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Schalke 04: Gazprom-Kritik von Raphael Brinkert – S04 reagiert sofort

Schalke 04 soll laut Raphael Brinkert den Gazprom-Vertrag auflösen. Der S04 reagierte sofort.

Update, Donnerstag (24. Februar), 20.08 Uhr: Die Königsblauen reagierten auf die zunehmende Kritik, wie etwa von Raphael Brinkert. So löst der Ukraine-Krieg erste Gazprom-Folgen beim S04 auf, Matthias Warnig sitzt nicht mehr im Aufsichtsrat des Klubs. Zudem kündigte der FC Schalke 04 an, Gazprom von seinen Trikots zu entfernen. Der Klub läuft fortan mit dem Schriftzug „Schalke 04“ auf der Brust seiner Jerseys auf. Eine Auflösung des Vertrags des Hauptsponsors war bislang aber noch kein Thema.

UnternehmenGazprom
GründungAugust 1989
HauptsitzSt. Petersburg, Russland
CEOAlexei Borissowitsch Miller (seit 2001)
BrancheErdöl, Erdgas, Satellitenkommunikation

Schalke 04: Kritik an Gazprom – Raphael Brinkert fordert drastischen Schritt

Erstmeldung, Dienstag (22. Februar), 11.46 Uhr: Seit dem 1. Januar 2007 ziert der Schriftzug von Gazprom die Brust der Trikots des FC Schalke 04. In der Veltins-Arena ist der russische Öl-Gigant omnipräsent. Mit Matthias Warnig sitzt der CEO der „Nord Stream 2 AG“ (einer Tochterfirma von Gazprom) im Aufsichtsrat des S04. Durch die aktuellen Entwicklungen im Russland-Ukraine-Konflikt mehren sich die Stimmen im Schalker Umfeld nach einer Auflösung des Sponsoring-Vertrags.

Erst im Frühjahr 2021 verlängerte der FC Schalke 04 den Sponsoring-Vertrag mit Gazprom, beide Parteien vereinbarten eine Rekordsumme für die zweite Liga. Im neuen Kontrakt, der bis zum Jahr 2025 Gültigkeit besitzt, soll eine jährliche Zahlung von bis zu 10 Millionen Euro an den S04 festgeschrieben sein. Im Falle des Bundesliga-Aufstiegs würde sich diese Summe erhöhen.

Doch droht jetzt das Aus zwischen den Königsblauen und Gazprom? Vor dem politischen Hintergrund des Russland-Ukraine-Konflikts fordert jetzt Raphael Brinkert diesen drastischen Schritt. Der meist ausgezeichnete Sport-Marketer und Begründer der S04-Zukunftself äußerte sich via Twitter kritisch zu der Zusammenarbeit – und begründet im Gespräch mit RUHR24 seine Forderung.

Schalke 04: Raphael Brinkert spricht exklusiv über seine Forderung zum S04-Ende mit Gazprom

„Der S04 ist qua Verantwortung und Leitbild gefordert, den Vertrag mit Gazprom unmittelbar aufzulösen. Dafür braucht es Support – insbesondere den von Politik, Wirtschaft und Fans“, schrieb Raphael Brinkert, der im Jahr 2021 die Wahlkampagne der SPD für die Bundestagswahl führte, via Twitter.

So heißt es etwa im Leitbild des Klubs: „Diese Werte bilden im Leben unserer Vereinsfamilie die Grundlage unseres Handelns. Interessenkonflikte – persönlicher oder wirtschaftlicher Natur -, die diesen Werten widersprechen, legen wir rechtzeitig vereinsintern offen.“

RUHR24 erreichte Raphael Brinkert am Dienstagmorgen (22. Februar) telefonisch. Der 44-Jährige erklärte, dass in einem Ausstieg des S04 aus dem Sponsoring-Vertrag mit Gazprom mehr eine Chance als ein Problem sehe: „Es ist eine Situation, in der der S04 durch seine Haltung extrem an Sympathie und Image gewinnen kann, was über die vergangenen Jahre verloren ging.“

Raphael Brinkert fordert einen drastischen Schritt vom FC Schalke 04 mit Blick auf das Gazprom-Sponsoring.

Schalke 04: Gazprom-Aus wäre laut Raphael Brinkert „ein Signal des Aufbruchs und des Neuanfangs“

So führt das S04-Vereinsmitglied weiter aus, dass eine Auflösung des Sponsoringvertrags „ein Signal des Aufbruchs und des Neuanfangs“ wäre. Der FC Schalke 04 könne mit einer cleveren Vorgehensweise einen PR-Coup landen und Deutschland-weit Sympathien sammeln.

Er selbst habe seit Beginn des Sponsorings durch Gazprom kein Schalke-Trikot mehr gekauft. „Mein Sohn ist sechs Jahre alt und hat bis heute kein einziges Schalke-Trikot“, so Raphael Brinkert.

