Kommentar

Mauer-Taktik bringt Erfolg in Kiel: S04 muss jetzt eine neue Stärke ausbauen

Der FC Schalke 04 gewinnt zum ersten Mal seit fast zwei Jahren ein Auswärtsspiel. Beim 3:0-Erfolg über Holstein Kiel zeigte sich eine neue Stärke des S04, wie RUHR24-Redakteur Marcel Witte kommentiert.

Gelsenkirchen – Den Fans des FC Schalke 04 dürfte das Gefühl nach dem 3:0-Sieg des S04 gegen Holstein Kiel nahezu neu vorkommen. Ein Erfolg des eigenen Teams? Dazu mit drei Toren Unterschied? In einem Auswärtsspiel? Das gab es lange nicht mehr bei den Königsblauen.

VereinFC Schalke 04
Gründung4. Mai 1904
StadionVeltins-Arena
OrtGelsenkirchen

FC Schalke 04: Erfolgreiche Mauer-Taktik in Kiel – erster Auswärtssieg seit fast zwei Jahren

Ein Auswärts-Erfolg der Blau-Weißen lag fast zwei Jahre zurück. Damals, am 23. November 2019, gab es ein 2:1 bei Werder Bremen. Ein Sieg mit mindestens drei Toren Unterschied erfolgte in einem Ligaspiel zuletzt am 15. September 2019 beim 5:1 gegen den SC Paderborn. Lange ist es her, damals war der S04 noch Erstligist und nach dem Spiel Sechster der Tabelle.

Doch jetzt geht es in der zweiten Liga zur Sache. Ohne den verletzten Kapitän Danny Latza ging der S04 dennoch als Sieger vom Platz. Das lag vor allem daran, dass die kämpferische Leistung gegen Holstein Kiel durchaus stimmte.

FC Schalke 04: Taktik von Trainer Dimitrios Grammozis hat sich bewährt

So zeigt auch die S04-Einzelkritik gegen Holstein Kiel viel Licht, aber auch Schatten. Wie gegen den Hamburger SV zogen sich die Königsblauen nach einem starken Start zurück und überließen dem Gegner das Feld. Trainer Dimitrios Grammozis erklärte das auf der Pressekonferenz vor der Partie in Kiel bereits als eine Art von Dominanz – eine gewagte These, stellten sich doch viele Schalke-Fans in Liga zwei auf Angriffsfußball ein.

Doch der Trainer behielt zumindest gegen Holstein Kiel recht. Denn hätte der S04 offener agiert, hätten die spielstarken Gastgeber um die Ex-Schalker Fabian Reese, Steven Skrzybski und Phil Neumann noch mehr Platz gehabt. Die Taktik von Dimitrios Grammozis, mit seinem Team immer wieder stark zu pressen, aber auch defensiv stabil stehen zu wollen, hat sich bewährt. Ein Lob an den Coach!

Die Erfolgsgaranten des FC Schalke 04: Thomas Ouwejan (hinten) und Simon Terodde bejubelten gegen Holstein Kiel eine neue Stärke.

FC Schalke 04: Spiel mit dem Ball ausbaufähig – schwächere Gegner folgen jetzt

Wenngleich Holstein Kiel dicke Chancen hatte, sogar so viele, dass der S04 am Ende mit einem verrückten 3:3 noch gut bedient gewesen wäre, stand letztlich ein Sieg für die „Knappen“ fest. Drei Punkte, 3:0 Tore – wie es letztlich dazu kam, fragt im Erfolgsfall in einigen Wochen niemand mehr.

Dass der FC Schalke 04 nach der rund sechswöchigen Vorbereitung im eigenen Spielaufbau noch Probleme hat, ist aber deutlich zu erkennen. Daran müssen die Königsblauen dringend arbeiten, wenn es bald gegen Teams wie Erzgebirge Aue oder Jahn Regensburg geht, die sich eher erst einmal hinten reinstellen. Doch mit zwölf Neuzugängen im Kader des S04 ist es auch kein Wunder, dass von Saisonbeginn an noch nicht alles klappt.

FC Schalke 04: Neue Stärke führt zum Erfolg – S04 baut jetzt auf Standards

Dafür vertraut Dimitrios Grammozis mit seinen Spielern, die ihn nach dem Sieg innig umarmten und sich tierisch über den Erfolg freuten, auf eine andere Taktik. Zweimal hat es sich beim S04 bereits bewährt, vom Spielbeginn an Vollgas gegen den Ball zu geben. Zweimal folgte ein früher Treffer für den FC Schalke 04, jeweils durch Simon Terodde.

Jetzt kam sogar noch eine neue Stärke hinzu. Etwas, was die Fans auf Schalke seit vielen Jahren vermisst haben: die Standardstärke. Früher hallten die „Hinein“-Rufe lautstark durch die Veltins-Arena und in den Auswärtsstadien. Die Hereingaben der Königsblauen waren von den Gegnern gefürchtet, lauerte in der Mitte doch etwa ein Spieler wie Marcelo Bordon, der mit brachialer Gewalt in die Flanke hineinsprang und das Leder in die Maschen drückte.

FC Schalke 04: Thomas Ouwejan legt per Standard auf Simon Terodde auf

Gegen Holstein Kiel entstand eine neue Erfolgskombination: Thomas Ouwejan schlug den Freistoß mit links in den Strafraum, Simon Terodde hielt den rechten Fuß hin und trifft. Zwei Standards, zwei Tore, der S04 führte mit 2:0. Die spielstarken Kieler standen unter Schock, hatten sie doch sonst kaum etwas zugelassen und selbst gute Chancen vergeben. Simon Terodde sagte nach dem Spiel bei Sky über Thomas Ouwejan: „Ich habe in der Vorbereitung schon gesehen, dass er einen guten linken Fuß hat.“

An dieser Erfolgsformel muss der FC Schalke 04 jetzt weiter tüfteln. Standards sind immer ein gefährliches Mittel, gerade wenn es spielerisch nicht so rund läuft. Auch gegen Teams, die sich hinten reinstellen, könnte der S04 so ein Tor erzwingen. Irgendwann muss der Gegner dann zum Angriff übergehen – und die „Knappen“ können ihre jetzt in Kiel bewährte Taktik einsetzen.

FC Schalke 04: Eine weitere Säule könnte folgen – auch wichtig für Standards

Sollten die Blau-Weißen darüber hinaus noch ihr Spiel mit dem Ball verbessern, könnten sie ihrer Favoritenrolle in der Liga gerecht werden – gepaart auch mit einer sicheren Defensive, die gegen Kiel sehr stark wankte. Dries Wouters könnte in fittem Zustand den erneut unglücklich agierenden Florian Flick ersetzen und für mehr Stabilität sorgen.

Mit seinen 1,91 Metern dürfte er bei Standards auch ein Garant sein. Passend zur neuen Erfolgsformel des FC Schalke 04. Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Tim Rehbein/RHR-FOTO

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