Obwohl der Abstieg droht

Neuer Schalke-Vertrag mit Gazprom: Rekord-Summe für die 2. Liga vereinbart

Alexander Jobst guckt in die Ferne
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S04-Marketingvorstand Alexander Jobst hat die Vertragsverlängerung mit Gazprom verkündet.

Der FC Schalke 04 und Hauptsponsor Gazprom gehen weiterhin gemeinsame Wege. Das Energieunternehmen aus Russland bleibt dem S04 auch in der zweiten Liga treu.

Gelsenkirchen – Der FC Schalke 04 steht angesichts des drohenden Abstiegs in die zweite Bundesliga vor einer ungewissen Zukunft. Mit der am Dienstag (30. März) bekanntgegebenen Verlängerung des Sponsoring-Vertrags mit Gazprom gewinnt der S04 allerdings ein großes Stück Planungssicherheit.

UnternehmenGazprom
BrancheErdöl, Erdgas, Satellitenkommunikation
SitzMoskau (Russland)
Schalke-Hauptsponsor seit1. Januar 2007

Schalke 04 verlängert mit Hauptsponsor Gazprom – Vertrag unabhängig von der Liga bis 2025

Seit 2007 ist das weltweit größte Erdgasförderunternehmen der Hauptsponsor von Königsblau. Lange war nicht klar, ob Gazprom Schalke 04 auch in der zweiten Liga die Treue halten würde. Das Nichterreichen der sportlichen Ziele und der Abstieg aus dem deutschen Fußball-Oberhaus hätten dem Unternehmen die Möglichkeit gegeben, den Vertrag zu beenden.

Stattdessen verkündete der S04, dass die Zusammenarbeit mit Gazprom unabhängig von der Zugehörigkeit zur ersten Bundesliga bis 2025 fortgeführt wird. Finale Gespräche seien in Russland geführt worden, in denen die wirtschaftlichen und sportlichen Erwartungen für die Zukunft formuliert wurden.

Schalke 04 verlängert bis 2025 mit Hauptsponsor Gazprom – Alexander Jobst sieht S04 jetzt in der Pflicht

Über die wirtschaftlichen und inhaltlichen Rahmenbedingungen der Vertragsverlängerung vereinbarten Königsblau und Gazprom Stillschweigen. Laut übereinstimmenden Berichten soll Schalke in der zweiten Liga bis zu zehn Millionen Euro kassieren – mehr als jeder andere Zweitligist. Zudem gebe es eine Aufstiegsprämie und die Möglichkeit, nach dem Wiederaufstieg das Sponsoring-Volumen wieder annähernd auf den bisherigen Stand von rund 20 Millionen Euro zu erhöhen.

Die Vertragsverlängerung trage zur wirtschaftlichen Stabilität des Vereins bei und sei ein „starkes Zeichen der Loyalität“, erklärte Matthias Warnig (65), der als Chef der Nord Stream 2 AG dem Aufsichtsrat von Schalke 04 angehört.

Das Gazprom-Logo ziert auch in der zweiten Liga das Trikot von Schalke 04.

Marketing-Vorstand Alexander Jobst (47), der mit Böklunder und Stölting bereits zwei andere Sponsoren langfristig an den S04 binden konnte, zeigte sich in einer Mitteilung dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen in einer schwierigen Zeit. „Gleichzeitig spüren wir im Verein mit dieser Bestätigung unseres Hauptsponsors die Erwartungshaltung und den Ansporn, dass Schalke 04 sportlich wieder in die Erfolgsspur zurückfindet.“

Schalke 04 verlängert langfristig mit Gazprom – S04 erhielt zuletzt 20 Millionen Euro jährlich

Laut Gazprom-Pressesprecher Sergey Kupriyanov, der in der Vergangenheit bereits dem S04-Aufsichtsrat angehörte, möchte das Unternehmen mit der Verlängerung des Sponsoring-Vertrags zeigen, „dass man in herausfordernden Zeiten zusammensteht“. Das zeichne eine Partnerschaft aus.

Das Engagement des russischen Unternehmens auf Schalke ist nicht unumstritten. Zwar erhielt Schalke 04 dem Vernehmen nach zuletzt jährlich rund 20 Millionen Euro von Gazprom und liegt damit im „Hauptsponsoren-Vergleich“ unter den Bundesligisten im vorderen Drittel. Allerdings ist der größte Arbeitgeber Russlands, der sich zu 50 Prozent in staatlicher Hand befindet, besonders Umweltschützern ein Dorn im Auge und steht regelmäßig in der Kritik.

Greenpeace-Aktivisten sorgten mit einem Transparent gegen Gazprom bei einem Schalke-Spiel für Aufsehen.

Als der S04 im Oktober 2013 in der Champions League gegen den FC Basel spielte, seilten sich Greenpeace-Aktivisten vom Dach des Stadions ab und zeigten ein großes Transparent. Mit der Aktion kritisierten die Umweltschützer das Unternehmen, weil es in der Arktis nach Öl bohrte.

Video: Scharfe Töne zum Einstand – Blinken fordert Aus für Nord Stream 2

Umstritten sind zudem die Ostsee-Pipelines „Nord Stream 1“, welche im November 2011 eingeführt wurde, und „Nord Stream 2“, welche sich in Bau befindet. „Nord Stream 1“ wird von der Nordstream AG betrieben, an der Gazprom 51 Prozent der Anteile hält. Eigentümer von „Nord Stream 2“ ist die Nord Stream 2 AG, welche vollständig Gazprom gehört.

Die Unterwasser-Gasleitungen befördern Erdgas von Russland nach Deutschland. Die Pipelines werden insbesondere von den USA kritisiert, die eine steigende Abhängigkeit des europäischen Kontinents von Gaslieferungen aus Russland befürchten. In der Veltins-Arena läuft bei jedem Heimspiel von Schalke 04 Werbung für das umstrittene Gazprom-Projekt über die LED-Werbetafeln.