Selbstkritik beim Sportvorstand

Nach Schalke-Aus verrät Jochen Schneider: Drei Dinge würde er jetzt anders machen

Jochen Schneider ist noch keine zwei Jahre beim FC Schalke 04, da ist sein Aus schon beschlossen. Der Sportvorstand räumte vor Fans jetzt einige Fehler ein.

Gelsenkirchen – Der Fall des FC Schalke 04 war tief: War der S04 in der Saison 2017/18 noch Tabellenzweiter, reichte es in der darauffolgenden Spielzeit nur noch für den 14. Platz. Jochen Schneider (50), der im März 2019 das Erbe von Christian Heidel (57) antrat, sollte für Aufschwung sorgen, doch stattdessen ist der S04 jetzt abgeschlagenes Tabellenschlusslicht.

PersonJochen Schneider
Geboren13. September 1970 (Alter 50 Jahre)
VereinFC Schalke 04
FunktionSportvorstand

Jochen Schneider auf Schalke: S04-Sportvorstand räumt Fehler ein – und verrät Verbesserungspotenzial

Die Konsequenz: Schalke und Jochen Schneider gehen getrennte Wege, wie am Dienstag (16. Februar) bekannt wurde. An jenem Dienstag nutzten beim vereinsinternen Format „mitGEredet digital“ laut Moderator Jörg Seveneick etwa 800 Vereinsmitglieder die Möglichkeit, sich mit dem S04-Sportvorstand auszutauschen.

90 Minuten stellte sich der Funktionär den Fragen der S04-Fans zu unterschiedlichen Belangen. Jochen Schneider musste auch einige Fehler einräumen.

Schalke: Jochen Schneider über Zeit beim S04 – diese drei Dinge würde er anders machen

Denn ein Zuschauer wollte wissen: „Wenn du drei Sachen jetzt anders gemacht hättest, welche wären es dann?“ Jochen Schneider, der sich zuletzt auch von lautstarken S04-Ultras heftige Kritik anhören musste, kam ins Grübeln.

Leichtfertig schien er die Frage nicht beantworten zu wollen. Nach langem Überlegen, weil „die Frage wirklich sehr schwierig“ sei, fing er an. Der S04-Sportvorstand würde „bei manchen Personalien weniger auf Mitgefährten hören und mehr auf mich“.

Jochen Schneider hat verraten, was er rückblickend während seiner Zeit auf Schalke lieber anders gemacht hätte.

Jochen Schneider (FC Schalke 04) über Fehler: S04-Verantwortlicher würde mehr auf sich selbst vertrauen

Konkrete Beispiele nannte der Schalke-Funktionär nicht. Jedoch musste er sich öfter der Kritik unterziehen, nicht nachvollziehbare Personal-Entscheidungen getroffen zu haben.

Auch das Trainer-Debakel, nach dem der S04 noch einige Zeit für die Ex-Trainer Manuel Baum (41) und David Wagner (49) zahlen musste, wird dem Konto von Jochen Schneider zugeschrieben. Immerhin ein kleiner Lichtblick: Der Vertrag von Manuel Baum war kürzer als öffentlich angenommen und ist sogar mittlerweile aufgelöst.

Jochen Schneider beim S04: Der Funktionär spricht vor Fans über Transfers auf Schalke

Außerdem verriet Jochen Schneider, dass er im Nachhinein mit mehr Vehemenz darauf drängen würde, Transfers durchzubekommen. Inzwischen gab der S04 Details preis, wie das neue Scouting laufen soll. Es könnte etwas Zurückweisung vonseiten des Sportvorstandes sein, dass nicht sämtliche Fehlentscheidungen alleine auf seine Mütze gehen.

In der Verantwortung für Transfers stand der Sportvorstand sicherlich nicht alleine. Auch Personen wie Michael Reschke (63), von dem sich der FC Schalke 04 schon im November 2020 trennte, spielten eine Rolle. Er war damals als Technischer Leiter eingesetzt und für die Kaderplanung zuständig. Jochen Schneider und der ehemalige S04-Kaderplaner hatten laut kicker ein „professionelles“ Verhältnis.

S04 in der Krise: Jochen Schneider würde auf Schalke „früher Alarm schlagen“

Der dritte und letzte Aspekt, den Jochen Schneider rückblickend auf Schalke anders machen würde, lässt tief blicken. Denn der S04-Sportvorstand erklärte auf die Frage eines Fans, dass er jetzt „früher und deutlich lauter Alarm“ schlagen würde.

Es habe immer lange Zeit gebraucht, zu viel zu moderieren. Außerdem stellte Jochen Schneider in den Raum, ob die Situation auf Schalke „intern vielleicht zu lange beschönigt“ wurde.

Zu wenig auf das Bauchgefühl gehört. Zu viel auf die Meinung anderer. Zu wenig Rückhalt in Transfer-Verhandlungen. Zu viel diskutiert. Jetzt ist der S04 im Abstiegskampf und Jochen Schneider bald raus. Die blau-weiße Anhängerschaft kann nur hoffen, dass der Verein aus Fehlern lernt und die begangenen nicht teuer zu stehen kommen.

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