Kommentar

Beispielloser Niedergang: Schalke 04 musste sich von Jochen Schneider trennen

Der S04 trennt sich von Jochen Schneider und setzt auf ein Trio mit „Schalke-DNA“. Diese Entscheidung war längst überfällig. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen – Dieser Tag hat dem FC Schalke 04 Gewissheit gebracht. Zwar nicht in der Frage, ob man im nächsten Jahr in der zweiten Liga spielen wird. Doch in der Frage, wer in Zukunft die sportlichen Entscheidungen treffen wird – Jochen Schneider (50) wird es nicht sein. Ein Schritt, der bitter nötig war, findet RUHR24-Redakteurin Katharina Küpper.

PersonJochen Schneider
Geboren13. September 1970 (Alter 50 Jahre)
BerufFußballfunktionär

FC Schalke 04 trennt sich von Jochen Schneider: Der S04-Sportvorstand ist bei den Fans in Ungnade gefallen

Es ist eigentlich überflüssig zu betonen, dass der Noch-Sportvorstand natürlich nicht der alleinige Schuldige ist. Jochen Schneider, der im März 2019 die Nachfolge von Christian Heidel (57) antrat, hatte keinen einfachen Start. Der FC Schalke 04 befand sich bereits im Abstiegskampf. Sowohl die finanzielle als auch die sportliche Ausgangssituation waren angespannt.

Aber spätestens nach dem massiven Protest der Schalke-Ultras gegen die Person Jochen Schneider stand fest, dass es in dieser dramatischen Situation beim S04 keine Zukunft mit ihm geben kann. „Schneider raus“ war die lautstarke Forderung der Fans. „Egal ob Liga eins oder zwei, Jochen, Du bist nicht dabei!“ – und damit sollten sie Recht behalten.

Jochen Schneider beim S04: Verantwortlicher steuerte auf die Schalke-Talfahrt zu

Er hat viele Fehlentscheidungen eingeräumt. Er muss die sportliche Verantwortung für einen beispiellosen Niedergang des S04 mit übernehmen. Mit einer Sieglos-Serie von tasmanischem Ausmaß ist Schalke drei Monate vor Saisonende abgeschlagen Tabellenletzter – mit neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz.

Die Defizite in der Kader-Zusammenstellung beim S04 und bei der Besetzung der Trainer-Position gehen auf das Konto von Jochen Schneider. Alleine in dieser Saison hatten bereits vier Personen das Amt des Cheftrainers inne. Ein kleiner Lichtblick ist die Hoffnung, in Zukunft bei den Zahlungen an Ex-S04-Trainer Manuel Baum und David Wagner entlastet zu werden.

Jochen Schneider musste viel Kritik über sich ergehen lassen. Jetzt trennt sich der Verein von ihm.

Jochen Schneider beim S04: Sportvorstand konnte Schalke nicht retten

Seine Personalentscheidungen haben einfach nicht gegriffen. Hinzu kommt eine schwache öffentliche Außendarstellung.

Die Anhänger des Herzblut-Vereins wissen, dass es eine S04-Zukunft ohne Jochen Schneider sein wird. Am Dienstag (16. Februar) wurde die Trennung des FC Schalke 04 vom glücklosen Sportvorstand zum Ende der Saison verkündet.

Schalke: S04-Zukunft ohne Jochen Schneider – dafür wieder mit viel Herzblut

Aber damit nicht genug: Die Weichen-Stellung für die kommende Spielzeit, egal ob in Liga eins oder Liga zwei, wird von einem Trio vorgenommen, dass künftig die Kaderplanung am Schalker Markt vorantreiben wird. Einem Trio mit Schalke-DNA, wie Aufsichtsratsvorsitzender Jens Buchta (57) sagte.

Die Entscheidung für das Dreigestirn und gegen Jochen Schneider ist auch eine Entscheidung für größere Basisnähe beim S04. Peter Knäbel (54), allen voran aber Mike Büskens (52) und Norbert Elgert (64), stehen für tiefe Verbundenheit mit dem Revier-Verein.

FC Schalke 04: S04 sucht Fannähe im Abstiegskampf – Jochen Schneider muss weichen

Unvergessen sind die Tränen von Mike Büskens bei der „Vier-Minuten-Meisterschaft“ 2001. Und Norbert Elgert gehört europaweit zu den herausragenden Nachwuchsplanern und ist Förderer von Top-Talenten.

Ob dem Trio das Wunder vom Schalker Markt noch gelingen wird, das entscheidet sich in den nächsten Wochen. Und dann müssen die neuen Verantwortlichen mit einem klaren Blick auf Schalke für den Schulterschluss sorgen. Zwischen Fans und Verein – und ohne Jochen Schneider.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa