Schwerer Schicksalsschlag

Schlimme Krebs-Erkrankung: Jochen Schneider bangte während Schalke-Zeit um Ehefrau

Jochen Schneider erlebte auf Schalke keine einfache Amtszeit. Zudem musste der Ex-S04-Sportvorstand einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen, wie jetzt bekannt wurde.

Gelsenkirchen – Über die personellen Entscheidungen, die Jochen Schneider (50) während seiner knapp zweijährigen Amtszeit als Sportvorstand des FC Schalke 04 traf, lässt sich sicher streiten. Zugutehalten muss man dem 50-Jährigen aber, dass er das sinkende Schiff nicht vorzeitig verließ. Diese aufrichtige Haltung erscheint angesichts eines jüngst veröffentlichten Berichts in einem ganz neuen Licht.

FußballfunktionärJochen Schneider
Geboren13. September 1970 (Alter 50 Jahre), Mutlangen
letzte StationFC Schalke 04
PositionSportvorstand

Jochen Schneider: Ex-Sportvorstand von Schalke 04 erlebte Anfang 2020 nicht nur berufliche Turbulenzen

Anfang April 2020 legten sich trotz des Frühlingsbeginns dunkle Wolken über das S04-Vereinsgelände am Berger Feld in Gelsenkirchen. Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde die Saison in der Fußball-Bundesliga unterbrochen. Wann und wie es weitergehen würde, war zunächst unklar.

Die Ungewissheit nahm insbesondere für Schalke 04 bedrohliche Züge an. Die ohnehin schon klammen Schalker waren auf die Einnahmen an Spieltagen, besonders aber auf die TV-Gelder angewiesen. Es ging um die „Existenz“ des Vereins, hatte Marketing-Vorstand Alexander Jobst (47) in einer Pressemitteilung erklärt.

Jochen Schneider: Ärzte stellten Hirntumor bei Frau von Ex-S04-Sportvorstand fest – mehrere Operationen

Inmitten dieser prekären Zeit ereilte Jochen Schneider auch noch ein ganz persönlicher Schicksalsschlag. Bei seiner Frau Annabella (36) entdeckten Ärzte am 9. April einen Gehirntumor – etwa in der Größe eines Tennisballs. Das verriet der 50-Jährige jetzt der Bild.

Die erste von vier Operationen fand noch am selben Tag statt. Das Leben von Jochen Schneider stellte sich nach der schockierenden Diagnose komplett auf den Kopf. Plötzlich musste sich der 50-Jährige alleine um seine Frau, seine Kinder (zwei Söhne und eine Tochter) und seine Aufgaben auf Schalke kümmern (mehr zu Jochen Schneider auf RUHR24.de).

Anfang April 2020 stellte sich das Leben von Ex-S04-Sportvorstand Jochen Schneider auf den Kopf.

Über Wochen pendelte der Ex-Sportvorstand, für dessen Nachfolge sich beim S04 eine Lösung abzeichnet, regelmäßig von Gelsenkirchen nach Stuttgart. Die Zeit sei brutal gewesen. Doch wenn man im Alltag stecke, „funktioniert man irgendwie“.

Schalke 04 unterstützte Jochen Schneider nach Schicksalsschlag – auch Clemens Tönnies half

Unterstützung habe Jochen Schneider von den „einfühlsamen“ Mitarbeitern des Vereins erfahren. „Da hat man gespürt, was Schalke ausmacht.“ Auch Clemens Tönnies (64), der zu dieser Zeit noch Aufsichtsratsvorsitzender beim S04 war, sei eine Hilfe gewesen.

So hätte er am Morgen nach der ersten Operation die Familie in Stuttgart mit Frühstück im Gepäck besucht und im weiteren Verlauf der Behandlung den Kontakt zu einem Spezialisten nach München hergestellt. „Dafür werden wir der Familie Tönnies ewig dankbar sein“, so Jochen Schneider gegenüber der Bild. Mittlerweile geht es seiner Frau wieder gut, der Hirntumor wurde erfolgreich entfernt.

Clemens Tönnies (r.) unterstützte die Familie von Jochen Schneider während der Behandlung.

Trotz des Rückhalts aus dem Verein habe der gebürtige Mutlanger in Erwägung gezogen, seinen Posten beim FC Schalke 04 zu räumen. Im Sommer sei ihm aufgrund der privaten Situation dieser Gedanke gekommen. Nach den Abgängen von Tönnies und Finanzvorstand Peter Peters (58) sei das aber keine Option gewesen. „Wir waren ja nur noch zwei Vorstände und die Herausforderungen immens.“

Nach Aus von Jochen Schneider als Sportvorstand beim S04: Ruhe auf Schalke noch lange nicht in Sicht

Im Februar 2021 endete die Amtszeit von Jochen Schneider als S04-Sportvorstand nach heftigen Protesten der Fans letztlich doch. Zu viele Personalentscheidungen, die sich im Nachhinein als Fehler entpuppten, gingen auf die Kappe des sportlichen Gesamtverantwortlichen. Zudem glaubte kaum noch jemand, dass Schalke unter seiner Regie der sportliche Turnaround gelingen würde.

Als letzter großer Fehlgriff erwies sich die Installation von Christian Gross (66) als Cheftrainer. Der Schweizer sollte dem Tabellenletzten als Ass im Ärmel doch noch zum Klassenerhalt verhelfen, scheiterte allerdings schon an den Vornamen seiner eigenen Spieler. Kurz vor seinem Rauswurf sollen einige Profis sogar eine Revolte gegen den Übungsleiter angezettelt haben.

Nach der abermaligen „Stunde Null“ auf Schalke trat bislang allerdings keine Besserung geschweige denn Ruhe ein. Denn ein Nachfolger für Jochen Schneider muss noch immer gefunden werden. Wenngleich die Causa Ralf Rangnick (62) wohl abgehakt werden kann, dauern die Grabenkämpfe zwischen Aufsichtsrat, Fans und externen Interessensgemeinschaften in Gelsenkirchen an.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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