Kommentar

FC Schalke 04 sollte jetzt nur kurz jubeln: Jetzt muss der Ketchup-Effekt folgen

Ein Anfang ist getan. Mehr aber nicht. Der FC Schalke 04 muss wegen seiner prekären Lage jetzt nachlegen, meint RUHR24-Redakteur Raphael Wiesweg. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen - Der FC Schalke 04 darf sich wieder berechtigte Hoffnungen auf den Bundesliga-Klassenerhalt machen. Zum einen, weil der S04 nach 358 Tagen ohne Sieg im deutschen Fußball-Oberhaus auf einen Gegner traf, der unfähig war ein Tor zu erzielen. Zum anderen, weil beim S04 vor allem ein Trio einen überragenden Tag erwischte.

FC Schalke 04: Sead Kolasinac und Amine Harit bringen sich und den S04 auf ein neues Level

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die Großes bewirken können. Unter der Woche senste Sead Kolasinac (27) gleich in seiner ersten Trainingseinheit Amine Harit (23) nach nur wenigen Minuten um. Der vom FC Arsenal ausgeliehene Linksverteidiger suchte aber ebenso zwischendurch auch das Gespräch mit dem technisch so versierten Offensivspieler, der seit Monaten aber neben sich steht und seit Sommer 2020 eigentlich nur weg will aus Gelsenkirchen.

Vor dem 4:0-Sieg des FC Schalke 04 gegen die TSG Hoffenheim spielten sich beide gemeinsam beim Aufwärmen die Bälle zu und im Spiel gab Sead Kolasinac hier und da Amine Harit mal einen aufbauenden Klaps auf den Hinterkopf, wenn dieser mal wieder nur durch ein Foulspiel zu stoppen war. Keine Frage: Die „bosnische Kampfmaschine“ hat für einen Ruck in der königsblauen Mannschaft gesorgt.

FC Schalke 04: Drei Punkte noch wichtiger als das Verpassen des Negativrekordes von Tasmania Berlin

Sein Zug zum Tor nach nicht einmal 100 Sekunden gegen die TSG Hoffenheim wirkte wie ein Signal: Seht her, jetzt weht hier ein anderer Wind. Ab sofort wehren wir uns gegen den freien Fall.

Der Lohn knapp zwei Stunden später war ein Sieg. Der erste nach 30 (!) Partien. Im allerletzten Moment wurde somit der Negativrekord von Tasmania Berlin nicht eingestellt. Viel wichtiger aber waren für den FC Schalke 04 die drei Punkte.

FC Schalke 04: Zum ersten Mal seit dem 8. Bundesliga-Spieltag nicht mehr Tabellenletzter

Zum ersten Mal seit dem 8. Spieltag stehen die „Knappen“ nicht mehr auf dem letzten Tabellenplatz. Zwar zieren sie noch immer einen Abstiegsplatz. Doch für das rettende Ufer liegen jetzt Schwimmwesten bereit, die keine Löcher mehr haben.

Torwart Ralf Fährmann hielt den FC Schalke 04 gegen die TSG Hoffenheim wiederholt im Spiel.

Ralf Fährmann (32), Amine Harit und Matthew Hoppe (19) haben sie fleißig gestopft, weswegen es in der Einzelkritik zum S04-Sieg gegen die TSG Hoffenheim dreimal die Note 1 gab. Amine Harit, weil er drei Tore vorlegte, einen Treffer selbst erzielte und darüber hinaus wie ausgewechselt wirkte.

FC Schalke 04: Torwart Ralf Fährmann hielt den S04 mehr im Spiel

Der junge Schalke-Stürmer Matthew Hoppe, weil er mit seinem Hattrick gegen die TSG Hoffenheim Bundesliga-Geschichte geschrieben hat. Und Ralf Fährmann erhielt die Note 1, weil er den S04 wiederholt im Spiel hielt.

So groß die Erleichterung und Freude über den Sieg ist, muss daher auch der Finger in die Wunde gelegt werden: Ohne den Glanztag des Torhüters, wären die „Knappen“ schon in Halbzeit eins baden gegangen.

FC Schalke 04: Transfer von einem Rechtsverteidiger und Stürmer nach wie vor notwendig

Es ist nachvollziehbar, wenn der Aufsichtsrat des FC Schalke 04 kreative Lösungen für Transfers von Sportvorstand Jochen Schneider (50) fordert. Nach wie vor stünden ein Rechtsverteidiger und ein Mittelstürmer dem S04 sehr gut zu Gesicht.

Ein Matthew Hoppe hatte nicht umsonst zuvor nur einmal in 16 Regionalliga-Spielen getroffen und von Mark Uth (29) nach der 0:2-Pleite bei Hertha BSC mehr oder weniger indirekt die Qualität für die Bundesliga abgesprochen bekommen. Die Lage in Gelsenkirchen am Ernst-Kuzorra-Weg und Rudi-Assauer-Platz ist zu prekär, dass die offensichtlichen Missstände nicht weiterhin klar angesprochen werden dürfen, bis sie behoben wurden.

FC Schalke 04: Sieg ist wichtig für die S04-Psyche

Doch damit das klappt, war der Sieg der Königsblauen gegen die Kraichgauer von elementarer Bedeutung. Vor allem für die Psyche.

Die Profis des FC Schalke 04 sollen das Wochenende unbedingt nutzen, um ihre Freude auf den Social-Media-Plattformen kundzutun. Lange genug mussten sie sich dort zurückhalten, Phrasen dreschen und Trübsal blasen.

FC Schalke 04: Manuel Baum hat die Ketchup-Flasche geöffnet - Christian Gross hat darauf gehauen

„Wir sind wie eine neue Ketchup-Flasche, auf die man nach dem Öffnen erst noch einmal klopfen muss, damit etwas herauskommt. Wir klopfen noch“, hatte einst Ex-Trainer Manuel Baum (41) über die Situation des S04 gesagt. Nachfolger Christian Gross (66) hat nun mächtig darauf gehauen.

Der 66-Jährige hat einst in seiner Karriere schon den VfB Stuttgart und Tottenham Hotspur in schwierigen Situationen vor dem Abstieg bewahrt. Sie seien zwar mit der in Gelsenkirchen nicht vergleichbar, so Gross. Schließlich sei die Aufgabe bei den stolzen „Knappen“ eine große Herausforderung. Doch nun, wo die Schwimmwesten geflickt sind und die Ketchup-Flasche läuft, sollte er unbedingt den Schwung nutzen und mitnehmen. Denn bedrohlich ist die Lage für den FC Schalke 04 nach wie vor noch.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Frank Peters/Kirchner-Media

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