben sehr viel im Zweikampfbereich gearbeitet, da wir wussten, was auf uns zukommen würde, dass die Räume sehr eng sein werden, in denen wir uns behaupten müssen. Das hat er toll gemacht.“

Henning Matriciani (r.) absolvierte sein erstes Zweitliga-Spiel für den FC Schalke 04.

Der 21-Jährige war im Sommer 2020 zum FC Schalke 04 gekommen und dort aber eigentlich nur für die S04-Reserve in der Regionalliga vorgesehen. „Henning ist schon in der vergangenen Saison zu uns gekommen, hat in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt in seinem Einsatz gezeigt, dass er Potenzial hat. Jetzt arbeitet er ohne Ende. Er reißt sich jeden Tag den Hintern auf. Ich finde, dass das belohnt werden muss“, so der Trainer weiter.

FC Schalke 04: Einsatz von Henning Matriciani schallende Ohrfeige für ein S04-Trio

In der Tat wusste Henning Matriciani beim spektakulären 4:3-Sieg des FC Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt gegen den ansonsten überragend aufspielen Filip Kostic zu überzeugen und konnte den Linksaußen größtenteils in Schach halten. Doch diese Saison war der gelernte Innenverteidiger eigentlich nicht für die Profis vorgesehen.

Weil aber während der Länderspielphase zwischenzeitlich zehn Profis aus unterschiedlichen Gründen nicht mittrainieren konnten, rückte der gebürtige Lippstädter nach oben auf – und überzeugte offenbar. Ein Denkzettel für die gestandenen Profis sei das nicht gewesen, betonte Dimitrios Grammozis, sondern der Lohn für gute Arbeit.

Dennoch ist es für Timo Becker, Dries Wouters und Reinhold Ranftl die nächste schallende Ohrfeige. Vor allem für die beiden Letztgenannten. Es scheint, dass diese beiden Neuzugänge sehr viel länger zur Eingewöhnung in der 2. Liga brauchen, als andere. Selbst als ein Regionalliga-Spieler, der zuvor nicht ein einziges Mal diese Saison im Kader stand.

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