Sollte künftig ein anderer Sponsor auf der Brust der S04-Jerseys prangen, der mit dem Leitbild des Klubs vereinbar wäre, würde der Marketing-Experte sofort im Fanshop zuschlagen. Die Zahl der Trikot-Verkäufe könnte sich erhöhen – das würde ein finanzielles Plus für den FC Schalke 04 bedeuten.

Schalke 04: Gazprom-Ende wäre laut Raphael Brinkert eine Chance für den S04

Ein Gazprom-Ausstieg würde die Finanzen der Königsblauen negativ beeinflussen. Kurzfristig könnte der russische Öl-Gigant womöglich sogar Regressansprüche deutlich machen, so Raphael Brinkert, sollten etwa Zahlungen im Vorfeld für etwaige Leistungen geflossen sein.

Doch der 44-Jährige sieht eine Chance für den S04: „Man muss es ganzheitlich betrachten: Viele Sponsoren und Business-Seats-Inhaber gingen in der Vergangenheit lieber nach Dortmund, Köln oder Gladbach, weil Gazprom der Hauptsponsor des Klubs ist. Es würde die Chance entstehen, zu einem anderen Wertekosmos in der Unternehmenspyramide zu kommen.“

Womöglich wären sogar Sponsoren wie Veltins oder die R+V-Versicherungen bereit, zumindest kurzfristig als Hauptsponsor einzuspringen. „Für den ‚Goodwill‘ bei einem der größten Klubs der Welt einsteigen, das würde ich als großes Unternehmen für mich nutzen“, so Raphael Brinkert.

Schalke 04: Raphael Brinkert fordert eine deutliche Stellungnahme des S04 zu Gazprom

Der FC Schalke 04 müsse im Falle eines Entscheids zu einem Ausstieg aus dem Gazprom-Vertrag allerdings „sehr deutlich Stellung beziehen und Haltung einfordern“. Die Haltung des S04 war Anfang Februar bei einer Pressekonferenz des Vorstandes klar: „Wir sind dankbar und froh, mit Gazprom Germania einen verlässlichen Partner an unserer Seite zu haben“, erklärte der neue Vorstandsvorsitzende Bernd Schröder am 8. Februar.

Für Raphael Brinkert diene aber der FC St. Pauli als Vorbild. Der Hamburger Kultklub veröffentlichte im Jahr 2018 sogar einen eigenen Leitfaden für Werbepartner und Sponsoren. Drei Regeln sind darin aufgeführt:

  • 1. Keine Werbung, die Menschen als sexuelle Gebrauchsgegenstände darstellt.
  • 2. Keine Werbung, die Menschen aufgrund ihres Geschlechts bestimmte Rollen zuordnet.
  • 3. Keine Werbung, die ein generelles geschlechtsbezogenes Über/Unterordnungsverhältnis darstellt.

„Man muss es ganzheitlich betrachten: Viele Sponsoren und Business-Seats-Inhaber gingen in der Vergangenheit lieber nach Dortmund, Köln oder Gladbach, weil Gazprom der Hauptsponsor des Klubs ist. Es würde die Chance entstehen, zu einem anderen Wertekosmos in der Unternehmenspyramide zu kommen.“

Raphael Brinkert

Schalke 04 reagiert auf Kritik an Gazprom-Sponsoring

Der S04 beantwortete eine RUHR24-Anfrage am Dienstagmittag (22. Februar) wie folgt: „Mit großer Sorge verfolgt auch der FC Schalke 04 die jüngsten Entwicklungen in Osteuropa. Der Verein ist sich in diesem Kontext seiner besonderen Rolle unter den deutschen Sportvereinen bewusst: Mit Gazprom Germania, einer deutschen Tochter des staatlichen russischen Energieunternehmens Gazprom, hat der S04 seit nunmehr 15 Jahren einen zuverlässigen Partner und einen relevanten Gaslieferanten der Bundesrepublik Deutschland an seiner Seite.“

Der Klub stehe mit Gazprom im Austausch. So heißt es weiter in der Stellungnahme des Vereins: „Für den FC Schalke 04 steht außer Frage, dass sich der Verein für Frieden und ein friedliches Miteinander einsetzt, die Mitglieder haben die Gewaltfreiheit im Leitbild (§8) festgeschrieben: ‚Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus.‘ S04 hat diese Haltung auch in Gesprächen mit Gazprom Germania geäußert. Der FC Schalke 04 wird die weitere Entwicklung beobachten, bewerten und nachdrücklich zum Frieden appellieren – zum Schutz der von der Krise betroffenen Menschen.“

Schalke 04: Raphael Brinkert sieht S04 in der Pflicht, die Chance zu „verwandeln“

Ob eine Auflösung des Vertrags mit Gazprom sofort möglich sei, blieb jedoch unbeantwortet. Der 44-jährige Raphael Brinkert sieht die Thematik zwischen dem FC Schalke 04 und Gazprom aber glasklar: „Chancen bestehen, Chancen muss man verwandeln.“

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/DPA, Collage: RUHR24

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